Neue Betriebsstätte der "Werdenfelser Werkstätten" mitten in Garmisch-Partenkirchen

Brücke in die Arbeitsgesellschaft

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Von links: Landtagsabgeordneter Harald Kühn, Landrat Anton Speer, Hauseigentümer Einar Leer Nordbö, Werkstattleiter Peter Pfeiffer, KJE-Vorsitzender Alfred Heinle und KJE-Geschäftsführer Ronald Kühn nahmen die Arbeitsplätze beim Rundgang in Augenschein.

GAP – „Ein Traum ist wahr geworden“, dieser Satz fiel mehrfach, als vor kurzem an der Hauptstraße im Gebäude des einstigen „Kaufhaus X“ die neue, 500 Quadratmeter große Betriebsstelle der „Werdenfelser Werkstätten“ feierlich eingeweiht wurde. Diese „WWZentral“ bietet Arbeitsplätze für 20 Menschen mit psychischer Behinderung in fünf verschiedenen Arbeitsfeldern und entlastet so die „Werdenfelser Werkstätten“ an der Dompfaffstraße.

Die Freude über die neue Betriebsstätte war nicht nur den dort Beschäftigten anzusehen, auch die Verantwortlichen – Werkstattleiter Peter Pfeiffer mit seinem Team – und Hauseigentümer Einar Leer Nordbö, strahlten mit der Frühlingssonne um die Wette. Als einem „Mann mit Visionen“ galt dem Norweger besonderer Dank für die Kooperation mit der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenhilfe e.V. (KJE). Nicht zuletzt sein Engagement als Bauträger hat das Projekt Wirklichkeit werden lassen, wie überhaupt viele einzelne Mosaiksteine zur Realisierung der „WWZentral“ beigetragen haben. Ein großes Dankeschön ging hier an die so wichtigen Förderer und Sponsoren.

Das KJE-Motto „miteinander - füreinander“ prägt auch die neue Betriebsstätte an der Hauptstraße. Mitten im Ort wird hier Inklusion vorbildlich gelebt. Der 1. Vorsitzende der KJE, Alfred Heinle, erinnerte in seiner Ansprache daran, dass zu den Grundbedürfnissen des Menschen neben Geborgenheit, Liebe und Achtung auch die Anerkennung gehört. Entscheidend dafür ist nicht zuletzt die Teilhabe an der Arbeitswelt. Ronald Kühn, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied, betonte deshalb, dass es ein Ziel der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenhilfe sei, „die Grenze zwischen normaler Arbeitswelt und geschützter Arbeitswelt fließender zu gestalten.“

"miteinander - füreinander"

Zu einem offiziellen Termin gehören nicht nur Grußworte und Ansprachen, auch eine kleine Stärkung, eine kurze musikalische Umrahmung, und der Austausch unter den Beschäftigten und geladenen Gästen, waren Bestandteil der Einweihungsfeier für die „WWZentral“. In geselliger Runde hatten sich Entscheidungsträger der Lokalpolitik, Förderer und Freunde der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenhilfe e.V. (KJE) und nicht zuletzt Kunden der „Werdenfelser Werkstätten“ in der neuen Betriebsstätte an der Hauptstraße eingefunden. Sie alle wurden von Werkstattleiter Peter Pfeiffer herzlich begrüßt, der auch darauf aufmerksam machte, dass 19 heimische Firmen an der Umsetzung des Projektes beteiligt waren. Auf 500 Quadratmetern sind mitten in Garmisch-Partenkirchen 20 neue Arbeitsplätze für Menschen mit psychischer Behinderung entstanden – „ein Stück Heimat für unsere Betreuten“, wie Peter Pfeiffer feststellte.

Erfolgsgeschichte der KJE 

Dass die KJE seit nunmehr 45 Jahren der Initiator und Motor der Behindertenarbeit im Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist, darauf machte KJE-Geschäftsführer Ronald Kühn aufmerksam. Denn engagierte Bürgerinnen und Bürger beschlossen bereits Ende 1971 die Gründung eines entsprechenden Vereins, der dann am 10. Februar 1972 auf Initiative von Alfred Heinle auf der Taufe gehoben wurde. Die „Beschützende Werkstatt für Behinderte“ nahm am 8. Januar 1973 mit damals drei behinderten Mitarbeitern ihren Betrieb auf. 

Von diesen Anfängen und einer kontinuierlichen, schrittweisen Weiterentwicklung bis zum Neubau der Werdenfelser Werkstätten an der Dompfaffstraße (Einweihung war im Mai 2003 zum 30-jährigen Jubiläum) zieht sich die Erfolgsgeschichte der KJE als roter Faden durch die Jahrzehnte. Mittlerweile betreuen, unterstützen und begleiten in den verschiedenen KJE-Einrichtungen (hierzu gehören die Heilpädagogische Tagesstätte Farchant und Murnau, Wohnhäuser, Integrationskindergarten und Hort sowie Offene Hilfen und Fachdienste) 214 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter 501 Menschen mit und ohne Behinderung. 

Die „Werdenfelser Werkstätten“ mit Schreinerei, Wäscherei, industrieller Fertigung, Hauswirtschaft / Reinigung und Außenarbeitsplätzen, sind das Herzstück und mittlerweile für 218 Beschäftigte nicht nur Arbeits- und Ausbildungsstätte, sondern auch Lebens- und Begegnungsraum für Menschen mit und ohne Behinderung. „Diese individuellen Arbeitsplätze mit individueller Förderung ermöglichen eine echte Teilhabe an der Arbeitswelt. Jeder soll das tun können, was er kann und möchte“, betonte Ronald Kühn. 

Diesen Gedanken stellten auch die Vertreter der Geistlichkeit, Pfarrer Thomas Schmitt und Diakon Gerhard Titze, in den Mittelpunkt ihrer Segnung. „Arbeiten zu können und zu dürfen, gehört zur menschlichen Würde. Wer nicht mitarbeiten darf, fühlt sich schnell ausgegrenzt. Und so ist Arbeit wichtig für die Seele, die Psyche und die Selbstständigkeit“, sagte Pfarrer Schmitt. Die Vertreter der Geistlichkeit spendeten der neuen Betriebsstätte ein symbolträchtiges Glaskreuz, „das in seiner Transparenz zeigt, wir lassen uns ins Herz schauen.“ 

Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer, Landrat Anton Speer und MdL Harald Kühn, die Grußworte an die Festgesellschaft richteten, dankten allen am Projekt Beteiligten, den Förderern, Sponsoren, Kunden und Freunden der KJE für das Engagement. Hervorgehoben wurden Fleiß und Tatendrang von Werkstattleiter Peter Pfeiffer und seinem Team und von allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Besondere Wertschätzung wurde auch dem unermüdlichen 1. Vorsitzenden, Alfred Heinle, zuteil. Der antwortete gewohnt bescheiden und stellte die Menschen in den Mittelpunkt seiner Ansprache: „Sie müssen gefördert und betreut werden. Was braucht der Mensch zum Wohlfühlen? Geborgenheit, Liebe, Anerkennung und Achtung – das gilt für alle Menschen und erst recht für Menschen mit Behinderung.“

Von Ilka Trautmann

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