Wie die faszinierende, mit Musik unterlegte, 360-Grad-Panoramaführung durch die Garmischer Pfarrkirche St. Martin entstand

Eine völlig neue Art der Kirchenführung

Panormakirchenführung
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Timor Hlozánek bei seiner interessanten Arbeit in der Münchner Jesuitenkirche.

GAP – Fasziniert und beseelt fühlen sich die, die am PC an der neuen virtuellen 360°-Panoramaführung in der Pfarrkirche St. Martin teilnehmen. Interessierte werden durch das barocke Garmischer Gotteshaus navigiert, dessen Baumeister war Joseph Schmuzer (1683 – 1752) aus Wessobrunn. Bekanntes wird neu entdeckt, auf Verborgenes, Besonderes und viele Einzelheiten aufmerksam gemacht. Dazu gibt’s wunderschöne gregorianische Gesänge und Orgelklängen, die aus der Feder von Johann Speth (1664 - 1721) stammen und in einer Aufnahme der Schola Gregoriana Germareskauuensis unter der Leitung und mit Kirchenmusiker Josef Schwarzenböck zu hören sind.

„Tibor Hlozánek hat das Ganze erstellt. Er lädt damit zu einer völlig neuen Art Kirchenführung ein“, erklärt Schwarzenböck, der nicht nur für die Musik zuständig war, sondern das Projekt auch mit seinem kunsthistorischen und lokalen Fachwissen unterstützte. Mesner Georg Woitich leistete die nötigen Hilfestellungen, übernahm die Schließdienste. Nach monatelanger Arbeit im Corona-Jahr 2020/21 liegt das Ergebnis, aktuell ergänzt mit den verschiedenen Osterdarstellungen des Hochaltars, nun vor.

In die Panorama-Führung kann, sehr verständlich angeleitet, jederzeit mit Benutzung der Symbolleiste individuell eingegriffen werden. Die gewünschten Erklärungen gibt‘s per eingeblendeter Texte. Zurückgehen oder nach vorn springen ist ebenso möglich, wie sich per Mausklick die Deckengemälde von Matthäus Günther (1705 – 1788) ‚herunter zu holen‘. Ganz nah ist jeder Pinselstrich erkennbar, die Details verblüffend. Geht man auf die Miniaturbilder-Leiste, kann die automatische Führung verlassen, später wieder aufgenommen werden.

Die verschiedenen Sichtebenen, die 360°-Perspektive faszinieren, lassen Kunst und Theologie verschmelzen. Zugleich wachsen Ehrfurcht und Bewunderung vor den Erbauern und Künstlern des von 1730 bis 1734 errichteten Gotteshauses. Für Hlozánek ist es bereits die 24. Kirche, für die er eine Panoramaführung erstellte. „Zugleich dokumentiere ich damit auch historisch Wertvolles“, sagt der 55-Jährige. Vor circa fünf Jahren entdeckte er den barocken Kirchenraum als Sujet und ist seitdem davon fasziniert. Der in Tschechien geborene EDV-Fachmann – er lebt mit der Familie im oberbayerischen Reichertshausen - arbeitet hauptberuflich als Netzwerkadministrator. Die ‚Panografie‘ ist sein Hobby. „Die Idee für Panorama-Darstellungen überhaupt kam mir auf einer meiner Auslandsreisen“, verrät er. „Weil ich mehr als nur Fotos mitbringen wollte“.

Inzwischen hat er seine Techniken immer weiter entwickelt. Ein von ihm programmierter und auf ein ausziehbares Stativ geschraubter Roboter leistet wertvolle Hilfe. Circa 5.500 einzelne hochauflösende Bilder werden pro Projekt erstellt, per Computer-Programm zusammengefügt – das ist Kunst daran. Inzwischen sind es Kirchen in München, Ingolstadt, Eichstätt, Rott am Inn, Indersdorf, im Pfarrverband Allershausen, aber auch in Rottenbuch und nun in Garmisch, die so zu betrachten sind. Man spürt die Leidenschaft, die hinter den Arbeiten steckt und möchte kaum glauben, dass Hlozánek sich bisher immer um die Aufgaben beworben und unentgeltlich gearbeitet hat. Lediglich für die Server-Leistung gibt es von der Erzdiözese, vom St. Michaelsbund, Unterstützung. Ein neuer Auftrag führt jetzt in den Münchner Dom, und dafür wird er erstmals auch bezahlt. Die 360°-Panoramaführung in St. Martin gibt‘s unter https://pv-zugspitze.de/st.-martin-garmisch-2/ Meggy Schäfer

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