Aus Gründen des Naturschutzes verboten

Wildcampen in den Ammergauer Alpen wird zum Problem

Eine Pfadfindergruppe aus dem Stuttgarter Raum wollte ein Wochenende im Pürschlinggebiet verbringen. Der Ausflug kommt teuer. In der Regel wird für verbotenes Wildcampen eine Strafe von 350 Euro pro Person verhängt.
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Eine Pfadfindergruppe aus dem Stuttgarter Raum wollte ein Wochenende im Pürschlinggebiet verbringen. Der Ausflug kommt teuer. In der Regel wird für verbotenes Wildcampen eine Strafe von 350 Euro pro Person verhängt.

Ammertal – Momentan sind besonders viele Wildcamper im Tal und in den Bergen unterwegs, wie auch im Naturpark Ammergauer Alpen verstärkt festgestellt wird. Offenbar haben Coronakrise und soziale Medien gemeinsam einen Anteil daran. Auf Instagram beispielsweise ist es angesagt, Selfies von Übernachtungen in der freien Natur zu posten. Doch in den Bergen und in Naturschutzgebieten ist das Wildcampen verboten – aus guten Gründen. 

Viele Menschen haben während der Coronakrise festgestellt, wie schön es ist, sich in der Natur aufzuhalten. Ein neuer Trend: Eine Nacht unter freiem Himmel verbringen. Doch wenn zu viele auf diese Idee kommen, wird es zu einem ernsthaften Problem, so auch in den Ammergauer Alpen. Besonders betroffen sind die Tiere, darunter auch seltene und geschützte Arten. Sie sind gefährdet, wenn Menschen nicht mehr nur tagsüber, sondern auch nachts in ihren Lebensraum eindringen. Daher ist das Übernachten in freier Natur außer in Ausnahmefällen verboten. Zu diesen zählt zum Beispiel eine Notübernachtung (Notbiwak) am Berg oder das Übernachten auf einem Grundstück, dessen Eigentümer eingewilligt hat. Geht man geplant mit Schlafsack und Isomatte auf einen Gipfel, um dort die Nacht zu verbringen, handelt man gegen das Verbot, eine Notsituation ist das offensichtlich nicht.

Auswirkungen auf den Lebensraum der Tiere

 „Fast täglich bekomme ich Hinweise, dass Leute auf den Berggipfeln des Ammergebirges wild campen“, so Klaus Pukall, Naturparkkoordinator. Die Lage habe sich durch die Coronakrise spürbar verschärft. Die Campingplätze waren bis letzte Woche noch für Besucher mit Zelt gesperrt. Daher seien viele Camper auch im Tal angetroffen worden, auf Parkplätzen,  die nicht für Übernachtungen zur Verfügung stehen, beispielsweise im idyllischen Graswangtal.  „Entscheidend sind die Auswirkungen auf die Natur – unsere Wildtiere wollen ihren Lebensraum zumindest Abends und Nachts ungestört nutzen“, betont Pukall. 

Hohe Strafen zu erwarten

Das Zelten oder Biwakieren in geschützten Biotopen und Natur- und Landschaftsschutzgebieten kann sehr teuer werden. In der Regel ist mit einer Strafe von 350 Euro pro Person zu rechnen, es kann aber auch mehrere Tausend Euro kosten, je nach Gebiet. Eine satte Strafe kommt nun wohl auf eine Pfadfindergruppe aus dem Stuttgarter Raum zu, die ein Wochenende im Pürschlinggebiet verbringen wollte. Der zuständige Berufsjäger entdeckte die Gruppe, überzeugte die Jugendlichen sofort das Zelt abzubauen und übergab die Gruppe an die Polizei, um die Personalien festzustellen.   moc

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