Minister Aiwanger sendet Signal der Sicherheit

Garmisch-Partenkirchen: Wintersaison mit dem Coronavirus

Skipiste Garmisch-Partenkirchen
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Ob die kommende Skisaison so problemlos verlaufen wird, wie Minister Aiwanger es annimmt, kann niemand sagen. Vertrauen und Zuversicht sind für die Tourismusbranche im Moment aber entscheidend.

GAP - In Krisenzeiten ist Vertrauen besonders wichtig. Die negativen Schlagzeilen wegen des Corona-Ausbruchs im Edelweiss-Ressort der US-Streitkräfte hat die Tourismusbranche stark zu spüren bekommen. Zahlreiche Reisestornierungen waren die Folge. Kaum verwunderlich also, dass die Politik nun ein Signal der Zuversicht senden möchte.

Der Bayerische Wirtschafts- und Tourismus-Minister Hubert Aiwanger organisierte am Dienstag kurzfristig ein Pressegespräch am Riessersee in Garmisch-Partenkirchen. Seine Botschaft und die seiner politischen Kollegen: Der Wintertourismus ist nicht gefährdet. „Der Sommer hat gezeigt, dass wir die Infektionszahlen in den Griff bekommen haben“, begründete der Minister seine Haltung.

Zum Pressegespräch am Riessersee kamen (von links): Anton Speer, Florian Streibl, Herbert John, Hubert Aiwanger, Klaus Stöttner und Daniel Schimmer.

Plädoyer für Seilbahnen und Beschneiung

Ein Plädoyer für den Skitourismus muss gleichzeitig ein Plädoyer für die Seilbahnen sein. Mit allem, was dazu gehört: „Wir brauchen die Seilbahnen, um die Menschen in die Berge zu bringen“, bekräftigte Aiwanger, „wir sprechen uns gleichzeitig ganz klar für die Beschneiung der Pisten aus.“ Auch der CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Stöttner begann mit der markanten Aussage: „Geht‘s den Seilbahnen gut, geht‘s dem Ort gut.“ Bürgermeisterin Elisabeth Koch betonte mit sichtlichem Stolz, Garmisch-Partenkirchen habe fünf beschneite Pisten zu bieten und damit auch Schneesicherheit.

Skilifte und Gondeln laut Minister Aiwanger vollkommen unbedenklich

Es herrschte eine euphorische Grundstimmung. Zum Winter-Hygienekonzept gab es aber nur vereinzelt Auskünfte. Landtagsabgeordneter Florian Streibl mahnte: „Unser Pfund ist die Sicherheit. Wir müssen die Infektionszahlen niedrig halten.“ Après-Ski-Parties wird es keine geben. Landrat Anton Speer sieht das nicht als Problem: „Die Après-Ski-Kultur ist bei uns nicht stark ausgeprägt, man sitzt eher gemütlich in den Hütten zusammen.“ Die Außenbereiche der Berghütten würden ausgebaut, mit Überdachung und Beheizung.

 „Unser Pfund ist die Sicherheit.“

Florian Streibl, Landtagsabgeordneter (Freie Wähler)

Hubert Aiwanger hält die Situation in den Gondeln, Liften und Bahnen für unbedenklich, da es sich um Fahrtzeiten von wenigen Minuten handle und nach jeder Fahrt gelüftet werde: „Ich sehe hier das geringste Risiko.“

Tourismusbranche stark verunsichert

Daniel Schimmer, Ortsobmann des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands, Gemeinderatsmitglied (Freie Wähler) und selbst Hotelier, erinnerte sich an die harten Zeiten im März, als Gastronomie und Hotellerie den Lockdown hinnehmen mussten, der zehn Wochen andauern sollte: „Das Schlimmste ist, ohnmächtig zuschauen zu müssen.“ Er hob die Absagen der wichtigen Großevents in der Region hervor, wie die Passionsspiele, die BMW Motorraddays oder das Richard-Strauss-Festival. Schlimme Verluste für die Tourismusbranche. Auch habe sich das Buchungsverhalten stark verändert. Die Gäste seien momentan nicht mehr bereit, sich im Voraus festzulegen: „Blicke ich auf die Wintersaison, blicke ich in eine Glaskugel.“ Eine Planungssicherheit existiere nicht. Er wünsche sich, dass sich das wieder ändert: „Stornierungen sind für die Gäste kostenlos. Ich ermuntere jeden, seinen Urlaub langfristig zu planen.“

Das Schlimmste war, ohnmächtig zuschauen zu müssen.

Daniel Schimmer, Ortsobmann Bayerischer Hotel- und Gaststättenverband

Vorbereitungen des Bayerischen Skiverbands

„Skifahren ist die schönste Nebensache der Welt." Als Vertreter des Bayerischen Skiverbands sprach Interimspräsident Herbert John über die Vorbereitungen, die für die Wintersaison getroffen wurden. Zusammen mit dem Deutschen Skiverband, Snowboard Germany und dem Skilehrerverband habe man ein Sicherheitskonzept entworfen. Übungsleiter sollen nur noch mit kleinen Gruppen unterwegs sein. Auch der Nachwuchs werde unter strengen Auflagen trainiert. Bisher habe es noch keine Vorfälle in den Trainingsgruppen gegeben: „Alle halten sich an die Regeln.“

Seid nicht ängstlich, sondern vorsichtig und umsichtig.

Herbert John, Interimspräsident Bayerischer Skiverband

Vierschanzentournee und Nordische Ski-WM sollen stattfinden

John sprach auch die Austragung der Vierschanzentournee und der Nordischen Ski-WM an. Beides werde stattfinden. Bei der Vierschanzentournee wolle man ein gemeinsames Hygienekonzept mit den anderen Austragungsorten Oberstdorf, Bischofshofen und Innsbruck erarbeiten. Die Nordische Ski-WM soll vor einer reduzierten Anzahl von 2.500 Zuschauern ausgetragen werden. Eine der größten Herausforderungen sei der Umgang mit der Anreise der Sportler und Funktionäre aus anderen Ländern. Doch für Herbert John kein Grund, sich entmutigen zu lassen. Er rät allen Wintersportlern: „Seid nicht ängstlich, sondern vorsichtig und umsichtig.“ Am kommenden Samstag steht eine wichtige Entscheidung an: Es geht um die Ski-WM 2025, für die sich Garmisch-Partenkirchen beworben hat. Eine Zusage wäre ein Glücksfall für die ganze Region und für Bayern.
Conie Morarescu

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