Zeichen für Opfer des Kriegsterrors

2009 erhielt die Gemeinde Mittenwald ein Überraschungsgeschenk, den „Stein des Anstoßes“, ein Mahnmal mit Glasvitrine und Steinen des zerstörten Dorfes Cortona und eingraviertem Text zu den Verbrechen der Wehrmacht.

Mit diesem Danaergeschenk will die „Angreifbare Traditionspflege“ ein Zeichen für die Opfer des Terrors im Zweiten Weltkrieg setzen. Nachdem das Mahnmal am Bahnhof vorübergehend Platz fand, wurde der endgültige Standort der Erinnerungsstele auf dem Gelände der Haupt- und Grundschule am Mauthweg beschlossen. Jetzt fand die offizielle Einweihung des Mahnmals mit vielen Gästen des Landkreises und der Bundeswehr, Zeitzeugen, einer Repräsentantin des Dorfes Cortona und Mitgliedern der „Angreifbaren Traditionspflege statt. Ohne Zwischenfälle verlief der kirchliche Segen für das Mahnmal „Stein des Anstoßes“ durch die ökumenische Geistlichkeit mit Dekan Thomas Gröner und Pfarrer Olaf Kringel. Die seit vielen Jahren an Pfingsten auf dem Hohen Brendten im Mittenwalder Kranzberggebiet stattfindende Feier zu Ehren der gestorbenen, vermissten und gefallenen Kameraden der letzten Kriege, fand plötzlich Gegner. Durch das Bekanntwerden von Greueltaten von Vertretern der Gebirgsjäger 1944 in toskanischen Orten, wie dem italienischen Dorf Falzano di Cortona, welches zerstört und wo 14 Einwohner ermordet wurden, empörte sich der Arbeitskreis „Angreifbare Traditionspflege“ und wurde ab 2002 zum erbitterten Kontrahenten der jährlichen Soldatenehrung. Um einen akzeptablen Duktus für eine friedliche Fortführung der Pfingstfeiern zu erhalten, debattierten die Marktgemeinde, die Kirche, die Schule mit Vertretern des Arbeitskreises, um eine Lösung zu finden. Bürgermeister Adolf Hornsteiner betonte in seiner Ansprache, dass er immer den Dialog suche und keine Konfrontation. Er hofft, dass die Hand zur Versöhnung durch die Mahnmaleinweihung auch vom Arbeitskreis „Angreifbare Traditions- pflege“ angenommen wird. Diese symbolische Feierstunde zum Frühlingsanfang sei ein Stück deutscher Geschichte, sie sei aber auch eine Chance zu Toleranz, Versöhnung und friedlichem Miteinander. Hornsteiner zitierte einen treffenden Ausspruch von Martin Luther King: „Wir haben gelernt wie die Vögel zu fliegen, wir haben gelernt wie Fische zu schwimmen, aber wir haben die einfache Kunst verlernt, wie Brüder miteinander zu leben“.

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