"Marktoberdorf ist steinreich"

+
Stein des Anstoßes: Auf dem Gelände des Marktoberdorfer Bauhofs lagern rund 1000 Tonnen Granitpflastermaterial, das die Stadt 2013 angeschafft hatte.

Marktoberdorf – Da liegen sie nun und harren der Dinge: mehr als 1000 Tonnen Granitmaterial lagern seit Sommer 2013 im Bauhof der Stadt Marktoberdorf. „Unübersehbar“, sagt Bauhofchef Thomas Follner und zeigt auf die schier endlose Reihe an Paletten, auf der die Granitpflastersteine unterschiedlicher Größe liegen. Das Material wurde 2013 ohne staatliche Zuschüsse zu einem Gesamtpreis von rund 500.000 Euro angeschafft und sollte zum Ausbau der westlichen Georg-Fischer-Straße verwendet werden.

Ob das Projekt, gegen das Anwohner und Bürger Sturm liefen, jemals wieder angepackt wird, lässt die Stadt offen. Momentan heißt es aus dem Rathaus, dass ein Ausbau von der Bahnhofstraße bis zum Birkenweg derzeit angesichts einer Vielzahl an Bauprojekten höherer Priorität als nachrangig angesehen wird. Die Stadt ließ vielmehr prüfen, was ein Verkauf des teuren Pflastermaterials einbrächte.

Schleuderpreis

Nicht viel, so die Antwort von Lieferanten. Der Verkauf würde zu einem Verlust von bis zu 75 Prozent führen. Das ist selbst der Stadt, die ihren Haushalt konsolidieren will, zu wenig. Deshalb beschloss der Stadtentwicklungsausschuss, die Granitsteine bei laufenden Bauprojekten, etwa an Schulplätzen oder Gehwegen, peu à peu zu verwenden. Oder bei konkreten Möglichkeiten auch direkt zu verkaufen. „Wir werden uns dabei in jedem Fall die Wirtschaftlichkeit des Projekts ansehen und keine Feldwege mit Granit pflastern“, versprach Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell. Das Material aus Portugal sei noch in ausgezeichnetem Zustand, wie eine Untersuchung bestätigt hatte.

Nicht alle Stadträte konnten den Weg der Verwaltung gutheißen. Christian Vavra (Grüne) sagte: „Mir blutet das Herz, hiermit den gesamten Ausbau Georg-Fischer-Straße zu Grabe zu tragen.“ Die Planungen allein hätten schon rund 100.000 Euro gekostet, jetzt würde das Projekt zu den Akten gelegt. Der Zustand der Straße gebiete jedoch keine Dringlichkeit, hieß es von Seiten des Bauamts. Und ob Verschönerungsmaßnahmen auch mehr Kunden brächten, zweifelte nicht zuletzt auch Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell an. Die Mehrheit im Stadtentwicklungsausschuss stimmte für eine Verwendung der Granitsteine und sah keine Notwendigkeit, das Thema Georg-Fischer-Straße wieder aufzugreifen.

von Angelika Hirschberg

Auch interessant

Meistgelesen

Video
Parkettböden - Wohngefühl und Lebensqualität
Parkettböden - Wohngefühl und Lebensqualität
Heimat für begrenzte Zeit
Heimat für begrenzte Zeit
Einschränkung für Bahnfahrer
Einschränkung für Bahnfahrer
Kaufbeurer Altstadt in schönem Licht
Kaufbeurer Altstadt in schönem Licht

Kommentare