Anerkennung für unbezahlbare Leistungen

13. Integrationspreis Schwaben geht an Arbeitskreis Asyl Kaufbeuren

Urkundenverleihung an Arbeitskreis Asyl Kaufbeuren
+
Dr. Erwin Lohner (v. li.), Regierungspräsident von Schwaben, überreichte Günter Kamleiter, dem Sprecher des Arbeitskreises Asyl, die Urkunde. Darüber freuten sich auch Elisabeth May-Khalifa (seit 30 Jahren dabei) und Oberbürgermeister Stefan Bosse.

Kaufbeuren – Genau 13 Personen waren zur Überreichung des 13. Integrationspreises der Regierung von Schwaben am vergangenen Donnerstag im historischen Rathaussaal mit Gastgeber Oberbürgermeister Stefan Bosse versammelt. Eigentlich hätte der Preis am 30. Oktober im Rokokosaal in Augsburg feierlich übergeben werden sollen. Wegen eines Terminkonflikts war Schwabens Regierungspräsident Dr. Erwin Lohner jedoch den örtlichen Preisträgern, dem Arbeitskreis Asyl, entgegengekommen und nach Kaufbeu­ren gefahren.

Dr. Lohner zeigte sich aus zwei Gründen darüber erfreut: Zum einen bedeute das eine willkommene Entzerrung der Augsburger Veranstaltung. Und zum zweiten dürfe er endlich auch einmal aktiv in diesem schönen Raum auftreten, den er bisher nur als Gast beim Tänzelfest besuchen konnte. Der Regierungspräsident hob hervor, dass der 2008 ins Leben gerufene Integrationspreis in diesem Jahr nur dreimal verliehen werde und sich die Dotierung dadurch auf 1700 Euro je Preisträger erhöhe. Das sei zwar nicht viel, solle aber auch nicht als Bezahlung der Leistungen verstanden werden, sondern vielmehr als Anerkennung und Ansporn für die Zukunft. Der Arbeitskreis Asyl kann in diesem Jahr gleichzeitig sein 30-jähriges Bestehen feiern. „Da braucht man einen langen Atem“, so Dr. Lohner. Und er zitierte das Ergebnis einer Studie: „Die Integration von Geflüchteten ist noch nicht abgeschlossen (...) aber sie ist auf einem guten Weg.“ Lohner schloss mit einem Dank an alle, die sich um die Integration bemühen. „Man muss sich zusammensetzen und miteinander reden – das funktioniert in Schwaben eigentlich ganz gut.“

Der Arbeitskreis Asyl Kaufbeuren, dessen Träger die evangelische Dreifaltigkeitskirche ist, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Asylbewerber nach ihrer Flucht in ein Land, dessen Sprache sie nicht sprechen, bestmöglich zu unterstützen, unabhängig von ihrer Hautfarbe und Religionszugehörigkeit. Die Hilfe wird nicht davon abhängig gemacht, dass diese Menschen irgendwann einmal als Asylbewerber anerkannt werden. Günter Kamleiter, Sprecher des Arbeitskreises Asyl, dankte für die Auszeichnung und gab einen kurzen Überblick über die vielfältigen Aktivitäten, die von derzeit rund 115 ehrenamtlichen Mitgliedern betreut werden: Einmal wöchentlich die Teestube, die derzeit allerdings ebenso wie die tägliche Brotausgabe geschlossen bleiben muss, Montag bis Freitag je zwei Stunden Hilfe beim „Home­schooling“, einmal im Monat der Frauentreff und zweimal die Nähgruppen, Koordination von Familienpatenschaften sowie die Organisation von Festen und Freizeitaktivitäten wie Nikolausfeier, Sommerfest, Ausflüge und Nachbarschaftsfeste, um den tristen Alltag durch Höhepunkte zu bereichern. Außerdem erfolgt Politische Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung mit ähnlichen Initiativen wie „Bündnis für Flüchtlinge“, „Generationenhaus“, „Pro Asyl“, „Bayerischer Flüchtlingsrat“ sowie Initiativgruppen, Rechtsanwälte, Beratungsstellen, Flüchtlingsbeauftragte und Einrichtungen in der Region. „Wir betreuen, wir informieren, wir beraten, wir besuchen die Familien, wir begleiten zum Arzt, zu Behörden, zum Anwalt und vor Gericht oder bei den Hausaufgaben der Kinder, wir organisieren Papiere, Möbel, Schulmaterial, Kontakte, Kindergarten- und Hortplätze sowie Rechtsberatung und wir protestieren bei Ungerechtigkeiten im Asylverfahren und bei unwürdiger Behandlung und Versorgung der Flüchtlinge“, heißt es auf der Webseite.

Eigentlich wisse Kamleiter gar nicht genau, wer sich in Kaufbeu­ren alles für Flüchtlinge engagiere, weil viele sich einfach um jemanden kümmern, ohne Mitglied zu sein. Im Laufe der jetzt 30 Jahre seien es sicher mehrere hundert Menschen gewesen, die sich dem Ziel der Integration verschrieben hätten und einen repräsentativen Querschnitt durch die Stadtgesellschaft darstellen. „Wir sind keine Gruppe von Spinnern, sondern in der Stadt gut verankert und ausgezeichnet vernetzt.“ Dieses Engagement wurde bereits 2016 mit der Kaufbeuren aktiv-Medaille in Silber für „20-30 Jahre ehrenamtliche Tätigkeit“ ausgezeichnet. Es sei zwar nicht immer leicht, mit Vertretern der Regierung zusammenzuarbeiten oder in einer Verwaltung „Menschenrechte einzufordern“, aber jetzt klappe das mit dem derzeitigen Leiter der Unterkünfte besonders gut. „Wir werden weiter kämpfen, aber auch zusammenarbeiten, wo es geht.“ Das derzeit wichtigste Projekt sei die Vorbereitung der Kinder in den Unterkünften für weiteres Homeschooling. Dafür würden noch dringend Räumlichkeiten mit WLAN-Anschluss gesucht, Sponsoren für Drucker und Laptops sowie zusätzliche Betreuer, eventuell sogar gegen Bezahlung.

Schließlich wies Günter Kamleiter noch auf die Ausstellung „30 Jahre Arbeitskreis Asyl“ in der Dreifaltigkeitskirche hin, die dort noch bis zum 30. Oktober zu sehen ist.

von Ingrid Zasche

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Kaufbeuren: Schwere Explosion zerstört Vereinsheim des TSV Oberbeuren
Kaufbeuren: Schwere Explosion zerstört Vereinsheim des TSV Oberbeuren
Kaufbeuren: Junger Mann klaut Auto von Pizzadienst und rammt weiteren Pkw
Kaufbeuren: Junger Mann klaut Auto von Pizzadienst und rammt weiteren Pkw
Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse lässt sich mit Astrazeneca impfen
Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse lässt sich mit Astrazeneca impfen
Mit Schaufel und Messer: Streit zwischen Nachbarn in Kaufbeuren eskaliert
Mit Schaufel und Messer: Streit zwischen Nachbarn in Kaufbeuren eskaliert

Kommentare