Intimsphäre verletzt

19-jähriger Ostallgäuer wegen heimlicher Bildaufnahmen vor Gericht

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Symbolbild

Kaufbeuren – Weil er auf dem Kaufbeurer Tänzelfest im Juli 2019 einen Mann heimlich beim Urinieren filmte, stand ein 19-jähriger Ostallgäuer vor Gericht. Er wurde wegen Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen vom Kaufbeu­rer Amtsgericht verwarnt und muss einen Geldbetrag in Höhe von 300 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen.

Der Angeklagte hatte die Aufnahmen gefertigt, indem er sein Smartphone über die Kabine gehalten hatte. Der junge Mann zeigte sich von Anfang an geständig und legte dem Gericht ein Entschuldigungsschreiben an den Geschädigten vor, in dem er sich dafür entschuldigt, die Intimsphäre des Mannes „aufs Äußerste verletzt“ zu haben. Vor Gericht äußerte der 19-Jährige erneut seine Reue und gab an, nicht zu wissen, was ihn dazu getrieben habe. Auch auf Nachfrage der Vorsitzenden zu den Gründen seiner Tat konnte der junge Mann keine Erklärung finden, schaute immer wieder zu Boden.

Auch laut den Schilderungen des Vertreters der Jugendgerichtshilfe sei es dem schüchternen 19-Jährigen im Gespräch mit ihm schwer gefallen, von sich aus von dem Vorfall zu erzählen. Die Angelegenheit sei ihm sichtlich peinlich gewesen. Der Jugendgerichtshelfer stellte in puncto sexueller Orientierung des jungen Mannes eine mögliche „unbewusste oder bewusste Neigung zur Homosexualität“ in den Raum, wobei ihm wohl die zu erwarteten Konsequenzen im Familien- und Arbeitsumfeld ein Outing erschweren würden. Ob seine Tat gar als „Hilfeschrei oder einem Bedürfnis nach Partnerschaft“ gewertet werden könne, bliebe letztlich offen.

Der Angeklagte beteuerte vor Gericht, solche Taten künftig nicht mehr zu begehen, er habe bereits psychologische Hilfe in Anspruch genommen.

Die Staatsanwaltschaft sprach von einer „irrationalen und jugendtypischen Tat“ und legte ihm nahe, weiterhin in psychologische Behandlung zu gehen. Strafmildernd wirkte sich aus, dass er sich bis dato nichts hat zu Schulden kommen lassen und seine Tat von vornherein gestand. Auch auf die Vorsitzende machte der junge Mann einen „glaubhaft reuigen Eindruck“. Er sei zudem gut ins Arbeitsleben integriert. Das milde Urteil solle der 19-Jährige als Weckruf verstehen, denn sollte es ein nächstes Mal geben, „scheppert es gewaltig“, so die Warnung des Gerichts.

Mahi Kola

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