In seiner 24-Stunden-Tour begegnete OB Stefan Bosse vielen Gesichtern und Geschichten

Ganz nah am Bürger

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Rund 40 Stationen absolvierte OB Stefan Bosse auf seiner 24-Stunden-Tour.
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Rund 40 Stationen absolvierte OB Stefan Bosse auf seiner 24-Stunden-Tour.

Kaufbeuren – Das abenteuerliche Unterfangen, über das der Kreisbote und zahlreiche Medien im Vorfeld berichteten, ist geglückt: 24 Stunden lang tourte Oberbürgermeister Stefan Bosse nonstop durch die Stadt:

Von Freitag um sechs Uhr in der Früh bis sechs Uhr morgens am Samstag konnten die unterschiedlichsten Menschen sich im direkten Kontakt mit dem OB austauschen, ihre Anliegen vorbringen, Fragen stellen, im eigenen Umfeld Einblicke in ihren beruflichen und privaten Alltag geben.

Aus dem ursprünglichen Traum Bosses, „an einem lauen Sommerabend gemeinsam mit den Bürgern ein Grillfest zu veranstalten“, hätte sich dann die Idee zur 24-Stunden-Tour entwickelt, eine Aktion, die sich für die Nähe zum Bürger ausspricht.

Anfängliche Bedenken, ob die Nachfrage für dieses Angebot hoch genug sei, wurden schnell zerstreut: So viele Anfragen sind eingegangen, dass der OB an diesem Tag rund 40 Termine hatte und statt im geplanten stündlichen, oft sogar im halbstündlichen Rhythmus mit dem Elektroauto unermüdlich zum nächsten Ort flitzen musste.

Besuch bei somalischen Frauen

In einer Station besuchte der OB zum Beispiel fünf somalische Frauen in ihrer Asylunterkunft. Heike Hayer, die die Frauen betreut, sprach den dringenden Bedarf an mehr Laien-Dolmetschern an, deren Hilfe für eine gelingende Integration benötigt werde. Damit die somalischen Frauen den deutschen Alltag kennenlernen und Teil der hiesigen Kultur und Gesellschaft werden können, sei zudem die Unterstützung der Kaufbeurer als Integrationspartner und Paten gefragt. Einer Ghettobildung, und dass die Frauen sich in ihre Wohnungen zurückziehen, müsse man entgegenwirken. So werden noch einwöchige Praktikumsplätze für die Frauen gesucht. Bosse bot sich diesbezüglich als Ansprechpartner an und startete sogleich einen Aufruf über seine Facebook-Seite, worüber sich die Frauen sichtlich freuten.

Offene Diskussion im Café

Im Café Campino fand sich dann eine kleine Gruppe von Bürgern ein, die verschiedene Anliegen auf dem Herzen hatten: Die Themen reichten dabei vom Wunsch einer Hochschule in Kaufbeuren, die es laut OB wegen der viel zu hohen Kosten nicht geben könne, bis hin zum Bedarf nach mehr öffentlichen Veranstaltungsräumen in der Stadt. Auch das Gelände der Bundeswehr wurde angesprochen, welches, so bekräftigte Bosse, nicht als Testgelände für den ADAC Einsatz finden werde, denn das bringe deutlich zu wenig neue Arbeitsplätze, wäre „Flächenfraß ohne Gegenwehr“. Stattdessen könne man sich die Fläche als „Joker“ für die Zukunft freihalten. Der Bahnhof war ein weiterer Problempunkt; Verhandlungen mit der Deutschen Bahn seien dem OB zufolge zäh, die geplante Barrierefreiheit zum Beispiel sei eine sehr kostspielige und zeitaufwendige Angelegenheit, man werde aber dranbleiben.

Nachtimbiss mit jungen Leuten

Zu später Stunde kam der OB mit Jugendlichen zum Nachtimbiss im McDonald‘s zusammen. Darunter war eine Gruppe junger Leute, die er zuvor im Supermarkt angetroffen und spontan zu einer Runde Cheeseburger eingeladen hatte. Diese fanden ihre Stadt laut eigener Aussage ganz cool, und wollten ohne bestimmten Anlass einfach nur ein bisschen mit Bosse „chillen“, plaudern und gemütlich beisammen sein.

Actionreife Rettungsübung

Spektakulär wurde es dann mitten in der Nacht bei der Rettungsaktion der Bergwacht an der Wertach: Mittels einer Seilbahn wurde OB Bosse über den Fluss transportiert; mit der angelegten Rettungs-“Windel“ schwebte er souverän über der Wertach und im Bergesack liegend (was beim OB einen wohligen „Einschlafreflex“ auslöste) ging es wieder zurück. Das Rettungsteam scherzte vorab damit, ihn als kleine Gemeinheit in der Mitte hängen zu lassen – tatsächlich aber waren die zehn Einsatzkräfte mit vollem Körpereinsatz dabei, mühsam wurden die Seile an den Bäumen befestigt und der Dunkelheit getrotzt. Bosse wusste die „aufwendige Kleinstarbeit“ zu schätzen und bedauerte den geringen Bekanntheitsgrad der Bergwacht, die vor allem in der Forstrettung zum Einsatz kommt und dem Rettungsteam zufolge mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen hätte. Um für die Bergwacht geeignet zu sein, müsse man nämlich sowohl ein guter Kletterer als auch ein geübter Skifahrer sein. Die Männer und Frauen zeigten bei diesem Einsatz, dass sie mit vollem Eifer bei der Sache waren.

Große Resonanz

Ob Geburtstagsfeier, Altenheim, Kita, alleinerziehender Vater, oder einer Spontaneinladung von Klinikmitarbeitern und Rettungsdienst zu einer Party mit mobilem Whir­pool folgend – am Ende seiner 24-Stunden-Tour lautete das Fazit des OB, dass es eine „hochinteressante, intensive Erfahrung“ war, „erfrischend und kontrastreich zugleich“. Mit vielen neuen Leuten sei er in Berührung gekommen, die er vorher noch nicht kannte und deren Feedback er unmittelbar aufnehmen konnte.

Bosse bewies dabei ein großes Durchhaltevermögen und war selbst zu später Stunde noch erstaunlich fit unterwegs. Ab Mitternacht übernahm Peter Igel, der Leiter des OB-Büros das Steuer, und fuhr ihn als Begleiter zu seinen Terminen. Der regelmäßige Konsum von Cola Zero half Bosse dabei, im Laufe der 24 Stunden wach zu bleiben und zwischen seinen Verabredungen sogar via Tablet in sozialen Netzwerken Eindrücke von seiner Tour zu posten. Viele Reaktionen gab es darauf, auf Facebook entfachte zum Beispiel eine kontroverse Diskussion über Integration der somalischen Frauen, vor allem aber gab es viel positive Rückmeldung für die Aktion des OB und den Mut, sich unter die Leute zu mischen, den Dialog mit dem Einzelnen einzugehen.

Den langen Tag ließ er in netter Runde mit einem Frühstück bei Sonnenaufgang am Römerturm ausklingen. Eine Wiederholung dieses besonderen Projekts sei auch in Zukunft mit großer Wahrscheinlichkeit geplant.

Von Mahi Kola

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