Trotz Zweifel freigesprochen

33-jähriger Kaufbeurer wegen sexueller Nötigung vor Gericht

Vom Diezer Amtsgericht wurde der Anwalt aus Köln verurteilt.
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Symbolbild

Kaufbeuren – Ein 33-jähriger Kaufbeurer soll im März 2020 seine Frau sexuell genötigt und sie getreten haben. Auch in zwei weiteren Fällen soll der Familienvater gewalttätig geworden sein und seine Ehefrau bedroht haben. Trotzdem wurde der Mann wegen widersprüchlicher Aussagen der mutmaßlichen Geschädigten vor dem Amtsgericht Kaufbeuren freigesprochen.

Zu der besagten Tat soll es gekommen sein, als der Mann im Schlafzimmer einen Annäherungsversuch gestartet habe, den seine Frau aber deutlich ablehnte. Daraufhin habe er laut den Schilderungen der Frau versucht, ihr gewaltsam den Slip auszuziehen, was jedoch an ihrer Gegenwehr gescheitert sei. Als es dann zum Streitgespräch kam, habe er sie unvermittelt mit einem Tritt gegen die Hüfte aus dem Bett gestoßen. Dies soll nicht der einzige Ausraster ihres Mannes gewesen sein. Schon zuvor soll der 33-Jährige sich ihr gegenüber aus nichtigen Gründen übergriffig verhalten haben: Weil sie die falsche Brotsorte besorgt hatte, habe er ihr in einem Fall damit gedroht, sie aus dem dritten Stock zu werfen. Bei einem anderen Vorfall soll es nach einem Autokauf zum Streit gekommen sein, er die 29-jährige am Arm gepackt, gegen eine Wand gedrückt und ihr gedroht haben soll, sie zu strangulieren.

Angeklagter bestreitet Vorwürfe

Der Angeklagte bestritt vor Gericht alle Vorwürfe. Er hätte sie nie genötigt, bedroht oder sei sie körperlich angegangen. Auch wenn es in ihrer Ehe gekriselt habe, konnte er sich nicht erklären, warum seine Noch-Ehefrau diese Vorwürfe gegen ihn erhebt. Dass seine Frau nach dem Vorfall im Schlafzimmer Anzeige bei der Polizei gegen ihn erstattete, sei für ihn überraschend gewesen. Er habe in jener Nacht lediglich einen Annäherungsversuch unternommen, den seine Frau aber abblockte, und habe dann gleich von ihr abgelassen. Auf Nachfrage vor Gericht gab er an, sich angesichts der Abweisung durch seine Frau enttäuscht und vernachlässigt gefühlt zu haben, nie aber wütend oder aggressiv gewesen zu sein – so eine Person sei er nicht.

Die mutmaßliche Geschädigte, die mittlerweile von ihm getrennt lebt, wollte vor Gericht indes keine Aussage machen, und nutzte ihr Aussageverweigerungsrecht als Ehefrau. Allerdings konnten ihre früheren Angaben, die sie bei der Vernehmung vor einem Ermittlungsrichter gemacht hatte, verwendet werden, da dieser als Zeuge in der Verhandlung aussagte. Dem Juristen zufolge habe es Unklarheiten bei den Aussagen der Frau gegeben und auch keine Konstante bei der zeitlichen Einordnung der Vorfälle. So konnte sie beispielsweise nicht angeben, ob und wie ihr Mann beim angeblichen Übergriff bekleidet war. Aber auch der Angeklagte verwickelte sich bei seinen Schilderungen zum Teil in Widersprüche.

So äußerte die Staatsanwältin im Plädoyer „erhebliche Zweifel daran, dass nichts vorgefallen sein soll“. Nichtsdestotrotz plädierte sie wegen der herrschenden Unstimmigkeiten „mit Bauchschmerzen“ für Freispruch. Weil die angegebenen Vorfälle „nicht überzeugend bestätigt werden konnten“, entschied das Gericht gemäß dem Grundsatz „Im Zweifel für den Angeklagten“ auf Freispruch.

Mahi Kola

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