„Kunst ist wichtig“ – Vernissage mit Abstand

42. Ostallgäuer Kunstausstellung: Preise für hochkarätige Kunst

Barbara Mechler (li.) und Anna Dorothea Klug-Faßlrinner sowie Maya Heckelmann (re.), Leiterin des Künstlerhauses
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Eine Preisverleihung unter besonderen Bedingungen: Ausgezeichnet wurden die Künstlerinnen Barbara Mechler (li.) und Anna Dorothea Klug-Faßlrinner (Mitte) für ihre Arbeiten „Meine Insektenköniginnen“ und die Hinterglasmalerei „A.B.1“. Maya Heckelmann (re.), Leiterin des Künstlerhauses, hielt die Laudatio.

Marktoberdorf/Ostallgäu – Er wolle der „Krise den Beigeschmack der Katastrophe nehmen“, so Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell, der mit einem Zitat von Max Frisch die wenigen geladenen Gäste zur 42. Ostallgäuer Kunstausstellung vergangenen Dienstag im Künstlerhaus begrüßte. Die Stadt hatte in der Tat nicht darauf verzichtet, die über die Grenzen Schwabens hinaus bekannte Ausstellung auch in diesem schwierigen Jahr stattfinden zu lassen. Denn „Kunst ist wichtig“, bekräftigte das Stadtoberhaupt.

Mit der Eröffnung der Ostallgäuer Kunstausstellung geht traditionell auch die Verleihung dreier renommierter Kunstpreise der Stadt Marktoberdorf einher. Damit ist die Ausstellung zu einem der bedeutendsten Kunstwettbewerbe in Schwaben avanciert und setzt ihren Fokus erneut ganz auf die Förderung zeitgenössischer regionaler Kunst. In diesem Jahr hatten 160 Künstler insgesamt 281 Werke eingereicht, etwas weniger als in den letzten Jahren. 36 Werke, davon 27 Gemälde und neun Skulpturen, wurden von der hochkarätig besetzten Jury in die diesjährige Ausstellung aufgenommen.

Verleihung der Kunstpreise

Harry Meyer aus Stadtbergen erhielt für sein Werk „Kopf II“ den Johann-Georg-Fischer-Kunstpreis 2020 der Stadt Marktoberdorf, dotiert mit 3.000 Euro. Kuratorin und Leiterin des Künstlerhauses Maya Heckelmann beschrieb das kleinformatige Werk in ihrer Laudatio als ein dynamisches Gebilde wulst­artiger Farbaufträge, aus dem sich unter dem Blick des Betrachters ein Kopf herauszuschälen scheint. Im Grunde sei dieses Gemälde reine Farbe, dick, pastös und in Wirbeln auf schwarzem Hintergrund aufgetragen. Heckelmann lobte das Werk als ein malerisches Ereignis, kraftvoll und expressiv, das die Unmittelbarkeit seines Entstehungsprozess in die Ausstellung hinein trage. Der Künstler konnte der Verleihung aus gesundheitlichen Gründen nicht beiwohnen.

Der Sonderpreis der Franz Schmid Stiftung 2020, dotiert mit 2.500 Euro ging an diesem Eröffnungsabend an Anna Dorothea Klug-Faßlrinner aus Haldenwang für ihre Installation „Meine Insektenköniginnen“: vier kindsgroße Figuren aus schamottiertem Ton, die mit seltsam in sich gekehrtem Habitus den Blick des Betrachters auf seine eigenen Sehnsüchte und Ängste zurückwerfen. Eine rätselhafte Versammlung, mit teils übergroßen Ohren, kaum vorhandenen Augen und Mündern, in blassen Farben, elfenhaft und doch hohl und ausdruckslos. Von ihrer Ambiguität bliebe keiner unberührt, sagte die Kuratorin, so auch nicht die Jury, die diese Arbeit ausgezeichnet hatte.

Barbara Mechler, ausgezeichnet mit dem Familie Paul Breitkopf-Preis 2020, vor ihrem dreiteiligen Werk „A.B.1“.

Die Dritte im Bunde der diesjährigen Preisträger ist Barbara Mechler aus Amerdingen. Sie erhielt für ihre Serie dreier Hinterglasbilder „A.B.1“ den Familie Paul Breitkopf-Preis 2020, der mit 2.000 Euro dotiert ist. Frisch und neu interpretiere Barbara Mechler, so Heckelmann in ihrer Rede weiter, das Thema der „Badenden“. Ihre Figuren, die selbstvergessen aus der Dusche stiegen oder sich das Wasser aus den Augen rieben, seien unberührt vom Blick des Betrachters, der als Voyeur hinter der Plexi­glasscheibe zurückbleibe. Denn Mechlers Technik ist subtil, ein zweiter Blick lohnt. Durch Aussparungen auf dem Plexiglas und abstrakte farbstarke Hintergrundflächen hat die Künstlerin die Kunst der Hinterglasmalerei gekonnt erweitert, so dass die bemalten Flächen beständig chan­gieren. Diese zeitgemäße Version der Badenden, dieses einfühlsame Spiel zwischen Verbergen und Zeigen stufte die Jury als preiswürdig ein. Für Barbara Mechler, die erstmals im Künstlerhaus ausstellt, ist die Auszeichnung eine große Freude, wie sie später sagte.

36 Werke zeitgenössischer schwäbischer Kunst sind bis zum 10. Januar 2021 im Künstlerhaus Marktoberdorf zu sehen. Darunter auch das Werk „Die Wölfe kommen“ von Kornelia Kesel.

Die sehenswerte 42. Ostallgäuer Kunstausstellung will erneut dem Dialog dienen und über zeitgenössische Kunst und ihren Gehalt für und in der Gesellschaft diskutieren. Gerade in diesen Zeiten ein wichtiges Unterfangen.

Die 42. Ostallgäuer Kunstausstellung ist bis zum 10. Januar 2021 zu sehen. Weitere aktuelle Infos zu Öffnungszeiten und Führungen entnehmen Sie coronabedingt der Homepage www.kuenstlerhaus-marktoberdorf.de.

von Angelika Hirschberg

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