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 Kunstpreise an drei schwäbische Künstler verliehen

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Von: Angelika Hirschberg

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Preisträger Kunstpreise der Stadt Marktoberdorf Heckelmann Eichinger
Die Preisträger der diesjährigen Ostallgäuer Kunstausstellung (v. li.): Robby Sintern (Familie Paul Breitkopf-Preis), Markus Pieper (Johann-Georg-Fischer-Kunstpreis) und Kornelia Kesel (Sonderpreis der Franz Schmid Stiftung) mit Drittem Bürgermeister Michael Eichinger und Künstlerhaus-Direktorin Maya Heckelmann. © Angelika Hirschberg

Marktoberdorf – Die Bedeutung eines Kunstwerks, das machte Künstlerhaus-Direktorin Maya Heckelmann bei der Eröffnung der 44. Ostallgäuer Kunstausstellung mehrfach deutlich, liegt im Auge des Betrachters. Und nichts ist, wie es scheint. So entpuppt sich beispielsweise die fotorealistische Anmutung des preiswürdigen Gemäldes „Hochstand V“ von Markus Pieper als eine detailreiche Zeichnung mit schwer beherrschbarem Medium: Kugelschreiber trifft auf Markier­ungsfarbe und verleiht dem bekannten Motiv eine ungewohnte Frische und Nonchalance. Mehr als eine überraschende Entdeckung wie diese hält die diesjährige Ausstellung im Künstlerhaus Marktoberdorf bereit.

Wer offen ist für „verkehrte Welten“, für Bühnenbilder, deren Geschichten beim Betrachten erst erzählt werden und für die gesamte virtuose Paletten künstlerischen Ausdrucks, der sollte sich ins „Herz der Ostallgäuer Kunst“ begeben, wie dritter Bürgermeister Michael Eichinger zur Begrüßung sagte. Die Ostallgäuer Kunstausstellung ist Jahr für Jahr viel beachteter Höhepunkt der regionalen, zeitgenössischen Kunst. 210 Werke waren von insgesamt 116 Künstlerinnen und Künstlern aus dem schwäbischen Raum eingereicht worden, 83 Kunstwerke wurden von einer hochkarätig besetzten Jury angenommen und spiegeln die Vielfalt der Kunst noch bis zum 8. Januar 2023 (siehe Infokasten) wider.

Markus Pieper: „Hochstand V“

Mit der Eröffnung der Ostallgäuer Kunstausstellung geht traditionell auch die Verleihung dreier renommierter Kunstpreise einher. Damit ist die Ausstellung selbst zu einem der bedeutendsten Kunstwettbewerbe in Schwaben avanciert. In diesem Jahr erhielt Markus Pieper aus Röthenbach für sein eingangs erwähntes Werk „Hochstand V“ den Johann-Georg-Fischer-Kunstpreis der Stadt Marktoberdorf, dotiert mit 3.000 Euro. Kuratorin und Leiterin des Künstlerhauses, Maya Heckelmann, beschrieb das verblüffende, mit feinem Strich gezeichnete und knallig in Szene gesetzte Gemälde auch als eine Warnung, der Natur mit Respekt zu begegnen. Fast, so verriet die Direktorin, hätte es das Werk gar nicht in den Wettbewerb geschafft. Im Sommerurlaub vergessen, sollte es zunächst gefaltet und in einen Briefumschlag gepresst den Weg nach Hause mit der Post nehmen. Dann aber wurde ein heimlicher Übergabeort, ein Parkplatz am Bodensee vereinbart. Und das Werk glücklich zum Wettbewerb in Marktoberdorf eingereicht, wo die Jury von der kontrastreichen Arbeit in ihren Bann gezogen wurde.

Kornelia Kesel: „Hasenjagd“

Der Sonderpreis der Franz Schmid Stiftung, dotiert mit 2.500 Euro, ging in diesem Jahr an Kornelia Kesel aus Kempten für ihre Skulptur „Hasenjagd“. An einer alten Fahrradfelge wie an einem Mobile aufgehängt, warten stehend sechs blutrote Pappmaché-Hasen, das Gewehr lässig am Rücken verschränkt auf ihre Betrachter, die sie vermeintlich zu jagen gedenken. Das Spiel ist damit umgekehrt, die Beute ist in Kesels Arbeit selbst zum Jäger geworden und fordert in tierischer Fabelhaftigkeit dazu auf, das Gleichgewicht zwischen Mensch und Natur wieder herzustellen.

Robby Sintern: „Fluthilfe“

Der Dritte im Bunde der diesjährigen Preisträger ist Robby Sintern aus Fürstenfeldbruck, der für sein Gemälde „Fluthilfe“ den mit 2.000 Euro dotierten Familie Paul Breitkopf-Preis erhielt. Das Werk besticht, so Laudatorin Heckelmann, durch die virtuose Sicherheit der Malweise ebenso wie durch die Rätselhaftigkeit seines Motivs. Krankenschwestern in altmodischer Uniform waten durch fast hüft­hohes, seerosenbewachsenes Wasser in einem gefluteten Raum. Sie sind mit einer bunten, von oben herabhängenden Girlande und mit dem Öffnen eines strahlenden Kühlschranks beschäftigt. In der Bildmitte wird ein Esel huckepack von einem Mann davongetragen. Wird er vor den Fluten gerettet oder etwa entführt? Sinterns Szenerie bleibt mysteriös und gleichzeitig faszinierend. Die Jury, so Maya Heckelmann, befand Sinterns intuitiv zu erfassendes Traumbild als preiswürdig und sie forderte die Ausstellungsbesucher auf, eigene Antworten, eigene Geschichten beim Anblick des Werks zu finden.

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