„Urlaub kann man das nicht mehr nennen“

Wegen Corona-Krise: Kaufbeurer sitzt mit Freundin auf den Philippinen fest

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Philipp Höbel (v. li.) aus Kaufbeuren mit seiner Freundin Tiana Thoma und dem befreundeten Pärchen Felix Liebner und Carla Kanzler am philippinischen Strand.

Kaufbeuren – Kanzlerin Angela Merkel bezeichnete die Corona-Krise am Mittwochabend als größte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg. Passend dazu steht auch die außergewöhnliche Rückholaktion von Deutschen aus dem Ausland: 50 Millionen Euro will die Bundesregierung, das hat Außenminister Heiko Maas verkündet, dafür zur Verfügung stellen. Am Mittwoch wurden bereits die ersten Urlauber in die Bundesrepublik eingeflogen. Dass auch sie bald von einer solchen Rettungsmaßnahme profitieren, darauf hoffen in diesen Stunden auch der 24-jährige Kaufbeurer Philipp Höbel und seine Freundin Tiana Thoma (22) aus Bad Wörishofen, die auf der Insel Panglao auf den Philippinen festsitzen.

Frühstücken, Medienberichte verfolgen, Abendessen. Das ist nun auch auf den Philippinen und damit inmitten eines wunderschönen Urlaubsparadieses Alltag. „Am Strand sind wir nur vormittags, da um diese Uhrzeit wegen der Zeitverschiebung alle in Deutschland schlafen. Danach sind wir wieder im Hotel, um erreichbar zu sein“, schreibt das Paar dem Kreisbote aus seinem Resort. Thoma und Höbel stehen permanent in Kontakt mit Verwandten und Freunden, die sich sorgen. „Aber eigentlich ist es komplett anders herum. Wir machen uns hier mehr Sorgen um Familie und Freunde, da die Lage in Europa ja zu eskalieren scheint, laut Medien.“ Nach den Informationen der beiden gibt es in ihrer Urlaubsregion aktuell weder einen Corona-Infizierten noch einen Verdachtsfall.

Angekommen auf der Insel war das junge Paar am 12. März. Immer mehr hätten die beiden dann über die Tage mitverfolgt, „wie sich die Lage in Deutschland aufgrund des Virus zuspitzt“. Auch die philippinische Hauptstadt Manila und das Umland sollten dann bis 15. April unter Quarantäne gestellt werden. „Wir hatten somit kaum eine Chance, noch rechtzeitig einen Flug zu bekommen, um unsere kleine Insel zu verlassen.“ Eigentlich wäre ihr Heimflug über Abu Dhabi für den heutigen Donnerstag geplant gewesen. Und weil schon Tage zuvor die Gerüchteküche unter Einheimischen und Touristen brodelte, der kleine Flughafen auf der Insel Panglao werde ab 15. März dicht machen, war schnelles Handeln gefragt. Tiana Thoma erzählt: „Wir haben sofort unseren gemieteten Roller genommen und sind, so schnell es ging, zum Flughafen gefahren. Dort haben wir aber die Information bekommen, dass alle Flüge komplett voll sind und es nur noch möglich sei, mit einer Fähre die Insel zu verlassen.“ Deshalb seien ihr Freund und sie sofort wieder auf den Roller gestiegen und zum Hafen gefahren. Dort kauften sie zwei Tickets für den vermeintlich letzten Ausreisetag am 15. März.

Zurück im Hotel, lösten sich sämtliche Hoffnungen auf eine baldige Heimkehr aber schon wieder in Luft auf. Von Freunden aus Deutschland erfuhren die beiden, dass auch die Fähre schließen würde, vorerst bis 21. März. Immerhin: Die Tickets sind noch ein halbes Jahr gültig. „Daraufhin haben wir alle gemeinsam beschlossen, dass es am schlauesten wäre, auf Panglao auszuharren. Was bleibt uns auch anderes übrig“, meinen die beiden Allgäuer. Sie berichten von einer guten Infrastruktur vor Ort mit einem modernen Krankenhaus und auch der Resort-Besitzer hätte ihre Notsituation nicht schamlos ausgenutzt, sondern sei mit großzügigen Rabatten entgegengekommen.

Nun wollen Thoma und Höbel das Beste aus der Situation machen – gemeinsam mit inzwischen befreundeten Pärchen aus Frankreich, Schweden, England und Deutschland. Letztere beiden waren erst vor kurzem angekommen und mussten deshalb im Resort den Health Check der philippinischen Regierung durchlaufen. Zwei Wochen lang und dabei zweimal täglich müssen sie Fieber messen und ihre Werte der Rezeption melden. „Philipp und ich haben zum Glück keine Auflagen, da wir schon länger auf den Philippinen sind“, sagt Tiana Thoma. Dennoch gehe es in Gesprächen den ganzen Tag über „nur um ein einziges Thema: Das Virus“, so Thoma. Am Abend schauen die Pärchen gemeinsam Filme oder spielen Brett- und Kartenspiele. Quarantäne gibt es momentan noch nicht.

Nichtsdestotrotz: „Urlaub kann man das nicht mehr nennen. Ständig sind wir drum bemüht, hier irgendwie weg zu kommen“, schreibt das Paar dem Kreisbote. Bei „Elefand“, der Erfassungsliste von Deutschen im Ausland, seien sie bereits registriert und hätten auch schon zweimal mit der Botschaft telefoniert. „Wir sollen jetzt erstmal abwarten, da wohl noch mehrere Deutsche auf unserer Insel sind. Es wird gerade eine Ausreise für uns organisiert“, laute die Ansage der Behörde. Aktuell können die beiden, ähnlich wie viele andere, nur hoffen. Über 100.000 deutsche Touristen sind laut Regierungsangaben derzeit noch in der Welt unterwegs und sollen baldmöglichst nach Hause geholt werden.

von Marco Tobisch

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