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Kompetente Frauen

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Von: Ingrid Zasche

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Dr. med. Dipl. Ing. Özlem Nigar-Tas
Dr. med. Dipl. Ing. Özlem Nigar-Tas‘, geb. Nigar, Jahrgang 1983. © Ingrid Zasche

Kaufbeuren/Neugablonz – 2021 wurde die Erfolgsgeschichte des Vertriebenenorts Neugablonz 75 Jahre alt. Vom 9. bis 13. September soll das mit dem „Neugabiläum“ gebührend gefeiert werden. Seit seinen Anfängen hat sich in Neugablonz viel verändert. Der Kreisbote lässt stellvertretend für die bunte Menschenvielfalt, die hier eine Heimat gefunden hat, ganz unterschiedliche Neugablonzer Bürger zu Wort kommen. Sie haben als Vertriebene oder aus beruflichen Gründen Neugablonz als Wohnort gewählt, sind hier aufgewachsen oder gar zur Welt gekommen. Den letzten Teil der Serie bestreitet Dr. med. Dipl. Ing. Özlem Nigar-Tas‘, geb. Nigar, Jahrgang 1983.

nes Gastarbeiters aus den 1970er Jahren. Sie ist in Kaufbeuren geboren und wuchs mit ihrem Bruder zweisprachig - Deutsch und Türkisch - auf, die Erziehung war weltoffen und tolerant. Özlem besuchte die Konradin-Grundschule, anschließend die Sophie LaRoche Realschule und das Jakob-Brucker-Gymnasium in Kaufbeuren. Nach einem sozialen Jahr in Niedersachsen machte sie Abitur in Celle. Das Studium erfolgte an der Universität Ulm. Während des Wartens auf einen Medizin-Studienplatz erarbeitete sie sich ein Diplom als medizintechnische Ingenieurin. Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Disziplin und Geradlinigkeit sind ihr wichtig. Trotz einer niederschmetternden Diagnose mit nur 24 Jahren setzte sie ihr Studium fort und kämpfte sich nach zwei erfolgreichen Operationen (2008/9) zurück ins Leben. Ihre Abschlussprüfung schrieb sie knapp drei Wochen nach der zweiten Operation. Die Operationsnarben trägt sie mit Stolz - „die gehören zu meinem Leben. Warum soll ich sie verstecken?“ 2010 heiratete sie einen Mann, der sie, wie sie sagt, auf Augenhöhe respektiert. Beruflich arbeitete sie zunächst als leitende Angestellte in der Forschung eines medizintechnischen Unternehmens aus Österreich mit Standort Augsburg. Das war mit viel Reisetätigkeit verbunden. Ihrem jetzt 15 Monate alten Sohn zuliebe trat Özlem zum 1. Mai dieses Jahres eine Stelle als leitende Auditorin und Gutachterin für die Stuttgarter Zertifizierungsstelle im Medizinbereich an. Das kann größtenteils im Home Office erledigt werden und erfordert nur noch maximal ein bis zwei Reisetage im Monat.

Dr. Özlem Nigar-Tas‘ ist auch an der sozio-kulturellen Entwicklung von Neugablonz interessiert. Sie hat sich in den „Beirat für Vielfalt und offene Gesellschaft“ berufen lassen und in den Vorstand der örtlichen CSU. Sie setzt sich dafür ein, dass das gute Miteinander in Neugablonz weiterhin wächst und niemand auf Grund des Namens, des Aussehens, der Herkunft, der Religion oder des Geschlechts diskriminiert wird. Sie wollte vor allem schon immer zeigen: „Wir Frauen können auch anders - nämlich unabhängig, selbständig und kompetent sein.“

Frau Dr. Nigar-Tas‘, wann und wie sind Sie nach Neugablonz gekommen?

Dr. Nigar-Tas’: Wir wohnten erst in Kaufbeuren am Leinauer Hang, dann sind meine Eltern mit mir und meinem Bruder nach Neugablonz umgezogen. Das wurde meine eigentliche Heimat. Nach dem Studium in Ulm ging es 2014 zurück nach Neugablonz. Mein Mann und ich haben 2015 hier ein Haus gekauft. Das konnte allerdings erst 2017 bezogen werden, weil eine Kernsanierung erforderlich war - die Vormieter hatten es ’kaputtgewohnt’. Da wir bereits von Neugablonz aus gearbeitet haben, haben wir bis zur Fertigstellung unseres Hauses bei meinen Eltern wohnen können.

Wie sah es in Neugablonz damals aus?

Dr. Nigar-Tas’: In Neugablonz sahen vor 2000 zum Beispiel der neue Markt und vor allem der Isergebirgs-Brunnen ganz anders aus, er war höher und das Wasser sammelte sich in einem von Natursteinen und Blumen eingerahmten Becken. Das gefiel mir sehr. Die guten Einkaufsmöglichkeiten und Familientreffpunkte wie heute gab es damals allerdings nicht.

Wie hat sich Neugablonz in Ihren Augen seitdem verändert?

Dr. Nigar-Tas’: Neugablonz ist immer mehr zum ausgesprochenen Familienzentrum geworden. Nicht umsonst sind wir aus einer Großstadt zurück nach Neugablonz gezogen, um hier eine Familie zu gründen. Obwohl mein Mann nicht hier aufgewachsen ist, war das für ihn kein Problem, weil seine Familie und Freunde auch hier in der Nähe wohnen. Schade jedoch, dass der für die Umgestaltung des Neuen Marktes Zuständige nicht begriffen hat, dass der Isergebirgs-Brunnen eine Gebirgsquelle darstellen soll. Der Stein wurde einfach unten abgeschnitten und in eine hässliche, nichtssagende, viereckige Blechwanne gestellt.

Was gefällt Ihnen an Neugablonz?

Dr. Nigar-Tas’: „Man muss nicht unbedingt nach Kaufbeuren fahren, um Alltägliches zu erledigen. Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, Apotheken und das Bürgerbüro sind für mich sogar, wenn ich mit dem Kinderwagen unterwegs bin, problemlos zu Fuß zu erreichen. Das gefällt mir persönlich sehr gut und ich bin glücklich darüber, dass wir unseren Sohn in meiner Heimat Neugablonz großziehen können. Damit er aber auch seine Wurzeln nicht vergisst, wächst er zweisprachig auf wie wir.“

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