Abbrechen oder erhalten?

Diskussion um „Brunnen der Barmherzigkeiten“ im Spitalhof

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Über das Schicksal des Brunnens im Spitalhof soll bald eine Entscheidung gefällt werden.

Kaufbeuren – Abbrechen oder Umbauen, schützenswertes Kunstwerk oder ästhetische Zumutung mit Baumängeln? Was mit dem „Brunnen der Barmherzigkeiten“ im Spitalhof geschehen soll, diskutierte der Bauausschuss eingehend in der jüngsten Sitzung.

„Willst du einer Stadt Böses, so schenke ihr einen Brunnen“, fasste Oberbürgermeister Stefan Bosse den Ärger zusammen, den das Werk des Augsburger Künstlers Andi Brauneis seit seiner Installation im Jahr 2008 verursachte. Das ursprünglich für den Brunnen vorgesehene Konzept konnte nie umgesetzt werden. Von Anfang an funktionierte der Brunnen nicht und kam auch später nie richtig in Gang. Kalkablagerungen, Feuchtigkeitsprobleme in der Brunnenstube und Schäden an der Stele taten ihr Übriges. 2014 wurde die Brunnenanlage stillgelegt, die Stele steht seitdem als „Skulptur ohne Brunnenfunktion“. Hier und da sind die Beschriftungen nicht mehr lesbar, die auf die sieben Werke der Barmherzigkeit verweisen: Hungrige speisen, Durstige tränken, Fremde beherbergen, Nackte kleiden, Kranke pflegen, Gefangene besuchen und Tote bestatten. So ist das Kunstwerk Bosse zufolge „mittlerweile unansehnlich“. Die CSU-Fraktion beantragte nun in der Sitzung, die Stele aufgrund des Sicherheitsrisikos abzubauen und zu überprüfen, ob die Brunnenstube zumindest dazu genutzt werden kann, um die Rinne für „kleine bodennahe Wasseraustritte“ zu nutzen, oder ein kostengünstiges Brunnenbecken neu zu installieren.

Nach langem Hin und Her kämen für den Ausschuss zwei Varianten infrage, die einer Überprüfung bedürfen: Entweder die Stele wird abgerissen und die Rinne bleibt erhalten, wird aber trocken gelegt, oder die instandgesetzte Stele bleibt und die Rinne wird mit Wasser gefüllt.

Außerdem gilt es, Urheberrechte zu klären. Auch wenn aus Sicht der Verwaltung durch einen kompletten Abbruch keine Urheberrechte berührt würden, wolle man einen solchen Schritt mit dem derzeit nicht „auffindbaren“ Künstler abklären.

Auch an der Kostenfrage bei den Varianten stieß sich der Ausschuss; so würde eine Verwendung der Rinne für kleine bodennahe Wasseraustritte mit zirkulierendem Wasserkreislauf 90.000 Euro kosten. Günstiger wäre eine Befüllung der Rinne mit einmal täglich zu wechselndem Trinkwasser – Kostenpunkt 28.000 Euro. Ein Abbruch der Stele würde mit 25.000 Euro zu Buche schlagen. Ebenso kritisch wurde der Vorschlag aus der Verwaltung angenommen, einen neuen Brunnen basierend auf dem Entwurf des Münchner Künstlers Manfred Mayerle zu errichten, der im damaligen Wettbewerbsverfahren ebenfalls ausgezeichnet wurde, denn dann wären Kosten im sechsstelligen Bereich zu erwarten. Und das sei den Bürgern laut CSU-Fraktionschef Dr. Thomas Jahn nicht zuzumuten.

Für eine Entfernung des Brunnens oder gegebenenfalls komplette Sanierung sprach sich Johannes Böckler (CSU) aus. „Funktion vor Form“ forderte Robert Klauer (KI). SPD-Stadtrat Ralf Baur wies auf die Bedeutung hin, die das Kunstwerk trage: Als Denkmal erinnere es an die christlichen Werte und die Geschichte Kaufbeurens.

von Mahi Kola

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