Abriss kann starten: Knapp eine Million Euro Kosten

Altes Eisstadion von Kaufbeuren ist bald Geschichte

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Während der Phase des Eisstadionrückbaus (im Hintergrund) ist der unmittelbar angrenzende Kinderspielplatz aus Sicherheitsgründen nicht nutzbar.

Kaufbeuren – Die Tage des alten Eisstadions sind vielleicht schon am Jahresende gezählt. In der Bauausschusssitzung loteten die Mitglieder nochmals ausführlich alle Aspekte aus. Insbesondere für die im Zusammenhang mit dem Abriss derzeit geschätzten Kosten von knapp einer Million Euro suchten sie nach Lösungen. Doch am Ende entschieden die Mitglieder aufgrund der von der Verwaltung dargestellten Argumente einstimmig und empfahlen dem Stadtrat in seiner nächsten Sitzung, die Abbruchplanung zu genehmigen.

Baureferent Helge Carl stellte in einem Rückblick nochmals die historische Entwicklung des Eisstadions vom Bau 1969 bis zur Sperrung 2012 und dem Erwerb vom ESVK sowie die Notinstandsetzung und Weiternutzung als Spielfläche bis 2017 vor. Nach der Nutzung als provisorisches Feuerwehrgerätehaus bis 2019 ist die baurechtlich genehmigte Nutzung entfallen. Die Stadt hat, wie Carl ausführte, das Gebäude aufgrund potenzieller Gefahren weiter zu sichern und muss regelmäßige Überprüfungen veranlassen, wodurch Kosten von etwa 10.000 Euro jährlich entstehen, wie er auf Nachfrage von Dr. Ulrike Höhne-Wachter (FW) sagte.

Eine Förderung für den Abbruch in Höhe von mehreren hunderttausend Euro käme nach den Worten von Carl zum Tragen, wenn auch eine Nachnutzung – beispielsweise durch Schaffung neuer, öffentlich zugänglicher Freiräume – förderfähig ist. Es seien aber auch Möglichkeiten für den Bau der Hochschule für den öffentlichen Dienst (HföD) durch Erwerb des Freistaates im Gespräch. Tobias Würfel (Generation KF) wollte wissen, ob dann die Kosten erstattet würden oder dem Freistaat das Gelände auch mit Halle angeboten werden könne. „Eine Kostenerstattung oder Förderung ist dann nicht möglich“, antwortete Oberbürgermeister Stefan Bosse. „Der Freistaat würde nur ohne Halle kaufen.“ Ob man sich bezüglich der Nachnutzung der Hochschule Gedanken machen und aufgrund der hohen Kosten, angesichts Corona, das Geld jetzt ausgeben müsse, fragte Bernadette Glückmann (FW). Das verneinte die Stadtspitze: „Das Gelände ist zu klein für die Hochschule“. Es käme eventuell nur zusammen mit einer Neunutzung des Bahnhofes in Betracht, was er eher kritisch sehe, da der Freistaat einen Campus bevorzuge. Carl ergänzte, dass neben den laufenden Kosten auch Risiken vorhanden seien. „Wir sind für den zeitnahen Abriss“, sagte Catrin Riedl (SPD). „Es ist nicht zumutbar, jemand in Gefahr zu bringen.“ Dem schlossen sich Johannes Böckler (CSU) („Es bringt nichts auf Zeit zu spielen, es wird eher teurer“), Ulrike Seifert (Grüne) und letztendlich auch Glückmann – „nach Abwägung aller Aspekte“ – an.

Verfahrensablauf

Sollte der Stadtrat in seiner Sitzung im Juni der Empfehlung folgen, könnte der Abriss nach unverzüglicher Ausschreibung im September beginnen und bis Jahresende abgeschlossen sein. Der Abriss erfolgt nach einem festgelegten Verfahren für Rückbau insbesondere nach den Erfordernissen der Abbruchstatik und den Vorschriften zum Umgang mit Gefahrenstoffen von Norden nach Süden, wobei lediglich die acht Meter tief ragenden Bohrpfähle im Boden verbleiben. Als Zwischenlager dienen dabei für Materialproben der Vorplatz des Stadions und die Fläche des ehemaligen Gasthauses „Am Bad“.

Bäume müssen weichen

Etwa 20 Bäume und Sträucher an der Süd- und Ostseite müssen entfernt werden, da ein freier Raum von drei Metern von der Außenwand des Stadions zum Abbruch benötigt wird. Der westlich verlaufende Jordanbach wird für den Abbruch überbaut und auf der Süd- und Ostseite ein Bauzaun mit einem Sicherheitsabstand von rund 25 Metern aufgestellt. Somit kann der direkt angrenzende Spielplatz während der Abbruchzeit nicht genutzt werden. Johannes Espermüller (FDP) befürchtet, dass es durch eventuelle Kühlmittelreste in der Bodenplatte zu erheblichen Verteuerungen kommen könne. Nach derzeitiger Kenntnislage geht der Leiter Hochbau, Christian Mandl, allerdings nicht davon aus.

von Wolfgang Becker

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