Absage an Klimakonzept

Gesund oder geschädigt? Auch der Zustand der Kaufbeurer Bäume war ein strittiger Punkt in der Diskussion zum Klimaschutzkonzept. Foto: Frisch

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MICHAELA FRISCH, Kaufbeuren – Eine hitzige Diskussion ging der Abstimmung des Stadtrats am vergangenen Dienstag voraus, als dort die Erstellung eines Klimaschutzkonzeptes durch die Kemptener Firma eza! (Energie- und Umweltzentrum Allgäu) thematisiert wurde. Rund 19.000 Euro hätte die Erstellung des für Kaufbeuren zugeschnittenen Konzepts gekostet – aufgrund gesunkener Bundeszuschüsse rund 9.500 Euro mehr als ursprünglich geplant. Das war jedoch nur eines der Argumente der Gegner. Vor allem Dr. Thomas Jahn (CSU) sprach sich gegen die Beauftragung der eza! aus und sorgte mit einigen seiner Argumente selbst im Nachhinein bei einigen Anwesenden noch für Furore. So konstatierte er, dass „wir von Kaufbeuren aus nichts zur Rettung des Weltklimas beitragen können“, weil Kaufbeuren mit rund 40.000 Einwohnern angesichts einer Weltbevölkerung von etwa 6,9 Milliarden Menschen nicht ins Gewicht falle. Als die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen die Meinung vertrat, dass ohne die Verabschiedung eines „Klimaschutzkonzepts“ für die Stadt Kaufbeuren auch das Familienziel Kaufbeuren gefährdet sei, äußerte Jahn ebenso wie andere Kollegen seiner Fraktion sein Unverständnis wegen dieses Zusammenhangs und erklärte, in Kaufbeuren werde allein mangels entsprechender Industrien mit CO²-relevanten Emissionen in Kaufbeuren kein Klimawandel verursacht. Wörtlich fügte er hinzu: „Wir sind hier weder im Ruhrgebiet noch in Bitterfeld zur Zeit der ehemaligen DDR“. Als der Stadtrat die Erstellung des Klimaschutzkonzepts schlussendlich mit 29 zu acht Stimmen ablehnte, blieb bei einigen der Anwesenden der Eindruck zurück, Kaufbeuren werde sich somit zukünftig nicht im Umweltschutz engagieren. Teils kein realer Nutzen Dies sei jedoch nicht der Fall, beruhigte Oberbürgermeister Stefan Bosse (CSU) auf Nachfrage des KREISBOTEN. Zwar hatte der Rathauschef in der Sitzung für das strittige Konzept gestimmt, zeigt aber auch Verständnis für die Argumente der Gegner: „Das eingesparte Geld kann nun statt für ein theoretisches Konzept für konkrete Maßnahmen im Umwelt- und Klimaschutz verwendet werden, vor allem, da wesentliche Teile des Konzepts auch durch die Stadtverwaltung selbst erstellt werden können“. Zudem hätten Teile des eza!-Konzepts keinen realen Nutzen gebracht. Ob beispielsweise in der Industrie Maßnahmen zur CO²-Verringerung getroffen werden, hinge nicht von einem örtlichen Klimakonzept ab, sondern von der Förderpolitik in Bund und Land. Bosse wörtlich: „Wir geben hier bereits jetzt viel Geld für Klimaschutzprojekte aus“. In der Sitzung habe er sich für das eza!-Konzept hauptsächlich wegen der Signalwirkung und der vertretbaren Kosten ausgesprochen.

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