Regional erzeugter Strom wird bestmöglich vor Ort genutzt

Elektroautos intelligent laden

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LEW-Vorstandsmitglied Norbert Schürmann, Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Mauch von der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE), Maria Rita Zinnecker, Landrätin Landkreis Ostallgäu, Franz Josef Pschierer, Staatssekretär im Bayerischen Wirtschaftsministerium, Angelika Schorer, MdL, und Manfred Beck, Dritter Bürgermeister von Buchloe, feierten gemeinsam mit den Projektteilnehmern und weiteren Partnern den erfolgreichen Abschluss des Feldtests im Projekt ePlanB.

Buchloe – Der zweijährige Feldtest im Forschungsprojekt ePlanB in Buchloe ist abgeschlossen. In den letzten beiden Phasen wurde das gesteuerte Laden von Elektroautos intensiv getestet und optimiert. Ziel war es, die Elektrofahrzeuge vorrangig mit regenerativer Energie aus regionalen Quellen zu laden, in erster Linie aus den Buchloer Photovoltaik-Anlagen rund um den P&R-Platz am Bahnhof, wo der Praxistext stattfand.

Der regional erzeugte Strom sollte damit optimal vor Ort genutzt werden. Dadurch kann das Verteilnetz entlastet und die Netzinfrastruktur effizienter betrieben werden. Dank der intelligenten Steuerung konnte zum Laden der Fahrzeuge 40 Prozent mehr regenerativ erzeugter Strom aus der Region Buchloe genutzt werden als bei ungesteuerten Ladevorgängen. Zudem konnten Leistungsspitzen im Stromnetz, die durch das zeitgleiche Laden von Elektrofahrzeugen verursacht werden, vermieden werden.

Insgesamt wurden zum Laden der Fahrzeuge mehr als 62.000 Kilowattstunden regenerativ erzeugter Strom genutzt. So wurden rund 20.000 Liter Benzin eingespart, wodurch der CO2-Ausstoß um rund 50 Tonnen reduziert werden konnte. Bis zum offiziellen Projektende im Juni 2017 werden alle Ergebnisse detailliert in einem Abschlussbericht zusammengefasst.

„Elektromobilität leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zur Luftqualität und ist somit eine Frage der ökologischen Vernunft. Wir wollen Bayern zum Vorreiter der Elektromobilität machen“, sagt Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer. „Das Projekt ePlanB hat wertvolle Erkenntnisse geliefert und die Innovationskraft der Region unter Beweis gestellt. Wir waren von Anfang an von diesem Forschungsvorhaben überzeugt und haben es deshalb gefördert.

Das auf drei Jahre angelegte Forschungsvorhaben hat sein Hauptziel erreicht: Gemeinsam mit den Projektpartnern hat LEW ein intelligentes Lademanagement entwickelt, das die Batterien von geparkten Elektroautos dann auflädt, wenn die heimischen PV-Anlagen viel Strom in das Netz einspeisen. „Die Energiezukunft ist elektrisch – das gilt auch für den Wärme- und Verkehrssektor. Nur so wird uns der Umbau des Energiesystems langfristig gelingen. Unser Forschungsprojekt ePlanB zeigt eindrucksvoll, wie die Verbindung zwischen diesen Sektoren gelingen kann“, sagt LEW-Vorstandsmitglied Norbert Schürmann.

„Das Projekt liefert uns auch wichtige Erkenntnisse zu einem bedarfsgerechten Ausbau der Ladeinfrastruktur, sowohl an P&R-Plätzen als auch für vergleichbare Anlagen wie Tiefgaragen von Wohneinheiten oder für Fahrzeugflotten in Betrieben“, sagt Landrätin Maria Rita Zinnecker. In dem ausführlichen Abschlussbericht zum Projekt sollen auch Fragen zur Art der benötigten Ladeinfrastruktur und zu Bezahlmodellen analysiert werden.

„Das Projekt hat gezeigt, dass das gesteuerte Laden von Elektrofahrzeugen bereits zum aktuellen Stand der Technik möglich ist. Für die großflächige Umsetzung bestehen jedoch noch gewisse Hürden“, erklärt Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Mauch von der Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE). „Beispielsweise haben die Teilnehmer bei ePlanB den aktuellen Ladezustand der Batterie manuell über ein Online-Portal eingegeben. Will man das intelligente Lademanagement großflächig einführen, müssten diese Daten automatisch vom Fahrzeug zur Ladesäule übertragen werden. Hier sind die Fahrzeughersteller gefragt.“ Außerdem sei bisher bei einigen Elektrofahrzeugmodellen keine Ladeunterbrechung möglich, sodass die intelligente Steuerung heute noch nicht für alle Fahrzeuge zugänglich wäre.

Die vier Feldtestphasen hatten jeweils unterschiedliche Forschungsschwerpunkte. Zu Beginn wurden die Elektroautos ungesteuert geladen, das heißt der Ladevorgang startete, sobald die Teilnehmer das Auto an die Ladesäule angeschlossen hatten. Beim gesteuerten Laden, das mit der zweiten Feldtestphase im September 2015 startete, gaben die Pendler über ein Online-Portal oder ein zentrales Eingabeterminal bei der Ankunft am Parkplatz Daten zum Ladezustand der Batterie und dem geplanten Abfahrtszeitpunkt ein. Die intelligente Ladesteuerung erstellte für jedes Fahrzeug einen Ladeplan, sobald das Fahrzeug an die Ladesäule gesteckt wurde. Dieser errechnete sich aus den Prognosen der PV-Erzeugung und den Eingaben des Pendlers zum Ladezustand und Abfahrtszeitpunkt. Auf diese Weise konnte deutlich mehr regional erzeugter Strom für das Laden genutzt werden: Während beim ungesteuerten Laden teilweise nur 40 Prozent des Ladestroms aus Photovoltaik-Anlagen der Region stammten, waren es mit Lademanagementsystem bis zu 69 Prozent. Wären alle Fahrzeuge steuerbar, läge dieser Anteil sogar bei über 80 Prozent. Außerdem konnten die Lastspitzen, die beim ungesteuerten Laden in den Morgenstunden lagen, geglättet und im Mittel um 43 Prozent reduziert werden.

Teilnehmer vom Fahrerlebnis begeistert

Insgesamt 56 Pendler hatten für jeweils sechs Monate ein Elektrofahrzeug erhalten, um damit zum P&R-Platz am Bahnhof in Buchloe zu pendeln. Die Befragungen zeigen: Die Projektteilnehmer sind vom elektrischen Fahren begeistert und viele von ihnen überlegen inzwischen, sich selbst ein Elektroauto anzuschaffen. Pendler stärker für das Thema Elektromobilität zu sensibilisieren – auch das war ein Ziel des Projekts ePlanB. Die Erwartungen wurden sogar noch übertroffen, denn zusätzlich zu den Testfahrern konnten weit über 200 Personen aus dem Umfeld der Projektteilnehmer erste Erfahrungen mit dem leisen und emissionsfreien Fahren sammeln. Die Gesamtfahrleistung der Fahrzeuge seit Beginn des Feldtests liegt bei rund 400.000 Kilometern.

„Bei den Ladepunkten handelt es sich um eine wichtige Infrastruktur. Deshalb sollen die 16 Ladepunkte am Bahnhof Buchloe möglichst bestehen bleiben. Sie können zunächst als öffentliche Ladesäulen von allen Fahrern von Elektrofahrzeugen genutzt werden“, sagt Manfred Beck, Dritter Bürgermeister der Stadt Buchloe. Die kommunalen Projektpartner haben ein großes Interesse am Erhalt der Ladeinfrastruktur. „Wir als Landkreis möchten in Zukunft mehr Elektrofahrzeuge in unsere kommunale Fahrzeugflotte aufnehmen“, sagt Zinnecker.

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