Kinokritik: "Fantastic Four"

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Gelandet auf einem fremden Planeten.

In den 1960er Jahren schufen die Comiclegenden Stan Lee und Jack Kirby die Fantastic Four, das erste Superheldenteam von Marvel, das die Comics humanisierte. 2005 brachte Regisseur Tim Story die „Fantastic Four“, die durch eine nukleare Strahlung übermenschliche Kräfte erhalten, als actionreichen Science-Fiction-Film auf die Kinoleinwand.

Zwei Jahre später setzte er die Handlung mit dem Sequel „Fantastic Four – Rise of the Silver Surfer“ fort. „Cronicle“-Regisseur Josh Tank greift nun, acht Jahre später, die Geschichte des populären Quartetts wieder auf und verfilmt sie als modernisierte Version mit einem deutlichen jüngeren Cast, ganz im Stil von dem Reboot „The Amazing Spider-Man“.

Inhalt 

Reed Richard gehört zu den Genies seiner Zeit. Bereits als Zwölfjähriger werkelte er in der Garage seiner Eltern an experimentellen Erfindungen, mit denen er bei seinen Lehrern und Klassenkameraden auf Unverständnis stieß. Erst als er Freundschaft mit dem ebenfalls technisch interessierten Ben schloss, hatte er den richtigen Partner für weitere Ideen gefunden. 

Vier Jahre später präsentieren Reed (Miles Teller) und Ben (Jamie Bell) auf einem Wettbewerb ihren „kymatischen Materie-Shuttle“, einen Apparat, mit dem sie Gegenstände von einem zum anderen Ort transportieren können. 

Dr. Franklin Storm (Reg. E. Ca-they), Direktor der Baxter Foundation, wird auf die Freunde und ihre Erfindung aufmerksam. Er bietet Reed einen Platz im Baxter-Programm an, wo er sich am Bau eines Shuttles, das auf seiner Entwicklung basiert, beteiligen soll. Reed zieht nach New York und arbeitet bald gemeinsam mit Storms Tochter Sue (Kate Mara) und ihrem Bruder Johnny (Michael B. Jordan) an dem Projekt. 

Alles läuft nach Plan, bis Reed eines Nachts seinen Apparat ausprobieren will. Gemeinsam mit Ben, Johnny und dessen Baker-Kommilitonen Victor von Doom (Toby Kebbel) reist er in eine andere Dimension. Auf dem fremden Planeten kommt es zu Komplikationen. 

Die Wissenschaftler können nur mit Hilfe von Sue wieder auf die Erde zurückreisen, wo es zu einer gewaltigen Explosion kommt. Während Victor vermisst wird, verfügen die anderen und Sue plötzlich über unkontrollierbare Kräfte. Die Regierung schreitet ein und nimmt die jungen Leute in der Area 57 in Gewahrsam. 

Während Reed die Flucht gelingt, werden die Kräfte und Fähigkeiten seiner Freunde über drei Jahre lang analysiert und stabilisiert. Als ein mächtiger Angreifer die Erde bedroht, müssen die Fantastic Four zueinanderfinden und ihre Kräfte vereinen. 

Rezension 

Marvel-Verfilmungen gehören seit den letzten Jahren zu den unangefochtenen Blockbustern und locken reihenweise Fans in die Kinos. Egal ob Thor, Iron Man oder Captain America, die Superhelden wirken wie ein Kassenmagnet. 

Als bekannt wurde, dass das Superhelden-Quartett „The Fantastic Four“ nach zwei minder erfolgreichen Filmen von 2005 und 2007 eine Neuauflage bekommen soll, schieden sich die Meinungen. Die Vorstellung, dass die bekannte Geschichte mit jungen Darstellern verfilmt und einen abgewandelten Plot erhalten soll, schien zunächst absurd. Doch bereits das Reboot von „The Amazing Spider-Man“ zeigte, dass eine Neuauflage durchaus funktionieren kann. 

Im Fall von Josh Tanks Reboot „Fantastic Four“ glückt das Vorhaben leider nur bedingt. Die Geschichte orientiert sich an die 60 Hefte umfassenden „Ultimate Fantastic Four“-Comics von 2004, wo das Universum grunderneuert wurde, so dass sich eine bloße Wiederholung der Story der anderen zwei Filme ausschließt. 

Somit präsentieren sich die ersten Minuten des Films als Coming-of-Age-Geschichte, in der sich das kleine Genie von stetigem Außenseiter zu einem gefragten Wissenschaftler mausert. Während die angedeutete Hintergrundgeschichte noch begeistern kann, wirkt die anschließende Phase des Shuttle-Baus weniger inspirierend. Die Idee, die Maschine selbst auszuprobieren, erscheint wie ein dummer Jungenstreich, dessen Folgen natürlich verheerend sind. 

Die anschließenden Trainingseinheiten der mutierten Freunde erinnert zwangsläufig an „X-Men“, wobei die Zwangsgefangenschaft der Mutanten ohne jegliche Spannung abgespult wird. 

Die Figuren harmonieren nur in den wenigsten Momenten und selbst die Optik des Films, die bei weitem nicht den heutigen Standards entspricht, kann nicht überzeugen. Nicht nur der fremde Planet wirkt einfach animiert, auch der Steinmensch alias The Thing lässt jegliche Raffinesse beim Design vermissen. 

Miles Teller („Whiplash“), Michael B. Jordan („Für immer Single?“), Kate Mara („127 Hours“) und Toby Kebbell („Planet der Affen: Revolution“) versuchen gegen das schwache Drehbuch anzuspielen, schaffen es aber kaum, das Publikum mit ihrem Schauspiel mitzureißen. Schade ist auch, dass es in Tanks Film keinen einzigen Verweis auf die anderen Helden des Marvel-Universums gibt. Weder ein Cameo-Auftritt einer bekannten Figur noch die namentliche Erwähnung der Avengers oder ähnliches ist im Film zu finden. 

Somit grenzt Tank sein eigens geschaffenes Universum sehr genau ab und verschenkt nicht nur die Chance auf den markanten Humor, der zum Aushängeschild einer guten Marvel- Verfilmung gehört. Josh Tank liefert mit seinem Reboot „Fantastic Four“ eine recht schwache Leistung ab, die aufgrund der flachen Story, der beliebigen Figuren und des fehlenden Humors nur für sehr lauwarme Unterhaltung sorgt.

von Sandy Kolbuch

Fakten zum Film:

Originaltitel: Fantastic Four 

Land: USA 2015 

FSK: 12 

Regisseur: Josh Tank 

Darsteller: Miles Teller, Michael B. Jordan, Kate Mara, Jamie Bell, Toby Kebbell, Reg. E. Cathey, Tim Blake Nelson u.a.

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