Neuer Höchststand im Allgäu

Allgäu – Einen Höchststand an sozialversicherungspflichtig beschäftigten Menschen und eine Verbesserung der Arbeitslosenquote – so lautet die Bilanz des Arbeitsmarktes im vergangenen Jahr im Allgäu, die die Agentur für Arbeit jetzt gezogen hat.

„2015 hat sich der Arbeitsmarkt im Vergleich zu den beiden Vorjahren nochmals leicht verbessert. Mit einer Arbeitslosenquote von 3,1 Prozent gehörte das Allgäu im deutschlandweiten Vergleich erneut zu den besten Regionen”, so das Resümee von Peter Litzka, Leiter der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen.

Im gesamten Agenturbezirk ist die Arbeitslosenquote von 3,2 Prozent in 2014 auf 3,1 Prozent in 2015 gesunken. „Diese Entwicklung ist positiv, aber trotzdem darf man nicht vergessen, dass im gesamten Allgäu knapp 11.300 arbeitslose Menschen dahinter stecken.” Bei den über 50-Jährigen waren jahresdurchschnittlich 2450 Menschen arbeitslos gemeldet, ähnlich viele wie im Jahr zuvor.

Jeder dritte Arbeitslose gehörte im Jahr 2015 zur Generation 50-Plus. „Diese Personengruppe sollten Unternehmen angesichts deren guten Qualifikation durchaus in den Blick nehmen”, appelliert Agenturleiter Litzka. Den Arbeitslosen standen zum Stichtag im Juni 2015 mehr als 251.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Allgäu gegenüber, also rund 5300 mehr als im Vorjahr. Nicht enthalten sind in diesen Zahlen die geringfügig Beschäftigen auf 450-Euro-Basis.

Den höchsten Zuwachs verzeichnete das verarbeitende Gewerbe mit einem Plus von 1850 neuen Mitarbeitern, gefolgt von Metall-, Elektro- und Stahlbetrieben mit knapp 1100 Arbeits- kräften mehr. Auch die Nachfrage nach Arbeitskräften sowohl auf dem Arbeits- als auch auf dem Ausbildungsmarkt zeige die günstige Entwicklung im Allgäu deutlich, so Litzka. Betriebe stellten im Jahresdurchschnitt mehr als 5100 offene Stellen zur Verfügung. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet das eine Zunahme um 18 Prozent.

Besonders in der industriellen Produktion wurden Fachkräfte gesucht. „Diese Stellen erfordern oftmals eine hohe Qualifikation, die nicht so einfach auf dem Markt zu finden ist”, erklärte Litzka dazu. Aber auch im Pflegebereich, Tourismus, in der Hotellerie, Gastronomie und im Service wurden im vergangenen Jahr Mitarbeiter gesucht.

Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt durch Flüchtlinge? 

Um Flüchtlinge und asylsuchende Menschen in der Zukunft auf dem Arbeitsmarkt integrieren zu können, fanden an sechs Standorten im Allgäu Sprach-Basiskurse statt. „Ich sehe im Augenblick aber keine Gefahr, dass ein Arbeitssuchender keine Beschäftigung findet, weil ein Flüchtling bevorzugt wird”, betonte Litzka. „Ich könnte mir gut vorstellen, dass Flüchtlinge aber eine Reserve auf dem Ausbildungsmarkt darstellen können.” Denn dort hätten es vor allem kleinere Betriebe schwer, Nachwuchs zu finden.

Es seien aber auch eine Reihe an neuen Arbeitsplätzen durch den Zustrom an Flüchtlingen entstanden, beispielsweise durch Sprachkurse und Verwaltung. Insgesamt blickt die Arbeits­agentur auf eine positive Entwicklung 2015 im Allgäu zurück. Und auch für 2016 gebe es aktuell „keinen Grund zur Besorgnis”, so Litzka abschließend.

von Lea Stäsche

Jahresdurchschnittswerte in den Wirtschaftsräumen Kaufbeuren und Marktoberdorf:

• Wirtschaftsraum Kaufbeuren 2015 (2014)

Arbeitslose: 1885 (1853), darunter...

...Männer: 51,9 Prozent (Veränderung zu 2014: +3,4 Prozent)

...Frauen: 48,1 Prozent (Veränderung zu 2014: keine Angaben)

...Ü50: 37,8 Prozent (Veränderung zu 2014: +8,5 Prozent)

...Langzeitarbeitslose: 25,9 Prozent (Veränderung zu 2014: +9,3 Prozent)

...Schwerbehinderte: 10,4 Prozent (Veränderung zu 2014: +18,3 Prozent)

...Ausländer: 18,0 Prozent (Veränderung zu 2014: +11,9 Prozent)

Arbeitslosenquote: 4,1 Prozent (4,1 Prozent)

Männer: 4,0 Prozent (3,9 Prozent)

Frauen: 4,2 Prozent (4,2 Prozent)

15 bis unter 25 Jahre: 4,0 Prozent (4,0 Prozent)

Ausländer: 9,2 Prozent (8,6 Prozent)

Offene Stellen: 494 (438)

• Wirtschaftsraum Marktoberdorf 2015 (2014)

Arbeitslose: 757 (761), darunter...

...Männer: 51,9 Prozent (Veränderung zu 2014: +3,9 Prozent)

...Frauen: 48,1 Prozent (Veränderung zu 2014: -4,8)

...Ü50: 33,5 Prozent (Veränderung zu 2014: -3,4)

...Langzeitarbeitslose: 21,6 Prozent (Veränderung zu 2014: +6,7)

...Schwerbehinderte: 7,2 Prozent (Veränderung zu 2014: -8,2)

...Ausländer: 16,3 Prozent (Veränderung zu 2014: +21,6)

Arbeitslosenquote: 4,1 Prozent (4,1 Prozent)

Männer: 2,7 Prozent (2,6 Prozent)

Frauen: 3,0 Prozent (3,2 Prozent)

15 bis unter 25 Jahre: 3,1 Prozent (3,0 Prozent)

Ausländer: 9,6 Prozent (8,4 Prozent)

Offene Stellen:  241 (206)

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