Anpassungen ist „alternativlos”

Aitrang: Eltern sollen künftig stärker an den Ausgaben der Kitas beteiligt werden

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Bevölkerungszuwachs und immer mehr Doppelverdiener erhöhen den Kostendruck auf Aitrangs Kita Kunterbunt.

Aitrang – Die Gemeinde Aitrang erhöht die Gebühren für die Kindertagesstätten ab 1. September dieses Jahres. Beschlossen wurde das in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates.

Hintergrund dieser Entscheidung ist ein Gemeinderatsbeschluss vom 5. August vergangenen Jahres, bei der angesichts der Finanzlage beschlossen worden war, die Elternbeiträge für die Kinderbetreuung anzuheben, um den öffentlichen Kostendeckungsgrad nicht unter 51 Prozent fallen zu lassen.

Der im Haushaltsentwurf veranschlagte Deckungsgrad hätte bei 46,7 Prozent gelegen. Die Gründe für diesen Schritt seien in Aitrang vielschichtig, legte Aitrangs Bürgermeister Michael Hailand dar. Neben Tariferhöhungen beim Gehalt der sieben Erzieherinnen spielten auf der Ausgabenseite unter anderem die Krippeneröffnung eine wichtige Rolle sowie die Auslagerung einer Kindergruppe ins örtliche Dorfgemeinschaftshaus, was wiederum einen Mehraufwand an Personal mit sich bringe. Auch geleistete Praktika müssten, so Hailand weiter, künftig besser vergütet werden. Wörtlich fügte er hinzu: „Wenn wir das nicht machen, bekommen wir niemanden mehr für diese Stellen.“

Stufenweise Erhöhung

Im Elternbeirat hatte es zuvor Widerstände gegen eine Gebührenerhöhung gegeben, die einen Deckungsgrad von mehr als 50 Prozent vorsieht. Allenfalls, so die Auffassung des Elternbeirats, könne man sich mit einer sozialverträglichen und stufenweisen Erhöhung abfinden.

Im Einvernehmen mit dem Kämmerer der Verwaltungsgemeinschaft, Florian Budschied, einigte man sich Mitte Juli auf eine geringere Anhebung der Gebühren, die sich mit dem vorläufigen Haushaltsergebnis, für 2019 im Einklang befindet.

Doch auch die Tatsache, dass sich der Freistaat Bayern aktuell mit 100 Euro pro Kind an den Betreuungskosten beteiligt, habe bei dem Kompromiss eine Rolle gespielt, sagte Hailand. Derzeit könne man eine Kostenbeteiligung von insgesamt 25 Euro monatlich durchaus verlangen. Bei dieser Summe, in der auch noch die üblichen fünf Euro „Spielgeld“ enthalten sind, fielen für jedes Kind pro Buchungstag Ausgaben von circa ein bis zwei Euro an.

Sozial angemessen

Diese Art der Kostenbeteiligung halten Bürgermeister und sein Gemeinderat in ihrer Höhe für sozial angemessen. „Das ist billiger als jede Tagesmutter, und steuerlich natürlich absetzbar“, sagte Hailand und wurde dabei vom Gemeinderatsmitglied Theo Frey unterstützt: „Ein bis zwei Euro sind doch super günstig. Also, wem das die Erziehung und Ausbildung der Kinder nicht wert ist, dann weiß ich auch nicht...“. An dieser Stelle fügte die Zweite Bürgermeisterin Andrea Merk hinzu zu, dass, wenn die derzeitigen Zuschüsse vom Freistaat in Höhe von 100 Euro einmal wegfallen würden, könne man noch einmal neu über die Sache nachdenken.

Zum Thema der Sozialverträglichkeit merkte Bürgermeister Hailand an, dass bei Familien in sozialer Notlage die Gebühr reduziert, gestundet oder sogar erlassen werden könne. Weiterhin gebe es eine Geschwisterermäßigung von 50 Prozent, die im Fall eines weiteren Geschwisterkindes sogar auf 100 Prozent steige.

Auf die Frage des Gemeinderatsmitglieds Gottfried Moser nach der lang- und mittelfristigen Entwicklung der Situation antwortete Hailand: Aitrang und die Region hätten weiterhin Bevölkerungszuwachs, und es gebe auch immer mehr Doppelverdiener, die auf die Betreuung ihrer Kinder angewiesen seien. Das Personal werde also entweder weiter wachsen oder mehr Stunden machen müssen. In diesem Zusammenhang werde der Gemeinderat auch die Geburtenentwicklung im Kreis Ostallgäu fortlaufend beobachten müssen. Eine Gebührenerhöhung noch in diesem Jahr bezeichnete Hailand als „alternativlos”.

Felix Gattinger

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