Rückendeckung für die Brauerei

Aktienbrauerei AG: große Verluste und Ausblick auf Immobiliengeschäft

Hauptversammlung der Aktienbrauerei Kaufbeuren AG online
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Virtuell, nicht virtuos. Die Hauptversammlung der Aktienbrauerei Kaufbeuren AG blickt auf ein schwieriges Geschäftsjahr zurück.

Kaufbeuren – Das abgelaufene Geschäftsjahr entspreche nicht den Erwartungen, teilte der Vorstand der Aktienbrauerei Kaufbeuren AG Franc Hodnik anlässlich der bereits zum zweiten Mal virtuell ausgetragenen Hauptversammlung den Aktionären mit. Tatsächlich musste Hodnik Verluste von über vier Millionen Euro verkünden, die zum großen Teil dem Minus im Brauereigeschäft der Betriebsgesellschaft der Aktienbrauerei Kaufbeuren GmbH (ABK GmbH) geschuldet ist. Die Aktienbrauerei Kaufbeuren AG hält eine Beteiligung von 45 Prozent an der ABK GmbH, Kern ihrer Geschäftstätigkeit ist jedoch die Vermietung und Verwaltung sowie der Erwerb von Immobilien.

Während sich im Vorjahr die AG-Verluste bei rund 647.000 Euro bewegten, ist im Geschäftsjahr 2019/2020 ein Sprung auf minus 4,08 Millionen Euro zu verzeichnen. Ein Rekordverlust. Schuld daran, so Hodnik, seien die Beeinträchtigungen durch die Covid-19-Pandemie. Sie hätten nicht nur das Brauereigeschäft erheblich geschädigt, sondern auch Einfluss auf die Erlöse im Immobiliengeschäft gehabt. Die AG hält in ihrem Immobilienportfolio zahlreiche Gaststättenbetriebe und Hotels, deren Betreiber mitunter stark durch den Lockdown betroffen waren. Allerdings zeigte sich Vorstand Hodnik auch mit der Entwicklung der ABK GmbH nicht zufrieden. Bereits im Jahr 2019 musste beim Brauereigeschäft ein Verlust von 1,69 Millionen Euro verbucht werden. Gegenüber den Aktionären zeigte sich Hodnik kämpferisch und verwies auf das Exportgeschäft: „Wir sind fest davon überzeugt, dass sich Qualität, unterstützt durch entsprechende Marketing- und Werbemaßnahmen am Ende durchsetzen wird.“ Vor kurzem wurde bekannt, dass die ROKiT Unternehmensgruppe, Mehrheitseigner der Aktienbrauerei GmbH, als Sponsoringpartner in die DTM (Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft) eingestiegen ist und damit auch die Marke ABK in der wohl bekanntesten deutschen Rennwagenserie ins Rampenlicht setzen will.

Rückhalt der Gesellschafter

In diesem Zusammenhang betonte Franc Hodnik den Rückhalt der anglo-amerikanischen Konzernmutter ROKStars für ihre Tochtergesellschaft in Kauf­beuren. „Auch in diesen schwierigen Zeiten wurde nie ein Gedanke daran verschwendet, aus der ABK GmbH auszusteigen.“ Im Gegenteil, die Gesellschafter hätten die Brauerei seit ihrer Ausgliederung aus der Aktiengesellschaft mit über fünf Millionen Euro unterstützt. „Hinter all den Kapitalströmen stehen schließlich Menschen“, fügt Hodnik an. „Die Die Aktienbrauerei AG steht auch in diesen äußerst herausfordernden Zeiten zu ihrer Beteiligung. Für den Vorstand ist es eine Selbstverständlichkeit, solange die Fortführungsprognosen positiv sind und die Produkte stimmig und marktfähig sind, unsere Beteiligung mit den zur Verfügung stehenden Mitteln aus Kapitalerhöhungen, Darlehen, Forderungsverzichten und Patronatserklärungen bestmöglich zu unterstützen“, heißt es im Geschäftsbericht. Allerdings sei die Konzentration auf das Immobiliengeschäft für die AG in Zukunft ausschlaggebend und ein Ausbau des Portfolios vor allem mit hochwertigen Wohnneubauten geplant.

Reparaturstau aufgelöst

In dieser Sache führte Hodnik an, dass im vergangenen Geschäftsjahr zahlreiche Umbau- und Sanierungsmaßnahmen von der Aktienbrauerei AG gestartet wurden, beispielsweise in Trauchgau und Steingaden. Die Aktienbrauerei AG erwartet sich dadurch eine positive Auswirkung auf die Mieterträge. Auch die Entwicklung von Projekten wie dem Hotel Goldener Hirsch, das zu einem Vier-Sterne-Haus umgebaut werden soll, dem Hirschkeller und dem Nonnenbräukeller kämen gut voran. Mit der Realisierung der Wohnbebauung in Kleinkemnat auf dem ehemaligen Gelände der ehemaligen Gaststätte „Goldenes Kreuz“ stünde die größte Einzelinvestition in der Geschichte der AG an. Mehr als die Hälfte der dort entstehenden 24 Wohnungen sei bereits verkauft, so Hodnik. Die Fertigstellung der Wohngebäude ist bis Ende 2022 vorgesehen. Außerdem habe die AG zwei Objekte veräußert, für die sie, auch wegen Denkmalschutzauflagen, keine rentable Entwicklung gesehen hätte. Dabei handelt es sich um die Gaststätte „Hirsch“ in Pforzen, die im März 2020 an die Gemeinde Pforzen verkauft wurde, sowie um das über viele Jahre leerstehende Gasthaus „Dora“ in Scheidegg, das im Oktober 2020 mit einem Gewinn veräußert wurde.

Aktienkurs schwankend

Der Kurs der Aktie der Aktienbrauerei Kaufbeuren AG ist starken Schwankungen unterlegen und befindet sich momentan bei 376 Euro (Stand 17. Juni). Eine Dividende dürfen die Aktionäre indes nicht erwarten, zu hoch sei der Fehlbetrag der Gesellschaft, so Hodnik. 2017 übernahm JP‘s Nevada Trust die Mehrheit an der Aktienbrauerei Kaufbeuren AG. Über 90 Prozent der Aktien liegen nun in der Hand des US-Amerikanischen Treuhändlers. Der Rest befindet sich im Streubesitz von rund 400 bis 500 Anteilseignern.

Die Hauptversammlung berief zudem einen neuen Aufsichtsrat. Mit jeweils knapp 100 Prozent der Aktionärsstimmen wurden Jan Sören Kluth (Unternehmensberater bei ROKiT Group, Los Angeles), Anne Germaine Slattery (Executive Officer bei John Paul Mitchells Systems, Los Angeles) und Uwe Beck (CFO, Südvers GmbH, Frankfurt am Main) in den Aufsichtsrat der Aktienbrauerei Kaufbeuren AG bestellt.

Angemessene Bilanz

Trotz eines Rekordverlusts zeigte sich AG-Vorstand Franc Hodnik am Ende verhalten optimistisch. Die Vermögenslage der Gesellschaft schätzte er bei deutlich reduziertem Eigenkapital als noch angemessen ein. Die negative Ertragslage und der rückläufige Finanzmittelfond des Berichtsjahres seien vor allem durch die Unterstützung der ABK GmbH gekennzeichnet. Ohne diese Belastungen hätte sich ein geringfügig niedrigerer Jahresfehlbetrag als im Vorjahr ergeben sowie eine Verbesserung der Finanzlage.

Angelika Hirschberg

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