Auf der Suche nach einem neuen Standort

Aktienbrauerei Kaufbeuren will erweitern und hat schon ein Grundstück ins Auge gefasst

Sudhaus Aktienbrauerei Kaufbeuren
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Die Aktienbrauerei denkt über einen Standortwechsel nach, will aber in Kaufbeuren bleiben.

Kaufbeuren – Nach Trübsal blasen stand Geschäftsleitung und Gesellschaftern der Aktienbrauerei Kaufbeuren nicht der Sinn, als im Frühjahr der erste Lockdown in Kraft trat. Im Gegenteil. „Wir haben die Zeit genutzt, uns intensiv Gedanken zur Zukunft der Brauerei zu machen“, sagt Franc Hodnik, Vorstand der Aktienbrauerei Kaufbeuren AG dem Kreisbote. Denn schon länger ist klar, dass die mittelständische Brauerei mit ihrem internationalen Vertrieb am jetzigen Standort an ihre Grenzen stößt.

„Wir haben, insbesondere was Lager, Logistik und die Abfüllerei betrifft, bereits heute wenig Platz auf dem derzeitigen Firmengelände“, erklärt Hodnik weiter. Weil die Aktienbrauerei jedoch weiter wachsen will, Produktionsanlagen modernisiert und das Auslandsgeschäft forciert, wird auf dem Afraberg laut über einen Standortwechsel und Neubau auf der grünen Wiese nachgedacht.

„Wir wollen in Kaufbeuren bleiben“, betont dabei ABK-Geschäftsführer Gottfried Csauth und verweist auf die lange Geschichte des Traditionsbrauhauses. „Seit dem Jahr 1308 wird in Kaufbeuren Bier gebraut, und es ist die Aktienbrauerei, die diese Tradition fortführt.“ Warum allerdings eine Erweiterung auf dem Afraberg selbst nicht in Frage kommt, hängt mit der jüngsten Geschichte der Brauerei zusammen. Bis ins Jahr 2017 hinein schien das Gelände östlich der Hohen Buchleuthe, auf dem sich auch die historische Zeppelinhalle befindet, für eine Erweiterung wie geschaffen. Das 3,5 Hektar große Areal war im Zuge der Übernahme der Rosen-Brauerei in den 1990er Jahren an die Aktienbrauerei Kaufbeuren übergegangen. Seitdem im Jahr 2013 das operative Brauereigeschäft aber aus der Aktiengesellschaft ausgegliedert wurde, hatte das weitläufige und exponierte Grundstück zum Bestand der Aktienbrauerei Kaufbeuren AG gehört, die wiederum ausschließlich im Immobiliengeschäft tätig ist. Diese verkaufte das Areal dann im Januar 2018 an die Münchner Investorengruppe Panntum Projektentwicklungs GmbH, die dort großflächig Wohnbebauung realisieren will.

Direkte Nachbarschaft

Darin sieht AG-Vorstand Hodnik wiederum weitere Probleme auf die Brauerei zukommen. In unmittelbarer Nachbarschaft zu einem reinen Wohngebiet müssten Vorgaben des Schall- und Emissionsschutzes beachtet werden. Ärger zwischen Bewohnern und Brauerei wegen Lärm oder Geruchsbelästigung sei vermutlich vorprogrammiert. Ein weiterer Grund also, eine mögliche Verlagerung des Braugeschäfts zeitnah voranzutreiben. Das Konzept jedenfalls stehe, auch wenn noch nichts „in Sack und Tüten sei“, wie Franc Hodnik mehrfach betont. Erste Entwürfe hätten einen Flächenbedarf von mindestens zehn Hektar und ein Investitionsvolumen von bis zu 100 Millionen Euro ergeben. Der AG-Vorstand bleibt jedoch gelassen und erklärt: „So ein Umzug erfolgt ja nicht von heute auf morgen. Wir stellen uns in einem ersten Schritt die Auslagerung der Abfüllerei und der Logistik vor. Erst danach könnte mit einem Neubau für die Verwaltung und einer Schau-Brauerei die Kür folgen.“ Das Sudhaus hätte derzeit durchaus noch die Kapazität, seinen Ausstoß von rund 150.000 Hektolitern im Jahr zu verdoppeln. „Wenn alles gut läuft“, ergänzt Hodnik, „legen wir 2025 am neuen Standort los.“

Neubau Im Hart?

Eine städtische Fläche hat die Aktienbrauerei dafür schon näher ins Visier genommen: Zwischen Fliegerhorst und dem Gebiet „Im Hart“ entwickelt die Stadt Kaufbeuren aktuell das Gewerbegebiet „Im Hart Nord“. Dort könnte sich laut Hodnik die Zukunft der Aktienbrauerei abspielen, vor allem wenn auch die Bundeswehr in einigen Jahren ihre angrenzenden Flächen zur Verfügung stellt. „Wir sehen Erweiterungspotential und könnten sogar unsere brauereieigenen Brunnen samt Wasserrechten weiter nutzen.“ Derzeit sei man mit der Stadt in intensiven Gesprächen. Allerdings habe schlussendlich der Aufsichtsrat der AG das letzte Wort.

von Angelika Hirschberg

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