Aktionsbündnis gegen B12-Ausbau

Ziel: weniger Flächenverbrauch – Bundesstraße soll schmaler gebaut werden

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Gegen den vierspurigen Ausbau der B12 zwischen Buchloe und Kempten regt sich Widerstand. Jetzt wurde ein Aktionsbündnis ins Leben gerufen.

Marktoberdorf/Ostallgäu – Die Kritiker des geplanten B12-Ausbaus haben jetzt ein Aktionsbündnis ins Leben gerufen. Ziel ist es, die aktuellen Pläne zu kippen. So soll weniger Fläche verbraucht und die Bundesstraße schmaler gebaut werden.

Ein autobahnähnlicher Ausbau und die damit verbundene Breite von 28 Metern sei zu groß.

Gegen die vorliegenden Pläne wollen die Mitglieder des Aktionsbündnis nun Einwände erheben. Noch bis zum 17. August haben sie hierfür im Rahmen des aktuellen Planfeststellungsverfahrens die Möglichkeit dazu.

Rund 20 Bürger folgten vergangenen Woche der Einladung der Kreis-Grünen, sich zu einer Bürgerinitiative gegen den aktuellen Plan des Ausbaus der B12 auf Autobahnbreite zu formieren.

„Wir sind spät dran!“, so begrüßte Dr. Günter Räder, Kreisvorsitzender der Grünen im Ostallgäu, die Teilnehmer der Versammlung und bedauert, dass man sich nicht schon wie ursprünglich angedacht Ende März habe treffen können. Das Planfeststellungsverfahren sei angelaufen und die Unterlagen für den Bauabschnitt sechs lägen in den Rathäusern der anliegenden Gemeinden zwischen Untergermaringen und Buchloe zur Einsicht aus. Im nächsten Schritt seien konkrete Einwände und Stellungnahmen vorzubringen – „die Zeit dränge also“, so Räder.

Ablehnung des Projekts

Und bereits die Vorstellungsrunde vermittelt eine Idee davon, wie groß die Ablehnung des Projekts unter den Teilnehmern ist, die sich aus ganz unterschiedlichen Beweggründen zusammengefunden hatten: Bürger und Bauern aus Gemeinden in direkter Nähe zur B12, Mitglieder des Bund Naturschutz und Anhänger der Grünen Partei.

„Die Schnittmengen zwischen uns sind häufig nicht sehr groß“, bemerkt Michael Haußer, der Mitglied im Kreisvorstand der FDP und des Bauernverbandes im Ostallgäu ist, in Richtung der Grünen: „Hier ziehen wir aber an einem Strang“. Der konventionelle Milchbauer Haußer verliert mehr als zwei Hektar Fläche und damit fast sieben Prozent seiner bewirtschafteten Fläche und plädiert nicht zuletzt auch deshalb für eine Reduzierung des Ausmaßes der Straßenbaumaßnahmen.

Für Elfi Klein, 3. Bürgermeisterin in Buchloe, sind es gleich mehrere Punkte, die sie nur mit dem Kopf schütteln lassen: Für sie gehört der Bundesrechnungshof wegen der enormen Baukosten für diese überdimensionierte Straße auf den Plan und ganz konkret sind es Themen wie Lärmbelästigung und Hochwasserschutz der Buchloer Anlieger, die sie bewegen.

Fehlende kontroverse Diskussion

Viele Teilnehmer bedauerten, wie wenig das Thema in den Medien auch kontrovers diskutiert wird, gerade in Zeiten des Klimawandels und der bundesweit festgelegten Einsparungen an CO²-Emissionen sei Straßenbau in dieser Form doch ein Schritt in die völlig falsche Richtung. Den Bürgern sei nicht bewusst, was auf sie zukäme. Selbst direkte Anlieger, die mit massiven Belastungen durch den erhöhten Lärmausstoß zu rechnen hätten, zuckten bisher nur mutlos mit den Schultern und wüssten nicht, wie sie auf ihre Anliegen aufmerksam machen könnten, resümierte Robert Herbst, Sprecher Ortsverband Marktoberdorf Bündnis 90/Die Grünen.

„In zehn Jahren – wenn der Ausbau mal abgeschlossen sein wird – wird unsere Mobilität komplett anders aussehen“, gibt ein Teilnehmer zu bedenken. Schon mit jetzigen Assistenzsystemen könnte man beim Fahren Zeitung lesen – gefährliche Überholvorgänge würden zukünftig nicht mehr nötig sein und der Verkehrsfluss wäre dann viel gleichmäßiger und risikoärmer, so der Teilnehmer.

Zweiter Termin

Die Versammlung einigt sich im Anschluss darauf, die Bürgerinitiative formell zu begründen und an einem zweiten Termin am 28. Juli um 20 Uhr im Marktoberdorfer Modeon Restaurant die nächsten Schritte einzuleiten.

Interessierte Bürger können sich zukünftig über die Webseitewww.b12-so-nicht.de über den aktuellen Stand der Dinge informieren.

kb

Infos zum geplanten Ausbau: 

Die B12 soll in sechs Abschnitten auf 51 Kilometer zwischen Buchloe und Kempten autobahnähnlich ausgebaut werden. Die Kosten belaufen sich laut Staatlichem Bauamt Kempten auf rund 265 Millionen Euro.

Derzeit läuft das Planfeststellungsverfahren für den Abschnitt zwischen Buchloe und Untergermaringen. Bürger in den betroffenen Gemeinden können noch bis zum 17. August ihre Einwendungen gegen das Projekt vorbringen.

Genau 28 Meter breit soll der vierspurige Ausbau sein. Laut Bauamt sei dieser gesetzlich vorgeschrieben. Der so genannte Regelquerschnitt von 28 Metern besteht aus zwei Richtungsfahrbahnen mit je 10,5 Metern Breite, inklusive Seitenstreifen, einem Mittelstreifen von vier Metern und Banketten von 1,5 Metern.

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