Alarmglocken sollten schrillen

Polizei informiert in Buchloe über Trickbetrügereien

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Über die Methoden der Trickbetrüger informierte die Polizei auf Einladung der Buchloer CSU und Frauen Union im Kolpinghaus.

Buchloe – Was tun, wenn ein falscher Polizist vor der Tür steht, um Schmuck oder Bargeld abzuholen? Mit diesen und anderen Fällen von Trickbetrug konfrontierten echte Polizisten die Buchloer bei einem Vortrag in Kolpinghaus. Eingeladen dazu hatten Franz Nusser vom Ortsverband der Buchloer CSU und Regina Nanos von der Frauen Union. Mit dabei war auch Bernhard Weinberger, Leiter der Polizeiinspektion Buchloe.

„Natürlich sollte man sich den Ausweis zeigen lassen“, gab Kriminal-Hauptkommissar Ralph Müller den Besuchern mit auf den Weg. Notfalls sollte man sich durch einen Anruf bei der Polizei die Identität bestätigen lassen. Dafür dürfe man auch die polizeiliche Notrufnummer „110“ benutzen, sagte der kriminalpolizeiliche Fachberater aus Memmingen. Grundsätzlich aber sollte jeder Bürger wissen, dass die Polizei in keinster Weise befugt sei, Wertgegenstände in ihre Obhut zu nehmen, egal mit welcher Begründung. Bei einem solchen Ansinnen müssten bei jedem Betroffenen die Alarmglocken klingeln.

Hinters Licht geführt

Dass dies kein konstruierter Fall ist, belegen die nackten Zahlen. Allein im August dieses Jahres seien in Bayern 222 Fälle registriert worden, wo falsche Polizisten auf Beutezug waren. Der Vermögensschaden habe im Zeitraum Januar bis September rund 400.000 Euro betragen. Viele Betroffene sagen hinterher, dass sie eigentlich den Betrug hätten bemerken müssen. Oft seien sie aber mit abenteuerlichen und perfiden Geschichten hinters Licht geführt worden, weil die Täter einen erheblichen Zeitdruck aufgebaut hätten. Dies sei vor allem beim sogenannten Enkeltrick der Fall.

Die Opfer würden ganz gezielt ausgesucht und kontaktiert. Betroffen seien vor allem Senioren, bestätigt auch der Leiter der Kriminalpolizeistation Kaufbeuren, Andreas Buchmiller. Die Täter seien rhetorisch hervorragend geschult, würden mit perfiden Geschichten die Betroffenen unter erheblichen Druck setzen. Oft seien es Menschen, die einsam sind und schon in ihrer Lebenstüchtigkeit eingeschränkt.

Hier sei aber auch das soziale Umfeld gefragt, Verbrechen dieser Art zu verhindern. Beispielsweise der Mitarbeiter in der Bank, der bei größeren Bargeldabhebungen von Senioren durchaus einmal nachfragen kann. Auch Taxifahrer hätten in der Vergangenheit oft geholfen, Senioren vor großen finanziellen Einbußen zu bewahren.

Neben den falschen Polizisten ist das Telefon oft das Tatwerkzeug. „Sprechen Sie mit unbekannten Anrufern nie über ihre persönlichen und finanziellen Verhältnisse“, gab Ralph Müller den Besuchern im Kolpinghaus mit auf den Weg. Das sei oft der erste Schritt, in den eigenen vier Wänden bestohlen zu werden. „Lassen Sie vor allem keine Fremden in Ihre Wohnung, auch wenn sie nur um ein Glas Wasser bitten“, betonte Müller.

Der kriminalpolizeiliche Berater warnte das Publikum auch vor den Gewinnspielen, die am Telefon angeboten würden. Legen sie einfach auf, lautete sein Ratschlag. Sollte jemals auf ihrem Telefondisplay die Polizei-Notrufnummer „110“ erscheinen, sollten sie gar nicht erst ran gehen, lautete ein weiterer Ratschlag von Ralph Müller. Die Polizei nutzt diese Nummer nie zu Anrufen an die Bevölkerung.

Meist sitzen die Betrüger, die das Telefon als Tatinstrument benutzen, im Ausland, auch wenn die Nummer, die im Display zu sehen ist, eine deutsche Vorwahl hat. Man könne auch unbekannte Telefon-Nummern im Internet checken. Dort würde oft vor Betrügern und unseriösen Geschäftemachern gewarnt.

Immer wieder wies Ralph Müller sein Publikum darauf hin, misstrauisch zu sein. Das gelte auch vor allem dann, wenn Täter einen Zeitdruck aufbauen würden. „Man lässt sie nicht zur Ruhe kommen“. „Keiner von uns im Saal ist gegen die perfiden Methoden der Betrüger wirklich gewappnet“, sagte Müller. Deshalb solle man sich nie unter Zeitdruck setzen lassen und immer misstrauisch sein. Vorsicht sei auch bei überraschend auftauchenden Handwerkern geboten.

von Siegfried Spörer

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