Allerhand Allotria

Zweiter Bunter Abend beim Theaterverein Burgspiele Kemnat mit fünf Stücken

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Psychologie der Kommunikation“: Bockigkeit (Carola Bucher), weinerliche Sensibilität (Susi Kohrn) und gesellige Gesprächsbereitschaft (Birgit Steuer) auf der weiblichen Seite prallen auf Egoismus (Armin Demmler), Sachlichkeit (Helmut Götz) und harmoniebedürftige Bequemlichkeit (Wolfgang Bucher) auf der männlichen Seite.

Kaufbeuren-Kemnat – Der 1. Vorsitzende Markus Schindele konnte von der Reha-Klinik in Isny, wo er sich derzeit von einer Operation erholt, nur Grüße schicken. Daher begrüßte Regisseur Hannes Höbel die „Freunde“, die der Theaterverein Burgspiele Kemnat e. V. am vergangenen Freitag und Samstag in den Theaterstadel eingeladen hatte, „weil sie keine Lust hatten, für sich allein zu spielen“.

Vor etwa zwei Jahren hatten die Burgspiele den ersten Bunten Abend mit Tischen und Stühlen anstelle der Theaterbestuhlung und mit Bewirtung angesetzt, um die Vorbereitungszeit bis zum nächsten großen Stück zu überbrücken und dem treuen Publikum zu signalisieren, dass man noch da sei, erzählte Regisseur Hannes Höbel. Das war erfolgreich und hat außerdem den Vorteil, „dass man viele neue Leute ausprobieren und auf die Bühne bringen kann.“ Zudem benötige so ein bunter Abend nur ungefähr vier Wochen Vorbereitungszeit, was die Mitspieler leichter aufbringen können, fuhr Höbel fort, und schließlich lasse sich in einem bunten Abend auch viel einfacher Musik unterbringen. Das war den Kemnatern im Bayerischen Grusical „Die Vampertinger“erstmals gelungen und man will den Musikern in der Truppe auch weiterhin eine Plattform bieten.

Drei Einakter und zwei Musikstücke kamen diesmal zur Aufführung. In „Psychologie der Kommunikation“ von Dietmar Steiner wurde am Beispiel des Ehepaars Doris (Margot Neher) und Alfons (Thomas Steuer) sichtbar gemacht, wie nahezu zwangsläufig Missverständnisse und Streit entstehen: Bockigkeit (Carola Bucher), weinerliche Sensibilität (Susi Kohrn) und gesellige Gesprächsbereitschaft (Birgit Steuer) auf der weiblichen Seite prallen auf Egoismus (Armin Demmler), Sachlichkeit (Helmut Götz) und harmoniebedürftige Bequemlichkeit (Wolfgang Bucher) auf der männlichen Seite. Schallendes, verständnisinniges Gelächter des Publikums zeigte, dass da durchaus der eine oder andere Nerv getroffen wurde. Es folgte auf die Melodie von „Der 3. Mann“ ein Lied über Siegmund Freud (Hannes Höbel), zu Zither (Thomas Steuer) und Gitarre (Uli Götz) gesungen von Panja Martin und Willi Geis. Das Stück „Wir proben Wilhelm Tell“ von Walter G. Pfaus zeigte die Leiden eines Regisseurs, der mit Laienspielern (Andreas Böhme als Hans, Susi Kohrn als Sabine, Klaus Neher als Anton, Brigitte Gans als Karin und Georg Schindele als Josef) einen Klassiker aufführen will – falsches Pathos, übertriebenes Geltungsbedürfnis, Rollenneid und Zickenkrieg eingeschlossen. „Ich spiele alles – gebt mir einen blauen Fetzen, und ich spiele das Mittelmeer!“, intonierte „Sabine“.

Nach der Pause leiteten eher getragene Töne (Querflöte Ingrid Böll-Roberts, Zither Thomas Steuer, Gitarre Uli Götz, Trommel Willi Geis) über zum Stück „Das Leben geht weiter“ von Thorsten Böhner. Die Freundinnen Gerda (Annette Michl-Kormann), Hilde (Panja Martin) und Bärbel (Andrea Murk) betrauern tränenreich das Ableben des von Gerda seit 45 Jahren wegen Untreue geschiedenen Gatten Gisbert, den sie, wie sich herausstellt, miteinander geteilt haben. In einer Rückblende erfuhr das amüsierte Publikum, wie die junge Gerda (Luci Schindele) den noch schüchternen, aber lernbegierigen Gisbert (Philipp Höbel) kennen lernt. Dieser erhält vom alten Herrn Proll (Ewald Grotz) so lange Tipps zum effektiven Flachlegen von Damenbekanntschaften, bis ­Proll feststellt, dass das fragliche Mädchen seine Tochter ist. In der Gegenwart beschließen die Freundinnen dann, ihr restliches Leben nach Kräften zu genießen und sich wieder einen gemeinsamen Mann zu suchen – „mit alten Traditionen soll man nicht brechen...“

Begeisterter Applaus dankte den Schauspielern nach dem von allen Mitwirkenden gesungenen Bunter-Abend-Lied „Aus ist’s, schön war’s“. Die Schauspieler wiederum dankten ihrem Regisseur Hannes Höbel für Inspiration und Motivation mit einem Restaurantgutschein und einer Bunter-Abend-Collage.

von Ingrid Zasche

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