Corona beherrscht die Diskussion

Allgäu Initiativ Konferenz: Folgen der Pandemie für Tourismus und Mobilitätskonzept Allgäu im Fokus

Plenarsitzung im Landtag von Bayern
+
Über 60 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Industrie, Handwerk und Bereiche des öffentlichen Lebens haben an der 18. Allgäu Initiativ Konferenz teilgenommen. Gesundheitsminister Klaus Holetschek ist Teil der Vorstandschaft.

Allgäu – Über 60 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Industrie, Handwerk und Bereiche des öffentlichen Lebens haben an der 18. Allgäu Initiativ Konferenz teilgenommen. Landrätin und Aufsichtsratsvorsitzende Maria Rita Zinnecker sprach von den wiederholt gestellten Forderungen an Ministerpräsident Markus Söder und den entsprechenden Fachministerien. Primär geht es um eine konzeptbasierte Öffnungsstrategie im Tourismus, der Alternative zur inzidenzbasierten Bundesnotbremse, die Aufhebung der Wettbewerbsverzerrung durch Reisemöglichkeiten ins Ausland sowie Chancengleichheit bei Impfungen. 

„Die Gäste können nach Österreich, in die Schweiz oder sonst wo hinfahren, nur bei uns ist es inzidenzabhängig“, verwies die Ostallgäuer Kreischefin im gleichen Atemzug auf folgendes Szenario: „Stellen wir uns vor, die Inzidenz ist acht Tage lang unter 100 und die Werte gehen dann kurzfristig drei Tage lang wieder hoch, dann müssen wir die Gäste wieder heimschicken.“ In die gleiche Kerbe schlug auch Allgäu GmbH-Geschäftsführer Bernhard Joachim. Schon in diesem Jahr habe man bisher 80 Prozent der Übernachtungen verloren. Hinzu kam, dass die Bergbahnen keinen einzigen Tag im Winter in Betrieb waren. Stand heute gebe es einen Gesamtverlust von 2,73 Milliarden Euro im Tourismus. Die Zahlen wurden neu durch das DWIF berechnet. Im Schnitt sind das zehn Millionen Euro pro Tag, oder 416.000 Euro pro Stunde. „Es sind dramatische Zahlen“, führte Bernhard Joachim aus. „Diese Zahlen geben eindrucksvoll wieder, warum wir vehement für eine verlässliche und planbare Öffnung nach einer konzeptbasierten Strategie kämpfen“, so Zinnecker. Sie sprach von großen Herausforderungen. „Wir sind froh mit Klaus Holetschek einen Staatsminister im Vorstand der Allgäu Initiativ Konferenz zu haben.“ Er zeige höchstes Verständnis für die Sorgen der Tourismuswirtschaft.

„Ich will das Beste fürs Allgäu“

Zum Impffortschritt als wichtigsten Beitrag zur Pandemiebekämpfung verwies Gesundheitsminister Holetschek auf die bereits erhöhte Zulieferung an Impfdosen gemäß den Bestimmungen, die an hoher Inzidenz mit geringer Impfquote gekoppelt seien. Auf drei andere Forderungen ging Holetschek ebenfalls ein: Von der Bundesnotbremse werde Bayern nicht abweichen, da sie zur Senkung der Inzidenzwerte erfolgreich beigetragen habe. Das Gesundheitsministerium liefere täglich Antworten auf die vielen noch ungeklärten Fragen, beispielsweise rund ums Thema Testungen. „Ich will das Beste fürs Allgäu“, versprach Holetschek und machte in seinen Ausführungen Mut. Ab 7. Juni sollen die Betriebsärzte in die Regelversorgung mit einbezogen werden. „Das System wird weiterhin Fahrt aufnehmen, sofern es auch weitere Zulassungen von Impfstoffen gibt.“ Auch nach der Schalte mit Gesundheitsminister Holetschek wurde der Druck in Richtung Berlin massiv verstärkt. „Es ist ein Skandal, wie mit unserer Branche umgegangen wird“, so Angelika Soyer, Vorsitzende der Anbietergemeinschaft „Mir Allgäuer“ von „Urlaub auf dem Bauernhof“.

Trotz der prekären Situation hält die Branche zusammen: In den vergangenen Monaten gab der Tourismusverband Allgäu/Bayerisch-Schwaben 49 Sondernewsletter zur jeweiligen Situation heraus, eine Hotline garantiert eine tägliche Betreuung der Leistungsträger und knapp 20 Mal trafen sich die Beteiligten zum Runden Tisch Allgäu. Außerdem findet ein wöchentlicher Austausch innerhalb Bayerns statt. „Im engen Austausch mit der Vorstandschaft und Aufsichtsrat haben wir Gespräche geführt, insbesondere mit Staatsminister und stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Holetschek, Staatsminister Hubert Aiwanger und Ministerpräsident Söder“, berichtete Zinnecker.

Mobilitätskonzept Allgäu

„Auch wenn derzeit die Reisebeschränkungen durch Corona den Ausflugsdruck in Wandergebiete enorm verstärken, ist das Mobilitätskonzept Allgäu nicht erst jetzt in der Krise auf den Weg gebracht worden“, erklärte Klaus Fischer, Geschäftsführer und Sprecher der Allgäu GmbH. Es sei Teil der Marken- und Destinationsstrategie, welche bereits im Jahr 2019 festgeschrieben wurde. „Nun profitieren wir von der frühzeitigen Vergabe des Projekts an Spezialisten, die Bietergemeinschaft greencity experience, urban institute und das Fraunhofer Institut ML, die schnell umsetzbare Lösungen für ein digitales Parkraummanagement zusammen mit den Kommunen erarbeiten“. Gefördert wird das Projekt durch das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr. So seien in einem ersten Schritt die verkehrlichen Hotspots in einer ausführlichen Analyse identifiziert worden. In einem zweiten Schritt wird nun die verkehrsträgerübergreifende Prüfung der Situation im gesamten Allgäu erfasst, aus der sich die Entwicklung eines Leitbildes für die Mobilität im Allgäu und darauf abgestimmte Maßnahmen zur Verkehrssteuerung ableiten.

Naturbiken und Job-WG

Eines der schwierigsten Projekte der letzten Jahre kann im Juni dieses Jahres endlich abgeschlossen werden: Was als Leitproduktentwicklung Mountainbike Allgäu/Tirol gestartet ist, heißt entsprechend der Kern­aussage nun „Naturbiken Allgäu/Tirol“. Hier stehen keine anspruchsvollen MTB-Strecken im Vordergrund, sondern das genussreiche Fahren auf abwechslungsreichen Wegen, bei denen die Natur im Vordergrund steht und nicht die Technik. Am 11. Juni sollen die Strecken offiziell eröffnet werden. Insgesamt 24 Touren sollen es grenzüberschreitend werden, teils sind sie schon ausgeschildert. Das Interreg-Projekt ist durch Mittel des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

Stefan Günter

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Angelika Laussers erhält Bundesverdienstkreuz
Angelika Laussers erhält Bundesverdienstkreuz
Überholmanöver missglückt – Unfallzeugin gesucht
Überholmanöver missglückt – Unfallzeugin gesucht
Nach EM-Spiel: 73-Jähriger will zwei Buben schlagen und treten
Nach EM-Spiel: 73-Jähriger will zwei Buben schlagen und treten

Kommentare