Der „Allgäu Schnellweg“ am Start

Die Planung des B12-Ausbaus hat begonnen

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Der Verkehr soll auf der B12 bleiben. Herausforderungen stellen der Verteilerkreisel (oben) an der B12 und die Engstelle bei Hawe (unten) dar.

Kaufbeuren – „Es war nicht die letzte Veranstaltung, denn das Thema nimmt jetzt Fahrt auf!“ So lautete der Hinweis am Ende der Bürgerinformationsveranstaltung zum Ausbau der Bundesstraße 12 – zukünftig als „Allgäu Schnellweg“ bezeichnet – von Oberbürgermeister Stefan Bosse.

Thomas Hanrieder, im Staatlichen Bauamt in Kempten für die Planung zuständig, bestätigte dies und informierte umfassend über den aktuellen Stand der Ausbauplanungen des rund 51 Kilometer langen Gesamtabschnittes zwischen der A 96 in Buchloe und der A 7 in Kempten mit Kosten von rund 265 Millionen Euro. Dabei ging es im Wesentlichen um den Planungsabschnitt 5 zwischen Hirschzell und Untergermaringen. Für die etwa 130 interessierten Bürger stand insbesondere der Lärmschutz im Fokus, da sie durch die Verkehrszunahme einerseits und die höheren Geschwindigkeiten andererseits einen weiter ansteigenden Lärmpegel befürchten.

Da mit den Planungsabschnitten 1 (Kempten – Unterthingau), sowie 5 (Hirschzell – Untergermaringen) und 6 (Untergermaringen – Buchloe) begonnen wird, finden zunächst in diesen vom Umbau betroffenen Gemeinden erste Informationsveranstaltungen statt. Ein Hauptanliegen war dem Planer die Transparenz und Einbindung der Bürger in den gesamten Planungsprozess. Er ermunterte sie zur Beteiligung: „Melden Sie sich bei uns, wenn Sie mögliche Problemfelder sehen, je eher, desto besser.“ Eingangs betonte Hanrieder, dass es sich bei dem im Bundesverkehrswegeplan 2030 verankertes um ein „vordringliches Projekt“ handelt, welches „Gesetzescharakter“ hätte und der Freistaat vom Bund den Auftrag zur Umsetzung habe.

Derzeit 15.000 bis 20.000 Fahrzeuge am Tag und schwere Unfälle („Schilder helfen nicht mehr“) hätten laut Hanrieder zu einem Handlungsbedarf geführt. Er stellte jedoch klar: „Der Verkehr nimmt nicht zu, weil wir Straßen bauen, sondern unter anderem durch steigende Einwohner- und Gewerbezahlen.“ Daher ist die in einem Gutachten ermittelte Prognose auf das Jahr 2030 ausgerichtet. Sie geht von einem Anstieg um rund 23 Prozent auf knapp 24.000 Fahrzeuge täglich aus. Aus den bisher vier kleinen Durchlauf-Parkplätzen auf dem gesamten Abschnitt werden insbesondere mit Blick auf den Schwerlastverkehr zwei größere Rastplätze mit WC-Anlagen entstehen.

Verfahren und Besonderheiten

Im ersten Teil präsentierte er allgemeine Informationen zu der in sechs Planungsabschnitten eingeteilten Gesamtstrecke. Dazu gehörten unter anderem der Ausbauquerschnitt, das Planrechtsverfahren, Verkehrs­prognosen und eine Zeitplanung. Auch eine Raumempfindlichkeitsanalyse, die sämtliche Umweltbelange wie beispielsweise Mensch, Tiere, Boden, Wasser oder Klima umfasst, bewertet den Eingriff auf diese Schutzgüter. Naturschutzfachliche Untersuchungen bezüglich der konkreten Trassenführung finden extra statt.

Anschließend wurden Details für die bereits begonnene Planung im Planungsabschnitt 5 vorgestellt. Bei dem Umbau auf die vorgeschriebene Verbreiterung von insgesamt 28 Meter müssen in diesem Abschnitt 14 Brücken und zwei Anschlussstellen, Kiesgruben sowie Gewerbebebauung und einzelne Wohngebäude berücksichtigt werden. Eine Ausfahrt Hirschzell ist momentan nicht Bestandteil der Planung. Welche Ausbauvariante – einseitig oder beidseitig – zum Tragen kommt, ist noch offen. Fest steht allerdings, dass der Umbau im laufendem Betrieb stattfindet: „Der Verkehr bleibt auf der B12!“ Herausforderungen stellen der Verteilerkreisel an der B12, die Engstelle bei Hawe und bei der Pizzeria Pergola dar. Nach vorsichtiger Schätzung könnten die ersten Bagger in fünf Jahren aktiv werden und der Abschnitt 5 nach etwa drei Jahren Bauzeit fertig sein.

Lärmschutz gewünscht

Da es sich um eine wesentliche Änderung handelt, wird das Projekt laut Hanrieder wie ein Neubau behandelt. Das bedeutet, dass die gültigen Richtlinien für den Lärmschutz angewandt werden. Mehrere Bürger aus dem Bereich westlich der B12 (Hirschzell Dorf und Siedlung), die bereits jetzt je nach Windrichtung von einem „deutlich hörbaren Rauschen“ sprachen, wünschen sich entsprechende Schutzmaßnahmen. Gemäß aktuellen Lärmschutzkataster sei laut Planer derzeit allerdings kein Bedarf zu erkennen. Die gesetzlichen Grundlagen würden eingehalten und wenn „technische oder rechtliche Gründe dies erfordern oder wenn es lärmschutztechnisch nicht anders möglich ist“, könnten möglicherweise auch Geschwindigkeitsbeschränkungen infrage kommen. Im Bereich der Engstelle sei eine Einhausung „kaum denkbar“, aber nicht auszuschließen. Auch der Hinweis des OB bezüglicher Gefahren durch Schneeverwehungen zwischen Kaufbeuren und Buchloe werden aufgenommen. „Wir werden die bestmöglichen Kompromisslösungen suchen“, so der Planungsfachmann abschließend und erteilte auch allen Hoffnungen auf „Höchstpreise“ für erforderlichen Grund­erwerb eine Absage.

von Wolfgang Becker

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