Wenig Vertrauen in Politik 

"Milchpreisverfall trifft uns schwer"

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Bei einer Stallführung konnte sich Bayerns Agrarminister Helmut Brunner (3. v. li.) von den großen Problemen der Milchbauern bei den Gastgebern des 1. Allgäu-Schwäbischen Milchbauerntages, Christian Neth (rechts) und Stefanie Fäustle (3. v. re.), zusammen mit weiteren geladenen Ehrengästen an Ort und Stelle selbst informieren und sich ein Bild vom Überlebenskampf der hiesigen Milchbauern machen.

Irsee – Bei den deutschen Landwirten wächst angesichts der sinkenden Milchpreise die Verzweiflung. Das gilt auch für das Allgäu. Und so war es nicht verwunderlich, dass über 800 Milchbauern am Sonntag den Weg nach Irsee zum 1. Allgäu-Schwäbischen Milchbauerntag fanden.

Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) fürchtet für sein Bundesland verheerende Folgen für Arbeitsplätze, Tourismusregionen und die Kulturlandschaft. In Bayern stehen 32.000 der insgesamt rund 70.000 deutschen Milchbetriebe. „Zum Schluss sind wir Bauern die Deppen und nicht die Molkereien“, wetterte Romuald Schaber, Vorsitzender und Gründer des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter e.V., entsprechend in seiner Rede. 

„Der Verfall des Milchpreises trifft uns schwer“, erklärte ein Landwirt aus dem Unterallgäu. Das Milchgeld reiche gerade noch fürs Futter, an weitere Investitionen und eine entsprechende Altersvorsorge sei unter den derzeitigen Umständen nicht zu denken. 

Das wissen auch die Gastgeber dieses Aktionstages. Die junge Landwirtsfamilie Neth/Fäustle leidet unter der augenblicklichen Krise und hofft auf einen raschen Ausweg. Schließlich drückt die Schuldenlast nach Errichtung eines neuen, modernen Stallgebäudes empfindlich und das gehe an die Substanz. Die 25 Cent pro Liter Milch, die momentan gezahlt werden, seien schlichtweg „ein Hohn“ und würden einen sofortigen Handlungsbedarf erfordern, so Christian Neth. 

Ähnlich äußerten sich die meisten der Anwesenden und deuteten dabei an, dass viele Betriebe stark belastet seien und die Grenze der Belastbarkeit erreicht sei. „Wir Bauern sind leider das schwächste Glied in dieser Kette“, meinte ein Landwirt aus Kempten. „Die Molkereien sitzen ganz einfach am längeren Hebel – und wir Milchbauern, wir haben überhaupt keinen Hebel zum Ansetzen. Das ist der große Unterschied bei diesem Problem“. 

Also keine leichte Aufgabe für den Bayerischen Agrarminister Helmut Brunner, der einen Tag vor dem „Berliner Milchgipfel“ (Montag, nach Redaktionsschluss) nach Irsee gekommen war, um über die von Bund und Ländern zusammen mit dem EU-Agrarrat getroffenen Beschlüsse zu berichten. Nach seinen Worten müsse als allererstes die Milchmenge europaweit reduziert werden, wobei die Hauptverantwortung der gesamten Agrarpolitik in Brüssel liege. Wichtigstes Ziel für die nahe Zukunft sei die Wiederherstellung eines ausgewogenen Marktgleichgewichtes. Deshalb müsse sich die Bundesregierung in Brüssel um eine wirksame Mengenbegrenzung einsetzen. Bei einer Überproduktion dürfe mengenmäßig nicht noch mehr produziert werden. Gleichzeitig sollten Überproduktionen zurückgehalten und in Ländern eingesetzt werden, wo derzeit Mangel herrsche. 

Die vom Minister angesprochenen Einmalzahlungen und günstige Darlehen seien nur „ein Tropfen auf dem heißen Stein“, so die verbreitete Meinung unter den anwesenden Landwirten. „Uns wurde in der Vergangenheit von den Politikern schon sehr viel versprochen, aber so gut wie nichts von alldem eingehalten“, schimpfte eine Landwirtin aus einer Ostallgäuer Nachbargemeinde. Es sei mindesten „fünf vor zwölf“ und damit höchste Zeit, Bewegung in die politischen Debatten zu bringen und brauchbare Lösungen und Entscheidungen herbeizuführen. Denn der Agrarstandort Deutschland stehe in einer Verpflichtung, dass die Landwirtschaft ein entsprechendes und angemessenes Ein- und Auskommen habe, so die Meinung einige Milchbauern.

von Klaus-Dieter Körber

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