Einsatz für Mitmenschen

Genau richtig gehandelt

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Die Ehrung nahmen in Empfang: Franz und Dagmar Stowasser, Andreas und Kilian Wendt, Andrea Bechteler, Andreas Frei, Leonhard Proba, Marco Hörburger, Tufan Özcelik, Onur Kosal, Josef Kellner, Gerhard Mößle, Oliver Abeling und Hans-Dieter Hafels. Nicht persönlich anwesend sein konnten Anton Neumann, Claudia Rieder und Helmut Schneiderat.

Kaufbeuren/Allgäu – Die gute Nachricht vorweg: Das Allgäu ist laut Innenstaatssekretär Gerhard Eck eine der sichersten Regionen deutschlandweit. Institutionen wie Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienste arbeiten gut zusammen. Dass es aber trotzdem immer wieder Einzelsituationen gibt, in denen Zivilcourage und schnelles Handeln auch von Bürgerseite gefragt sind, zeigte die Festveranstaltung des Kuratoriums Sicheres Allgäu vergangene Woche in Kaufbeuren.

14 Allgäuer Bürgerinnen und Bürger wurden hier von Eck und Hans-Jürgen Memel, Generalsekretär des Kuratoriums Sicheres Allgäu, persönlich für „besondere Zivilcourage“ ausgezeichnet. Drei Beteiligte waren nicht anwesend.

Sie haben Leben gerettet, eine Gewalttat verhindert oder der Polizei nach einem Einbruch wertvolle Hinweise gegeben: 14 Menschen aus dem gesamten Allgäu standen vergangene Woche im Mittelpunkt, weil sie nicht weggesehen, sondern sich eigenverantwortlich und mit Weitblick für ihre Mitmenschen eingesetzt haben. „Ich habe großen Respekt vor Ihnen“, würdigte Eck bei der Feierstunde die Verdienste. Besonders beeindruckend sei, dass in mehreren Fällen fremde Menschen spontan und reibungslos zusammen geholfen hätten, um Schlimmeres zu verhindern und Leben zu retten.

Wurden geehrt:

• Josef Kellner aus Füssen. Er bewahrte im März eine Frau vor einem schweren Übergriff und rettete ihr möglicherweise sogar das Leben. Ein Mann stürzte sich auf eine Frau, die gerade im Begriff war, in ihr Auto zu steigen und wegzufahren. Der 31-jährige Täter kniete auf seinem Opfer, würgte die Frau und biss ihr ins Gesicht. Schließlich zog er ein Küchenmesser und begann auf sie einzustechen. Josef Kellner, der mit dem Fahrrad vorbeikam, schrie den Täter an, so dass dieser flüchtete, kümmerte sich um die Frau und alarmierte den Notruf. Auch seine Zeugenaussage lieferte wichtige Hinweise.

• Gerhard Mößle aus Bad Wörishofen bekam die Ehrung für seine besondere Aufmerksamkeit hinsichtlich der Vorgänge in seiner Nachbarschaft. Als im März 2015 ein Einbruch in einem Einfamilienhaus in Bad Wörishofen begangen wurde, und Mößle von dem Vorfall erfuhr, erinnerte er sich an ein verdächtiges Fahrzeug. Weil Mößle das Kennzeichen noch wusste, hatte die Polizei eine heiße Spur. Im April fiel der Pkw einer Streife in der Oberpfalz auf. So konnte der Fall schließlich geklärt werden.

• Andrea Bechteler, Anton Neumann und Andreas Frei aus Betzigau beziehungsweise dem Landkreis Oberallgäu retteten im Juni 2015 einem 83-jährigen Badegast im Notzenweiher das Leben. Der Senior drohte unterzugehen. Die drei Hinzugekommenen bewahrten den Mann, der vermutlich einen Herzinfarkt erlitten hatte und bereits blau angelaufen war, vor dem Ertrinken. Am Ufer warteten bereits weitere Helfer, Andrea Bechteler kümmerte sich um den Notruf und betreute die Ehefrau des 83-Jährigen.

• Schlimmeres verhindern konnten auch Claudia Rieder, Hans-Dieter Hafels und Oliver Abeling aus Kempten im August 2015. Sie hörten die Hilferufe einer Frau, die in einem Treppenhaus von ihrem getrennt lebenden Ehemann angegriffen und mit einer Eisenstange mehrmals auf den Kopf geschlagen wurde. Hans-Dieter Hafels gelang es, den Täter am Boden zu fixieren, während Rieder und Abeling sich um die schwer verletzt Frau kümmerten sowie Polizei und Rettungsdienst verständigten.

• Die Ehrung für das beherzte Eingreifen bei einem Raubüberfall in Kaufbeuren bekamen die Bürger Dagmar Stowasser, Franz Stowasser, Helmut Schneiderat sowie Andreas Wendt und sein Sohn Kilian. Im Dezember 2014 schlugen in den Abendstunden zwei Täter einen 64-Jährigen nieder und griffen sich dessen Handy. Dagmar und Franz Stowasser hatten den Vorfall beobachtet und kümmerten sich um das verletzte Opfer, Helmut Schneiderat und Andreas Wendt als weiteren Zeugen gelang es sogar, den Flüchtenden mit ihren Autos den Weg zu versperren. Der damals zehnjährige Kilian fand das Handy, das die Täter weggeworfen hatten.

• Marco Hörburger, Leonhard Proba, Onur Kosal aus Lindenberg sowie Tufan Özcelik aus Heimenkirch bewiesen am Heiligabend 2015 Weitblick und retteten einem 85-Jährigen bei einem Wohnungsbrand das Leben. Tufan Özcelik und Onur Kosal sahen Rauchschwaden aus einem nahen Fenster steigen. Sie alarmierten sofort die Polizei und eilten zur entsprechenden Wohnung. Hilfe bekamen sie von Leonhard Proba und Marco Hörburger, die die Tür eintraten. So konnte der Senior mit einer Rauchgasvergiftung aus der Wohnung befreit und der Brand per Pulverlöscher erstickt werden. Grund für den Brand war ein Adventskranz, der Feuer gefangen hatte.

von Michaela Frisch

Zahlen und Fakten:

Die Kriminalitätsbelastung im Allgäu lag laut Innenstaatssekretär Eck 2014 bei 4.157 Straftaten pro 100.000 Einwohner (bayernweiter Durchschnitt: 5.164) und die Aufklärungsquote bei 69,7 Prozent (bayernweiter Durchschnitt: 64,4 Prozent). Die Zahlen für 2015 liegen noch nicht vor. Alle vier Landkreise und alle kreisfreien Städte im Allgäu sind Mitglieder des Kuratoriums „Sicheres Allgäu“, welches unter www.sicheres-allgaeu.de unter anderem Tipps gibt, wie man sich in einer plötzlich auftretenden Gefahrensituation oder bei Beobachtung einer Straftat am besten verhalten sollte. Die diesjährige Ehrung des Kuratoriums fand im Autohaus Allgäu in Kaufbeuren statt. Das KSA gibt es seit 2003, Präsident ist der Landrat des Kreis Lindau Elmar Stegmann.

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