Alte Idee mit neuer Technik

31 Tonnen schwer, 23,60 Meter lang, 2,55 Meter breit und 165 Personen finden in ihm Platz: Der neue Bus mit Personenanhänger der Verkehrsgesellschaft (VG) Kirchweihtal wurde vergangene Woche mit einer Probefahrt vorgestellt. Gelenkt wird der Bus von Helmut Leistner und der hat mit so großen Fahrzeugen richtig viel Erfahrung.

Leistner kann es einfach nicht groß genug sein. „Je länger, je höher, je breiter desto besser“, ist seine Devise. Kein Wunder, bevor er vor sechs Jahren zur VG Kirchweihtal gekommen ist, saß er im Führerhaus von diversen Schwertransportern. Hergeben möchte der 54-Jährige den neuen Omnibus mit Personenanhänger schon jetzt nicht mehr. Bei der Präsentation kutschierte Leistner die Vertreter der Politik, der Polizei, Feuerwehr und Wirtschaft durch die Straßen Kaufbeurens. Am Plärrer bekamen die wartenden Fahrgäste ganz große Augen, was das für ein langer Bus mit einer ganz anderen Fahrgastbesetzung ist. Vor allem ruhig ist es im Anhänger des neuen Gefährts. Kein Motorengeräusch ist zu hören und auch kein schaukeln ist zu verspüren. Richtig angenehm und bequem ist es im Personenanhänger. Da verwundert es auch kaum, dass einige Fahrgäste bei der Probefahrt einen kurzen Stopp gleich für den Umstieg vom Bus in den Anhänger nutzten. Eingesetzt werden soll der Buszug in Spitzenzeiten, wie Wilfried Venerius, Geschäftsführer Regionalbus Augsburg von denen Kirchweihtal ein Tochterunternehmen ist, sagt. Zwei Busse und ein Anhänger wurden für insgesamt 650000 Euro angeschafft. Einen Zuschuss über 140000 Euro gab es vom Freistaat dazu. Nicht nur die Wirtschaftlichkeit, die durch das schnelle an- und abkoppeln des Anhänger erreicht werde, kommt gut an, sondern auch die Umweltfreundlichkeit. Die Idee, die dahinter steckt ist alt, die Technik hingegen ist neu. Bereits in den 50er und 60er Jahren fuhren auf deutschen Straßen solche Omnibusse mit Personenanhängern. Der Buszug der VG Kirchweihtal ist jedoch mit den damaligen Modellen überhaupt nicht mehr vergleichbar. Nicht nur, dass er der „erste Buszug im Allgäu“ ist, sondern auch noch „der längste in ganz Deutschland“, betont Kirchweihtal-Geschäftsführer Dirk Elies. Und extrem wendig ist der Buszug dazu. Kein Schild musste versetzt werden und auch keine Kurve oder Kreisverkehr stellen für den Bus mit Hänger ein Problem dar. Dieses überprüften die ersten Fahrgäste genau und schauten gespannt bei den ersten Kurven und Kreiseln aus dem Fenster. Ohne Probleme schlängelte sich der Bus samt Hänger und Fahrgästen durch die Innenstadt Kaufbeurens. Grund dafür ist, der erheblich kleine Wenderadius des Gefährts sowie die elektrisch gesteuerten Lenkachsen. Bei einigen Unternehmen in der Schweiz, Deutschland und Österreich sind kleinere Modelle des Buszugs bereits im Einsatz. Mit Überwachungssystemen, wie festinstallierten Kameras, deren Aufnahmen 24 Stunden gespeichert werden sowie einem Notrufkasten, der eine Sprechfunkverbindung zum Fahrer herstellt, ist für die Sicherheit der Fahrgäste gesorgt. Komfort bietet zusätzlich die Niederflurtechnik, die ein leichtes ein- und aussteigen für Mütter und Väter mit Kinderwägen, Rollstuhlfahrer und ältere Menschen bietet. Dass der Buszug vor allem bei den Schülern für Begeisterung sorgen wird, ist Oberbürgermeister Stefan Bosse der Überzeugung. „Ich vermute, dass die Schüler alle hinten sitzen wollen“ und ergänzte scherzend, dass „bei uns die Busse nicht wie in London nach oben wachsen, sondern immer länger werden“. Dass noch „der ein oder andere Buszug folgt“, wünscht sich Geschäftsführer Elies und versprach für die Zukunft: „Wir werden uns weiterentwickeln vom Busunternehmen zum Mobilitätsdienstleister.“ Schon bald soll die Zugmachine, die von der Firma Solaris Bus hergestellt wurde, und der Personenanhänger (HESS) auf der Strecke zwischen Kaufbeuren und Mindelheim vor allem in den Morgenstunden und zur Mittagszeit eingesetzt werden. Und dann auch mit Gottes Segen – Dank der beiden Geistlichen Werner Appelt und Thomas Kretschmar, die den Buszug segneten.

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