Der Freistaat legt den Rahmen fest

Alternative Campus-Flächen: Von vermeintlich viel bleibt wenig übrig

Hier könnte ein zum Park geöffneter Campus der Finanzhochschule Kaufbeuren entstehen.
+
Hier könnte ein zum Park geöffneter Campus der Finanzhochschule entstehen.

Kaufbeuren – In der Diskussion um den Standort für einen Campus der Finanzhochschule des Freistaates ist die Stadt nach ihrem Besuch bei Bayerns Finanzminister Alfred Füracker (CSU) mit einer Informationsoffensive an die Öffentlichkeit gegangen. In einem Pressegespräch erläuterte OB Stefan Bosse nun die möglichen Flächen. Am Ende wurde dabei deutlich: Der Freistaat als Erwerber und Bauherr einer Fläche diktiert zwar nicht den Ort, aber die Rahmenbedingungen für eine solche Anlage. „Da bleibt nicht viel übrig und es gibt kein großes Zeitfenster für eine Entscheidung“, so der OB. Zudem stehe Kaufbeuren im Wettbewerb mit anderen Städten.

Wie der OB darstellte, hat auf Initiative von Stadtrat und MdL Bernhard Pohl (FW) am vergangenen Dienstag ein Gespräch beim Finanzminister in München stattgefunden. Am Mittwoch stellte Bosse zusammen mit den Fraktionsvorsitzenden der Mehrheitsparteien, Zweitem Bürgermeister Oliver Schill (BN90/Grüne) und Christian Sobl (CSU), alle im Fokus stehenden Areale vor. Dabei ging er im Einzelnen auf die Argumente für oder gegen eine Fläche ein: „Dem Minister ist egal wo, aber er will das Projekt so rasch wie möglich an einem geeigneten Standort umsetzen.“ Hintergrund ist, dass der Freistaat kurz nach seiner Entscheidung für den festen Verbleib von 200 Studenten in Kaufbeuren den Wunsch auf eine Erhöhung mit einem zentralen Campus kundtat. Laut Stadtspitze „lecken sich zig Standorte die Finger nach so einem Angebot“. Bisher sind die Studenten mit dem Lehrsaalgebäude am Kaiserweiher sowie an verschiedenen Wohnorten in der Stadt und in Neugablonz untergebracht. Klar sei auch, dass der Freistaat noch dieses Jahr ein Grundstück erwerben wolle, ein Wechsel sei dann nicht mehr möglich.

Kaum Alternativen

Die möglichen Alternativ-Standorte eignen sich nicht und sind disloziert oder zu teuer.

„Wir bekommen viele Briefe und Hinweise“, sagte der OB, „aber es müssen auch immer die Bedürfnisse des Freistaates mit den fiskalischen Interessen der Eigentümer möglicher Flächen zusammenpassen“ (siehe Infokasten). Bosse machte keinen Hehl daraus, dass die von allen Seiten hoch favorisierte Fläche in Form der Moserwiese in unmittelbarer Nähe zum Finanzamt mangels jahrelangem Erbfolgestreit bedauerlicherweise nicht zur Verfügung steht. Doch die Stadt wolle, solange es geht, weiter aktiv alle möglichen Varianten prüfen. Das Areal an der Füssener Straße (rund 20.000 Quadratmeter) mit bisher zwei Rohbauten gehört nach einem Eigentümerwechsel ebenso dazu wie das Gelände am Afraberg (rund 28.000 Quadratmeter). Allerdings habe er wenig Hoffnung, da im ersten Fall der hohe Preis und im zweiten Fall zusätzlich Baugrund, Immissionen und die gedachte Wohnbebauung keinen Erfolg versprächen. Und damit bliebe letztendlich das Gelände des Parkstadions mit rund 19.000 Quadratmeter übrig.

Ersatz für Parkstadion

Bei einem in der nächsten Woche einberufenen „Runden Tisch“ sollen mit den Vertretern der Vereine deren Bedenken bei Verlust des Parkstadions gehört werden. Der Stadtrat habe, so Schill und Sobl, bereits ein Sportentwicklungskonzept in Auftrag gegeben, das einen Überblick für alle Bedarfsträger liefere und nächstes Jahr vorliege. Damit könnten Entscheidungen auf Basis echter Fakten für ganz Kaufbeuren getroffen werden – „strategisch und nicht operativ jeder für sich“! Dafür bestehe aber keinerlei Zeitdruck, denn ein möglicher Baubeginn für einen Campus sei frühestens in drei bis vier Jahren zu erwarten. „Letztendlich müssen wir uns entscheiden, was wir wollen“, stellte Schill klar. „Haben wir ein politisches Interesse an der dauerhaften Hochschule oder nicht?“ In einem Wettbewerb mit anderen Städten sei die Stadt mit dislozierten Mietobjekten für den Freistaat eher unattraktiv und damit nicht gesichert. Sobl ergänzte, dass der lange Kampf um die Hochschule nicht fahrlässig aufs Spiel gesetzt werden solle. Im Übrigen sei durch eine geschickte Bebauung mit einer Öffnung des Campus zum Park auch ein Mehrwert für die Bürger möglich.

Auf Nachfrage des Kreisbote kam eine klare Unterstützung seitens Pohl: „Ja, ich sehe in den Plänen eine wesentliche Stärkung für die weitere Entwicklung unserer Stadt. Zumal ja bereits das Behördenzentrum mit dem Landesamt für Finanzen gegenüber dem Bahnhof entsteht.“ Wichtig auch, die Stadt habe keine finanziellen Vorteile durch den Verkauf: Eigentümer des Parkstadions ist zu etwa 80 Prozent die „Heinzelmannsche Aussteuer-Stiftung“, die von der Stadt verwaltet wird. Die Erlöse bei einem Verkauf fließen damit wieder der Stiftung zu.

Wolfgang Becker

Standortbewertung

  • Anforderungen
  • für etwa 300 Studenten
  • etwa 15 bis 20.000 m²
  • Lehrgebäude, Unterkünfte, Parkplätze, Mensa, Turnhalle und Verwaltung
  • Kosten etwa 100 Millionen Euro (nur Freistaat Bayern)
  • Bewertung möglicher Campus-Standorte
  • Kaiserweiher: 27.000 m², sensible Lage, Naturschutz lässt Bebauung nicht zu
  • Moserwiese: 84.000 m², ungeklärte Eigentümerrechte
  • Fliegerhorst: 2,1 Millionen m², Bundeswehr: keine zivile Nutzung
  • Füssener Straße: 20.000 m², genehmigter Wohnbau, hoher Preis
  • Blasius Blick: 9.100 m², zu kleine Fläche
  • Afraberg: fast 28.000 m², Wohnbau angedacht, Immissionen, hoher Preis
  • Polizei und Landwirtschaftsschule: 4.500 m², zu klein, dislozierte Flächen
  • Kunstanstalten: 7.300 m², zu klein, kein Verkauf
  • Altes Eisstadion/Gasthaus Bad: 11.200 m², zu klein, Denkmalschutz, Staat hat abgelehnt

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Feiernde und Auto-Poser auf Parkplatz eines Restaurants
Feiernde und Auto-Poser auf Parkplatz eines Restaurants
Die Natur ist ihr Revier – Vier Naturschutzwächter in Kaufbeuren
Die Natur ist ihr Revier – Vier Naturschutzwächter in Kaufbeuren
Bauausschuss für Norma-Erweiterung in der Bahnhofstraße
Bauausschuss für Norma-Erweiterung in der Bahnhofstraße
Kaufbeurer Bauausschuss lehnt Antrag eines Investors ab
Kaufbeurer Bauausschuss lehnt Antrag eines Investors ab

Kommentare