Psychische Folgen für Kinder langfristig nicht absehbar

Erzieher missbraucht drei Kinder sexuell: 59-jähriger Ostallgäuer zu Bewährungsstrafe verurteilt

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Ein 59-jähriger Ostallgäuer hat vor dem Kaufbeurer Amtsgericht den sexuellen Missbrauch an drei Kindern gestanden.

Kaufbeuren/Ostallgäu – Wegen sexuellen Missbrauchs an drei Kindern musste sich ein 59-jähriger Erzieher aus dem Ostallgäu vor dem Kaufbeurer Amtsgericht verantworten. Er hatte die Kinder im Alter von acht, neun und zwölf Jahren bei sich Zuhause stundenweise im Rahmen einer Hausaufgabenbetreuung beaufsichtigt. Vom Gericht wurde der Mann zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt und muss jeweils 1.000 Euro an die Geschädigten zahlen.

Die Vorfälle ereigneten sich im Zeitraum vom September 2018 bis Februar 2019.

In einem Fall führte er bei der Nachmittagsbetreuung in Absprache mit der Mutter aufgrund einer Verstauchung am Nacken des achtjährigen Mädchens eine „bioenergetische Behandlung“ durch, wozu sich das Mädchen bis auf die Unterwäsche entkleidet auf den Bauch legen sollte. Nach einer Rückenmassage fasste der 59-jährige das Kind dann im Intimbereich an. Schon in der Woche zuvor war es zu solch einem Vorfall gekommen. Erst als das Mädchen den Erzieher bat, damit aufzuhören, ließ er von dem Kind ab.

Auch ihre zwölfjährige Schwester, die sich bei dem Mann zur Linderung ihrer Asthma-Beschwerden einmalig in Behandlung begab, berührte er im Intimbereich.

Zu einem weiteren Missbrauchsfall kam es bei einem neunjährigen Jungen, den er wegen einer Phimose (Vorhautverengung) behandeln wollte und mit dessen Geschlechtsteil er herumspielte.

Als die Eltern durch ihre Kinder von den Vorfällen erfuhren, wandten sie sich an die Polizei. Im Laufe der Ermittlungen kam heraus, dass es schon bei dem vorherigen Arbeitgeber des 59-jährigen zu einer Beschwerde gekommen war, weil er sich im Rahmen einer Urlaubsreise nackt vor Jugendlichen gezeigt hatte.

„Nie wieder darüber reden“

Die Mutter der missbrauchten Mädchen gab vor Gericht an, dass ihre heute neunjährige Tochter durch das, was ihr widerfahren sei, „an Selbstwertgefühl viel eingebüßt“, sich zurückgezogen habe, und nach eigener Aussage über das Geschehene „nie wieder reden“ wollen würde.

Auch die Mutter des Jungen hatte nach dem Vorfall Veränderungen an ihrem Sohn bemerkt; seine schulischen Leistungen hätten seither deutlich nachgelassen, er sei demotiviert und unruhig.

Der Angeklagte, selbst Vater von vier Kindern, legte zwar schließlich ein Geständnis ab, aus Sicht der Nebenklagevertreter habe dieser seine Taten aber nur „formell eingeräumt; die nötige Reue ist hier zu suchen“. Sie machten nochmals deutlich, dass die Missbräuche nicht spurlos an den Kindern vorübergegangen, und die psychischen Folgen langfristig nicht absehbar seien.

„Eine Katastrophe“

Der Staatsanwalt warf dem Erzieher vor, das Vertrauensverhältnis zu den Eltern ausgenutzt zu haben, um die Taten zu begehen. Mildernd wirkte sich letztlich auf das Strafmaß laut der Urteilsbegründung des Richters aus, dass den Kindern durch das Geständnis des Angeklagten die Aussage vor Gericht erspart geblieben sei. Hinzu kämen eine „positive Sozialprognose“ und dass der Mann keinen Kontakt mehr zu Kindern habe. Er arbeite momentan als Stallbursche sowie auf dem Wochenmarkt. In seinen Schlussworten richtete er zuletzt eine Entschuldigung an die Eltern: „Es tut mir unendlich leid, das ist mit Worten nicht wiedergutzumachen. Es ist eine Katastrophe.“

von Mahi Kola

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