OB Stefan Bosse über sein Amt, schwere Zeiten und schöne Erlebnisse

"Begeisterung ist noch da"

+
Seit zehn Jahren Oberbürgermeister, und es macht immernoch Spaß: Stefan Bosse (CSU).

Kaufbeuren – Worte wie Osttangente, Familienziel oder Klinikverbund gehören zu seinem festen Wortschatz: Stefan Bosse (49) steht seit zehn Jahren als Oberbürgermeister für die CSU an der Spitze der Kaufbeurer Stadtverwaltung.

Angetreten ist er 2004 vor allem mit dem „festen Vorsatz, die Finanzsituation der Stadt zu verändern“ – ein Vorhaben, das laut Bosse noch nicht umgesetzt ist. „Man lernt, dass trotz aller Offenheit und Bemühungen Rahmenbedingungen oft nicht ohne weiteres zu verändern sind“, ist ein Resümee, das er aus der bisherigen Amtszeit zieht. 

Das heiße aber nicht, dass seine Begeisterung für das Amt nachgelassen habe, betont Stefan Bosse. Er möchte – vorausgesetzt des entsprechenden Rückhalts – auch bei der nächsten OB-Wahl wieder kandidieren. „Ich bin nach wie vor glücklich, dass es diesen Weg für mich gegeben hat“, erklärt Bosse im Gespräch mit dem Kreisboten. Eigentlich hat der 49-jährige seine Karriere bei der Polizei begonnen, war seit dem Jahr 2000 der jüngste Kriminaldirektor Bayerns. 2004 gewann er die Wahl zum Kaufbeurer Oberbürgermeister für die CSU mit einer absoluten Mehrheit gegen seinen Vorgänger Andreas Knie (FW), wurde 2008 mit überwältigenden 85 Prozent wiedergewählt, bevor er 2014 gegen Catrin Riedl (SPD) und Johannes Espermüller (FDP) „nur“ noch 57 Prozent holte. 

Sinkt der Rückhalt in der Bevölkerung? „Nein“, ist sich Bosse sicher, denn „jede dieser Wahlen hat ihre eigene Geschichte. 2008 brummte die Wirtschaft, es war die Zeit kurz vor der Finanzkrise“, erinnert er sich. Mit Markus Grill (SPD) aus Schwabmünchen hatte er zudem einen in der Stadt kaum bekannten Gegenkandidaten. 

2014 standen dagegen kontroverse Themen wie das „Forettle“ im Bewusstsein der Bürger, Riedl und Espermüller etablierte stadtpolitische Akteure. Bei der nächsten Wahl will Bosse wieder antreten: „Wenn die CSU und die Bürger es unterstützen. Solange die Menschen es mehrheitlich gut finden, was ich mache, bleibe ich OB“. 

Im Gegensatz zu einem Einsatz als Polizeikommissar seien die meisten Themen eben „nicht kurz- und mittelfristig, sondern langfristig angelegt“. „Das ist das Bohren extra dicker Bretter“, so drückt es Bosse salopp aus. Neben den politischen Erfolgserlebnissen wie der Tatsache, dass „die Stadt Kaufbeuren endlich mehr in den Fokus der Staatsregierung rückt“, dem erfolgreichen Abschluss des Dauerbrenners „Reifträgerweg“, die HAWE-Ansiedlung und das „Familienziel Kaufbeuren“ standen in den vergangenen zehn Jahren auch bedrückende Zeiten. 

Vor allem an die Klinikendebatte zwischen Stadt und Landkreis denkt Bosse mit Beklommenheit zurück. „Das habe ich dann tatsächlich auch ins Privatleben mitgenommen“, erinnert er sich. Über die Wahlniederlage des damaligen Landrats Johann Fleschhut (FW) sei er trotz der Querelen „überrascht“ gewesen, freut sich aber heute über die „gute Zusammenarbeit“ mit dessen Nachfolgerin Maria Rita Zinnecker (CSU). 

"Transparenz ist wichtig

„Das Thema Klinikverbund wird weiter eine Herausforderung bleiben“, ist er sich sicher. Gefehlt habe damals unter anderem die nötige Transparenz, ein Punkt, der Bosse im Alltag als OB immer wieder beschäftigt. Unter anderem deshalb bekommt die Stadt nun eine Pressesprecherin. „Es ist wichtig, dass ein Oberbürgermeister offen, kreativ und lösungsorientiert handelt. Trotzdem gibt es vieles, was darüberhinaus erklärungsbedürftig ist, damit die Bürger sich ihre Meinung auf Basis möglichst umfassender Fakten machen können“. Da sei in der Vergangenheit „vielleicht zu wenig gemacht“ worden. 

Klar ist Bosse aber auch, dass es, trotz des allgemeinen Willens, die Dinge zum Wohle der Stadt zu lösen, auch „grundsätzlich andere Meinungen gibt, wo der Weg der Stadt hinführen soll“. Beispiele sind die Verkehrssituation der Stadt oder ganz aktuell die Diskussion um den Neubau des Eisstadions. 

Seine Rolle im Stadtrat mit 40 Mitgliedern empfindet er aber sowieso „eher als Moderator“. Die Diskussionskultur im Gremium – nach Verlust der absoluten Mehrheit der CSU und einigen neuen Stadtratsmitgliedern – empfindet der Rathauschef „nach einer sehr hektischen Anfangsphase“ wieder als positiv: „Man hat gelernt, miteinander klar zu kommen“, so Bosse diplomatisch. Jede Veränderung rufe eben Diskussionen und Widerstand hervor. 

Besonders gern arbeitet er mit den Parteikollegen Gerhard Bucher (2. Bürgermeister) und Ernst Schönhaar sowie KI-Sprecher Ernst Holy (3. Bürgermeister) zusammen. „Negativbeispiele kann ich hier nicht nennen, mir fällt niemand ein, der meine Arbeit behindert“, so Bosse. 

So manche „einmaligen“ Anekdoten wie die Benennung einer Kirche nach der Heiligen Crescentia im brasilianischen Guaratingueta 2007, bei der neben Bosse und rund 7000 weiteren Menschen auch der damalige Papst Benedikt XVI anwesend war, der „Taufe“ im Neptunbrunnen im ersten OB-Jahr oder einen Fallschirmsprung mit Dieter Dankesreiter vor einigen Jahren hat der OB aus den vergangenen zehn Jahren Amtszeit zu erzählen. 

Persönlich legt der OB aber nach eigener Aussage gar nicht so viel wert auf das Jubiläumsdatum: „Es gibt keine offizielle Feier, ich begehe das privat im kleinen Kreis“. Ein Projekt kündigt er im Zusammenhang aber an: Eine „Galerie der ehemaligen Bürgermeister“ mit Portraits der Amtsvorgänger im Rathaus. Das eigene Portrait wolle er da aber noch nicht so schnell hängen sehen. 

Neben den politischen Projekten und „offiziellen Terminen“ sei ihm der direkte Kontakt mit den Bürgern eines der wichtigsten Anliegen, so Bosse. Wer das direkte Gespräch mit dem OB sucht, ist zu einer der regelmäßig stattfindenden Bürgersprechstunden eingeladen. von Michaela Frisch

Auch interessant

Meistgelesen

Festzug mit Hindernissen
Festzug mit Hindernissen
Drei Tote bei Autounfall bei Kaltental
Drei Tote bei Autounfall bei Kaltental
Stadt in festlichem Gewand
Stadt in festlichem Gewand
Blasmusik mit Hauch von Beachparty
Blasmusik mit Hauch von Beachparty

Kommentare