Ehrung für "Vater des Tänzelfestes"

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Aufbau von Tänzelfesttribünen vor dem – mit dem Werz-Wappen geschmückten – Werz-Haus in der Kaiser-Max-Straße 2.

Kaufbeuren – Wenn man vom „Vater des Tänzelfestes“ spricht, kann eigentlich bloß einer gemeint sein: Walter Werz, der 1996 verstorbene, langjährige Vorsitzende des Tänzelfestvereins. 100 Jahre wäre er heuer am 12. September geworden. Aus diesem Anlass soll gemeinsam von der Familie, der Stadt Kaufbeuren und dem Tänzelfestverein an seinem Geburtstag um 18 Uhr eine Gedenktafel am ehemaligen Werz-Haus in der Kaiser-Max-Str. 2 enthüllt werden.

Die Familie Werz ist sozusagen „alter Kaufbeurer Adel“, verschwägert mit anderen alteingesessenen Kaufbeurer Familien wie Espermüller oder Stöhr. Der Stammbaum lässt sich bis ins Jahr 1602 zurückverfolgen, wo ein – damals noch mit „tz“ geschriebener – David Wertz aufgeführt ist. Wohl nicht zuletzt aufgrund dieser tiefen Verwurzelung hat der überzeugte Pädagoge Walter Werz in seinen rund 40 Berufsjahren als Grund- und Hauptschullehrer, zuletzt als Rektor der Ludwig-Reinhard-Schule, unzähligen Kaufbeurer Kindern außer Lesen und Schreiben vor allem Kaufbeurer Heimatgeschichte beigebracht. In den 50er Jahren hat er sich für die Familie aufgearbeitet und zusätzlich auch noch Unterricht in der Berufsschule gegeben. Zeit für seine Frau und die drei Kinder hatte er jedoch wenig. „Aufgrund seiner vielfältigen Verpflichtungen, unter anderem auch als Stadtrat von Kaufbeuren, musste die Familie öfters einmal hintan stehen“, erinnert sich Sohn Siegfried.

Am bekanntesten ist Walter Werz wahrscheinlich durch seine Tätigkeit als Vorsitzender des Tänzelfestvereins geworden, dem er, wie schon sein Onkel Rudolf Werz vor ihm, zukunftsweisende Impulse gab. 30 Jahre lang, von 1952 bis 1982, führte Walter Werz den Verein. In dieser Zeit wuchs der Kostümfundus von etwa 700 auf rund 1700 Stücke an, es entstand eine Reihe neuer Gruppen wie die Armbrustschützen, die Salzburger Exulanten, die Bauerngruppen, die Bäcker und Metzger, der Rennaissance-Jagdzug oder die Wochenmarktgruppe. Anstelle des Kinderkönigs Konradin wurde Kaiser Maximilian mit einer weiteren neuen Gruppe in den Mittelpunkt der Einzugsszene gerückt. Kutschen für Kaiserin Maria Bianca und Anna vom Hof, der Maurer- und Brauerwagen, der Bauernwagen, die Hochzeitskutsche und viele andere wurden beschafft. Als Ersatz für das 1937 dem Flugplatz geopferte Tänzelhölzle entstand das Tänzelfestrondell in der Wertachschleife. 

Das von Walter Werz geprägte Tänzelfest-Motto „Kinder spielen die Geschichte ihrer Stadt“ – unter diesem Titel hat er auch ein Buch veröffentlicht – gilt bis heute. Und dank ihm wird bis heute kein Kaufbeurer Kind, ganz gleich welcher Herkunft, ob Neugablonzer Flüchtlingskind damals oder Migrantenkind heute, vom Mitmachen ausgegrenzt. Auch Aktionen rund um den Festzug wie der „Kaufbeurer Zapfenstreich“, das Adlerschießen, die flotten Uniformen der Tänzelfest-Knabenkapelle sowie die neue Choreographie der Tänze im Anschluss an den Festzug gehen auf die Initiative und Kreativität von Walter Werz zurück.

Die Verdienste der „Tänzelfest­legende“ Walter Werz blieben nicht unbeachtet: 1971 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen, 1982 erhielt er den Jörg-Lederer-Kulturpreis für Brauchtumspflege der Stadt Kaufbeuren. Die Gedenktafel an seinem Geburtshaus kommt nun als posthume Ehrung noch hinzu.

von Ingrid Zasche

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