SPD-Antrag auf städtischen Zuschuss zur Armenspeisung löst Trubel aus

Aus dem großen Topf

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Rund 30 Menschen besuchen täglich die Armenspeisung des Klosters.

Kaufbeuren – Das Engagement, das die Schwestern des Crescentia-Klosters leisten, ist meist ein stilles. Viel Aufmerksamkeit erhalten hat in den vergangenen Tagen allerdings das Angebot der Armenspeisung.

Weil der Stadtrat im jüngsten Finanzausschuss einen Antrag der SPD auf einen jährlichen Zuschuss abgelehnt hat, wurde in der Öffentlichkeit reichlich diskutiert. Für Generaloberin Schwester Regina Winter hat diese Medaille zwei Seiten: Einerseits freut sie sich, dass viele Bürger Interesse und Wertschätzung bekunden und die Armenspeisung nun mit Spenden unterstützen. Auf der anderen Seite gab es aber so manches Missverständnis, das nun im Stadtrat am Dienstag (nach Redaktionsschluss) ausgeräumt wurde. 

Um eine regelmäßige Unterstützung der Armenspeisung durch die Stadt Kaufbeuren zu erreichen, hatte Catrin Riedl stellvertretend für die SPD-Fraktion im Finanzausschuss einen Antrag auf jährliche Unterstützung mit 1.500 Euro gestellt. „Wir waren vor einiger Zeit vor Ort und haben uns davon überzeugt, dass dieses wichtige Angebot von Seiten der Stadt mehr unterstützt werden sollte“, so Fraktionssprecherin Riedl. 

Doch die Stadträte lehnten mehrheitlich ab, nachdem Stadtkämmerer Markus Pferner in der Sitzung erklärt hatte, ein formeller, regelmäßiger Zuschuss nach den Richtlinien der Stadt sei „vom Kloster nicht gewünscht“ und nicht nötig. Bereits gewährt worden sei eine einmalige Zahlung von 500 Euro für neues Geschirr. Sollte das Kloster jedoch einen regelmäßigen Zuschuss von der Stadt erhalten, müssten im Gegenzug Nachweise geführt werden, zum Beispiel darüber ob die rund 30 Menschen, die derzeit mittags zu Essen kommen, tatsächlich „Bedürftige“ sind. Auch müssen Zuschuss-Empfänger genaue Nachweise über die finanziellen Verhältnisse führen. 

Ein Regularium, das sich aber mit dem Engagement des Klosters nicht vereinbaren lässt. Rund 30 Menschen täglich besuchen die Armenspeisung des Klosters – für eine warme Mahlzeit, aber auch um ein Gespräch zu führen. „Essen ist nicht alles, Trost oder ein Gebet sind genau so wichtig. Wir sind keine amtliche Einrichtung, sondern wollen für jeden, der bedürftig an unsere Pforte kommt, individuell da sein“, wie Schwester Regina Winter erzählt. Und: „Wir sind kein Amt, fragen nicht danach ob jemand Hartz IV bekommt oder aus anderen Gründen zu uns kommt“. 

Die Lebensmittel für das Mahl kommen aus den Eigenmitteln des Klosters, aber auch aus Spenden von Discountern oder der Tafel. „Wir schauen jeden Tag, wie wir ein gutes Mittagessen gestalten, mal erhalten wir Spenden, mal gibt der Klostergarten etwas her. Das kommt bei uns alles aus einem Topf“, erklärt Schwester Regina gegenüber dem Kreisbote. Über jeden Besucher, jedes Lebensmittel bei der Stadt Rechenschaft abzugeben – das würde der Gesamtidee der Armenspeisung widersprechen. 

Die Zuschuss-Richtlinien der Stadt kann das Kloster damit nicht erfüllen, erreicht haben die Klosterschwestern aber viele Herzen. „Ich bin berührt darüber, wie viele Menschen sich spontan bereit erklärt haben, für unsere Armenspeisung zu spenden“, ist Schwester Regina zutiefst bewegt von den vielen positiven Reaktionen. 

Auch OB Stefan Bosse freut sich, dass die Armenspeisung so großen Zuspruch aus der Bürgerschaft erhält. Dem Vorwurf der SPD, „die CSU und ihr Steigbügelhalter KI gebärden sich weiterhin als alleinherrschende Macht und bügeln selbst kleinste humanitäre Anträge rigoros ab“, tritt er entgegen: „Natürlich ist das Kloster auf Spenden und Schenkungen angewiesen. Diese können aber aus genannten Gründen nicht aus den Haushaltsmitteln der Stadt kommen“. Er will sich zusammen mit Schwester Regina im Stadtrat äußern. von Michaela Frisch

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