Angeklagter bestreitet jegliche Schuld

Wegen sexuellen Missbrauchs an einer Minderjährigen musste sich vergangene Woche ein heute 37-jähriger Murnauer vor dem Kaufbeurer Amtsgericht verantworten. Der selbtändige Programmierer, selbst Vater zweier Kinder, wurde von seiner eigenen Schwester beschuldigt, sie im Jahre 1993 im elterlichen Haus in Oberthingau unter anderem zum Oralsex gezwungen zu haben. Das Mädchen war zu diesem Zeitpunkt zehn Jahre alt.

Der Angeklagte bestritt bei seiner ausführlichen Aussage vehement sämtliche Vorwürfe. Ihm sei es nicht erklärbar, warum seine Schwester ihn einer solchen Tat bezichtige, betonte er. Zwischen den Geschwistern habe stets ein gutes Verhältnis geherrscht. Sogar beruflich habe man eine Zeitlang eng zusammen gearbeitet, bis er dann Ende 2008 das erste Mal mit den Vorwürfen seiner Schwester konfrontiert worden sei. Diese hatte unter anderem E-Mails an seine Ehefrau geschrieben, in denen sie den Bruder des sexuellen Missbrauchs beschuldigte. Auf die Frage der Gegenanwältin, warum seine Schwester sich solch eine Geschichte „ausdenken” solle, erklärte der Angeklagte, der Tod des Vaters, welcher kurz vor den Vorwürfen an Krebs gestorben war, habe seine Schwester psychisch stark belastet. Er könne es sich nicht anders erklären, als dass der seelische Schmerz „zu einem Trauma” und schließlich „zu diesem Wahn” geführt habe. Sie habe plötzlich damit begonnen, sich negativ über die gemeinsame Kindheit und die Erziehung durch die Eltern zu äußern. Von Missbrauch sei jedoch bis Ende 2008 nie die Rede gewesen. Dieser Darstellung widersprach die Anwältin des mutmaßlichen Opfers. Der Angeklagte habe laut ihrer Mandantin in einem Gespräch unter vier Augen die Tat sogar eingeräumt. Dieser Punkt konnte vor Gericht jedoch nicht abschließend geklärt werden. Die Betroffene wurde selbst nicht in den Saal gerufen. Sie wurde während der gesamten Verhandlung von ihrer Anwältin vertreten. Andere Zeugen waren nicht zugegen, die Frau des Angeklagten saß mit im Saal, um ihren Mann zu unterstützen. Aufgrund der Tatsache, dass dieser zum Zeitpunkt der Tat 20 Jahre alt war, wurde in diesem Fall das Jugendstrafrecht als Grundlage zur Urteilsfindung herangezogen. Weil der eigentliche mutmaßliche Vorfall bereits 17 Jahre zurückliegt, konnte laut Gericht zudem nicht ausgeschlossen werden, dass zu diesem Zeitpunkt eine Reifeverzögerung bei dem Beschuldigten vorgelegen habe, was sich strafmildernd auswirkte. Eine sogenannte „fortbestehende schädliche Neigung”, die erwarten lasse, dass er zukünftig ähnliche Taten begehe, war nach Ansicht des Richters nicht erkennbar, da der Angeklagte seit vielen Jahren verheiratet ist und selbst zwei Kinder hat. Außerdem bestanden keinerlei Vorstrafen. Daher machte Richter Sebastian Pottkamp den Vorschlag, das Verfahren gegen eine Geldbuße von 500 Euro einzustellen, um dem mutmaßlichen Opfer und der Justiz weitere Vernehmungen und Nachforschungen zu ersparen. Der Angeklagte stimmte zu, machte aber zur Bedingung, dass „die Zahlung der Strafe in keiner Weise mit einem Schuldeingeständnis in Verbindung steht”. Die Summe ist bis Jahresende an eine gemeinnützige Einrichtung zu zahlen. fr

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