Würdigung eines Lebenswerks

Angelika Lausser erhält Bundesverdienstkreuz

Überreichung des Bundesverdienstkreuzes an Angelika Lausser (rechts) durch die Bayerische Ministerin für Familie und Soziales, Carolina Trautner.
+
Überreichung des Bundesverdienstkreuzes am Bande an Angelika Lausser (rechts) durch die Bayerische Ministerin für Familie und Soziales, Carolina Trautner.

Kaufbeuren/München – Sie hat es noch nicht so richtig verinnerlicht am Tag nach der Überreichung in München, dass sie das Bundesverdienstkreuz am Bande erhalten hat, weil es ihr eigentlich auch nicht so wichtig ist und sie nie „einen großen Rummel“ darum machen wollte. „Aber natürlich freue ich mich schon über die Anerkennung, die ich halt auch stellvertretend für alle die bekommen habe, die mich in den ganzen Jahren unterstützt haben“, sagt Angelika Lausser aus Kaufbeuren.

Die Verleihung in München am Donnerstag, 17. Juni 2021, sei trotz der Corona-Einschränkungen, wegen der nur 15 Gäste erlaubt waren, sehr schön gewesen. Die Ministerin Carolina Trautner habe eben, damit die Geehrten Familie und Freunde mitbringen konnten, im Halbstundentakt jedem und jeder das Verdienstkreuz einzeln überreicht und die Verdienste in einer Laudatio gewürdigt. Besonders angetan war Lausser von der durch OB Stefan Bosse gezeigten Wertschätzung, der extra für die halbe Stunde nach München gefahren sei.

Durch das Verdienstkreuz gewürdigt werden der „jahrelange ehrenamtliche Einsatz in vorbildlicher Weise für Integration, Gleichstellung, Demokratie, soziale Projekte und Familien“, heißt es in der Presseerklärung des Ministeriums. Mit ihrem Engagement ist Angelika Lausser quasi „erblich belastet“: Schon ihr Vater hat 1986 das Bundesverdienstkreuz für sein soziales Wirken in der evangelischen Kirche erhalten. Als gebürtiger Niederländer musste er damals sogar beim holländischen Königshof anfragen, ob er die deutsche Auszeichnung überhaupt annehmen darf.

„Mutter des Kaufbeurer Generationenhauses“

Angelika Lausser, Jahrgang 1949, das fünfte von sieben Kindern, hat zwar nicht Sozialpädagogik studiert – sie ist als medizinisch-technische Assistentin ausgebildet und hat vier Kinder großgezogen – aber sie sieht, wo Hilfe erforderlich ist, sie hat jede Menge Ideen und setzt das Notwendige tatkräftig und beharrlich um. Dabei helfen ihr die Erfahrung aus über 45 Jahren Tätigkeit im Kolpingwerk, unter anderem im Diözesanvorstand, sowie weitläufige Vernetzungen nicht nur aus ihrer Zeit als Stadträtin für die Kaufbeurer Initiative. Eine Einladung als frisch gebackene Stadträtin ins Kaufbeurer Frauenhaus war die Initialzündung für die Idee eines Mütter- und Familienzentrums in Kaufbeuren. Bald war jedoch klar, dass sie und ihre Mitstreiter nicht nur für Mütter und Kinder da sein wollten, sondern alle einbeziehen: Junge und Alte, Männer, Frauen und Kinder, egal welcher Herkunft. Den Verein „Generationenhaus Kauf­beuren“ hatte sie zwar 2005 mit gegründet, Vorsitzende wollte sie jedoch nicht werden. „Aber man hat mich überredet“, erinnert sie sich, „mein Mann und die Kinder haben mich sehr unterstützt, ebenso die Stadt, und jetzt nach 16 Jahren ist mir die Aufgabe doch ans Herz gewachsen.“ Der Verein ist von ursprünglich 37 Mitgliedern auf heute über 100 angewachsen. Sie alle machen das Generationenhaus zu einem Ort der Begegnung, wo man sich gerne mal bloß zu einem Schwätzchen bei günstigem Kaffee und Kuchen trifft oder einander auch hilft: Beim Handarbeiten, beim Ausfüllen von Anträgen, beim Lesen lernen, bei der Hausaufgabenbetreuung und beim Babysitten oder beim Umgang mit moderner digitaler Technik. Das Kaufbeurer Generationenhaus ist inzwischen eines von 530 Generationenhäusern in ganz Deutschland mit einem starken Verband im Rücken, und die Kompetenz von Angelika Lausser wird trotz des fehlenden Sozialpädagogikstudiums nirgends mehr angezweifelt. „Sie raten sogar bei allen möglichen Ämtern den Menschen, denen dort nicht weiter geholfen werden kann, ‚gehen Sie doch mal zur Frau Lausser‘.“

Generationenhaus mit neuer Anschrift

Erst im April dieses Jahres ist das Generationenhaus, das zunächst im Ringweg und in den letzten Jahren im Baumgarten beheimatet war, an den Hafenmarkt umgezogen. Die enge Nachbarschaft als „Anhängsel“ des Seniorentreffs habe aber bei etlichen Jüngeren falsche Vorstellungen geweckt („so alt bin ich doch noch nicht“). Jetzt sei das Generationenhaus nicht mehr ganz so versteckt und vor allem unabhängig. Und ringsum sei alles vorhanden, was sie ihrem ganz großen Traum von einem generationsübergreifenden Quartier näherbringe: Kindergarten, Kinderhort, Senioreneinrichtung, Heilpädagogische Tagesstätte, Volkshochschule, Katholische Jugendfürsorge und Stadtjugend­ring, zählt Angelika Lausser mit leuchtenden Augen auf.

Sozialministerin Carolina Trautner sagte bei der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes, „Engagierte Menschen lassen ihr Herz sprechen. Das macht sie zu den besten Vorbildern, die wir haben können. Das Bundesverdienstkreuz ist ein Symbol für dieses gelebte Engagement und motiviert auch andere Menschen, jeden Tag ihr Bestes zu geben“.

Ingrid Zasche

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Eine gebührende Bleibe für Udo
Kaufbeuren
Eine gebührende Bleibe für Udo
Eine gebührende Bleibe für Udo
Müllgebühren sollen steigen
Kaufbeuren
Müllgebühren sollen steigen
Müllgebühren sollen steigen
Industrie weiter stärken
Kaufbeuren
Industrie weiter stärken
Industrie weiter stärken
»Was lange währt…«
Kaufbeuren
»Was lange währt…«
»Was lange währt…«

Kommentare