Knappe Entscheidung: Stadtrat beschließt Kauf des "Wolkenhauses"

"Über Kunst lässt sich streiten"

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Der Stadtrat entschied sich für den Kauf des Siegerprojekts „Wolkenhaus” eines Kunstförderungswettbewerbs.

Kaufbeuren – Über Kunst lässt sich streiten – zumindest darüber diskutiert haben die Mitglieder des Stadtrats vergangenen Dienstag. Der Grund: Der zur Abstimmung gegebene Ankauf des seit Monaten umstrittenen Kunstwerkes „Wolkenhaus” am Salzmarkt.

Am Ende entschied der Stadtrat sich in einer denkbar knappen Abstimmung von 20:19 Stimmen für den Ankauf. Im Rahmen eines Wettbewerbs zur Förderung der Stadt von Kunst und Kultur im öffentlichen Raum war das „Wolkenhaus” entstanden und kostete rund 33000 Euro (wir berichteten). 

Oberbürgermeister Stefan Bosse versprach vor der Abstimmung, dass es auch ohne den Ankauf noch „einige Zeit” am jetzigen Platz bleiben würde, da es ursprünglich für ein Jahr an dem Platz bleiben sollte. 

Das Werk des gebürtigen Kaufbeurer Künstlers Ulrich Vogl, der mittlerweile in Berlin lebt, spaltete die Bürger in gleichem Maße wie die Stadträte. Seit der Enthüllung vor einem halben Jahr in der Fußgängerzone gehen die Meinungen darüber weit auseinander: Befürworter sehen das Glashaus mit dem Mobile aus Aluminiumwolken als große Kunst, andere schlichtweg als Gewächshaus mit Aluminium anstatt grüner Pflanzen. 

So erklärte Bürgermeister Ernst Holy (KI) diesbezüglich treffend: „Über Kunst lässt sich ja bekanntlich streiten.” Das umstrittene „Wolkenhaus” solle die Kunst von und in Kaufbeuren präsentieren und rege zu Diskussion an, deshalb stimmte er für den Ankauf. 

Walter Nocker (CSU) war gegen den Ankauf, und schlug vor, „das Geld besser ins Tierheim” zu investieren. Bürgermeister Gerhard Bucher (CSU), erinnerte die übrigen Stadträte daran, dass die Skulptur der „Erostischen Damen” am Hafenmarkt zunächst bei den Bürgern auch keinen großen Anklang gefunden hätte, jetzt aber eines der meistfotografierten Objekte der Stadt sei. Außerdem schlug er vor, dass man das Wolkenhaus nach Ablauf des Jahres am Kunsthaus aufstellen könnte. Auch der Künstler selbst sei auf Nachfrage einem neuen Standort gegenüber „nicht abgeneigt”, so Hans Häußer (KI). 

Johannes Böckler (CSU), der gegen die Empfehlung war, begründete seinen Standpunkt dadurch, dass der Standort „total schlecht”, das Werk „deplatziert” sei und die Arbeit laut einer Umfrage 57 Prozent der Bürger missfalle. 

Kathrin Zajicek (FDP) befürwortete den Kauf mit der Begründung, dass die Stadt Kunst und Kultur fördern solle und der Standort ihrer Meinung nach gut gewählt sei, da „das Wolkenhaus nachts wunderschön aussieht”. 

Oliver Schill (Grüne) fand es prinzipiell gut, solch ein Förderprogramm auf den Weg gebracht zu haben. Man solle aber den Passus des temporären Charakters mehr in den Fokus rücken, als den Ankauf. (Anm. d. Red. Das Kunstwerk kostet 33000 Euro, 10000 Euro stammen aus dem Förderprogramm und sollen angerechnet werden, weitere 23000 Euro müssen jetzt neu aufgebracht werden. Das Geld kommt aus dem städtischen Haushalt.) 

Bei der Abstimmung sprachen sich 19 der anwesenden Mitglieder des Stadtrates gegen, jedoch die übrigen 20 für den Ankauf aus, so dass der Empfehlung des Kulturausschusses äußerst knapp stattgegeben wurde, auch wenn Bosse als Befürworter des Kaufs augenzwinkernd bemerkte, dass es eine „klare Entscheidung” gewesen sei. 

Ob das Kunstwerk am bisherigen Standort am Salzmarkt bleibt oder doch verlegt wird, wird laut Baureferatsleiter Helge Carl auf Anfrage spätestens im kommenden Jahr im Zuge der Planungen für die anstehenden Arbeiten in der Fußgängerzone geklärt werden. von Martina Staudinger

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