Kurat Frank rückt ins Zwielicht

Kaufbeuren – Der Vortrag der Historikerin Dr. Martina Steber vergangene Woche im Stadtmuseum schlug ein wie eine Bombe.

Zwar ließ der Titel „Gustav von Kahr, Christian Frank und die Abgründe des Heimatschutzes“ schon so einiges erahnen, doch das, was die Besucher dann über ihren einstigen katholischen Priester und Heimatforscher Christian Frank erfuhren, sorgte bei vielen für betretende Gesichter. 

In ihrem Referat stellte Steber klar, dass Frank als „zweifelsfreier Nationalsozialist“ galt und als Vordenker der Euthanasie verstanden werden muss. OB Stefan Bosse zeigte sich nach dem Vortrag in einer ersten Reaktion „erschüttert“ und kündigte an, die Kurat-Frank-Straße umbenennen zu wollen. Die Historikerin des Institutes für Zeitgeschichte München-Berlin nahm die Besucher mit auf eine Reise durch Franks Lebensweg zwischen Kaiserreich und NS-Regime. Dabei skizzierte sie seinen Wandel vom „konservativen Heimatschützer zum völkischen Ideologen“. 

OB Stefan Bosse zeigte sich „erschüttert“ über die von Steber vorgetragenen Erkenntnisse. Er habe keinen Zweifel, dass Frank „überzeugter Vertreter des Euthanasie-Gedankens“ und damit Wegbereiter des Euthanasie-Programms der Nazis war. 

Die neue Faktenlage soll durch Stadtarchivar Dr. Stefan Fischer bewertet und dem Stadtrat in seiner Sitzung am Dienstag (nach Redaktionsschluss) vorgelegt werden. Dann sollen später die Fraktionen beraten, wie man mit der neuen Situation umgeht, so Bosse. Er könnte sich vorstellen, den Straßennamen Kurat-Frank-Straße in den Namen eines Euthanasie-Opfers zu ändern. Ein ausführlicher Bericht hierzu folgt in Kürze.

von Kai Lorenz

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