Anlegerwoche der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren

Wie Profis am Aktienmarkt Gewinne erwirtschaften

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Diskussion über Kurse und Dividenden: Der Vorstandsvorsitzender der Kreis- und Stadtparkasse Franz Endhardt (Mitte) mit den Anlageexperten Florian Bohnet (li.) und Dr. Jan Ehrhardt von DJE Kapital.

Kaufbeuren – Die Anlegerwoche der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren bot Anfang Februar zwei Vorträge, die einander gut ergänzten. Die erste Veranstaltung, eine Diskussion der Anlageexperten Joachim Llambi und Andreas Franik, vermittelte einen unterhaltsamen Überblick über Kapitalanlagen in Börsenprodukte (wir berichteten). Trotz Llambis dabei spürbarer tänzerischer Leichtigkeit gab es aber bereits dabei Untertöne, die darauf schließen ließen, dass das Ganze nicht gar so einfach zu handhaben ist. In der zweiten Veranstaltung am Donnerstag vergangener Woche war dann weitgehend Schluss mit lustig: Zwei beinharte Vermögensverwalter, Dr. Jan Ehrhardt und Florian Bohnet von der DJE Kapital AG, zeigten, wie und mit welch komplexen Überlegungen und Hilfsmitteln Profis an diese Aufgaben herangehen.

Zinsen auf Geldanlagen bei Banken oder Versicherungen, das hatten bereits Llambi und Franik klar gemacht, sind heutzutage kein Werkzeug mehr, um Kapital, etwa zur Altersvorsorge, aufzubauen. „Und das wird auf absehbare Zeit so bleiben“ meinten sie. „Alternativen sind Börsenprodukte wie Aktien oder Aktienfonds. Allerdings geht es darum, die richtige Auswahl zu treffen und das richtige Timing zu beachten.“

So weit, so gut. Aber bei Auswahl und Timing steckt der Teufel im Detail. Und zwar ein so großer Teufel, dass der Kampf mit ihm ganze Heerscharen qualifizierter Profis erfordert. Ein Geschäftsmodell beruht darauf, dass sich mit Aktien auf verschiedene Arten Gewinne erzielen lassen. „Die beiden grundlegenden Möglichkeiten bieten steigende Kurse und Dividendenausschüttungen. Letztere sind besonders attraktiv, da sie nicht in den negativen Bereich schwanken können. Weniger als keine Zinsen zu zahlen, also Negativzinsen zu berechnen, ist möglich. Dividenden hingegen können nicht tiefer als auf Null fallen“, so Ehrhardt.

Und heute? „Ist Dividende der neue Zins?“ lautete der Titel des Vortrages in der vergangenen Woche. Mit einigen Einschränkungen bejahten Dr. Jan Erhardt und sein Kollege Florian Bohnet diese Frage. Gilt es also lediglich, für ein Aktien-Portfolio Unternehmen auszuwählen, die hohe Dividenden ausschütten?

„So einfach ist das nun doch nicht“, erklärte Dr. Jan Ehrhardt. „Hier ist nicht nur die Höhe der Dividenden zu berücksichtigen, sondern etwa auch, wie stabil sie über die Jahre gezahlt werden, in welchem Verhältnis sie zum Aktienkurs stehen, ob sie in den vergangenen Jahren gestiegen oder gefallen sind, und wie die Gesamtsituation eines Unternehmens eingeschätzt wird.“ So könne es sein, dass ein Unternehmen hohe Dividenden zahlt, um den Kauf der Aktie attraktiver zu machen und deren Kurs zu stützen. Oder dass hohe Dividenden zu geringen Investitionen führen, was eventuell die Zukunftsfähigkeit der Firma untergrabe. „Hinzu kommt, dass diese Effekte in verschiedenen Branchen und Ländern sich unterschiedlich darstellen. So bieten etwa Telekommunikationsunternehmen traditionell hohe Dividenden, Banken hingegen geringere. In China liegen diese Relationen anders als in den USA, und beide Märkte unterscheiden sich vom europäischen“, so Ehrhardt.

Immerhin schütten, wie Erhardt informierte, die deutschen DAX-Unternehmen jährlich 40 Prozent ihrer Gewinne als Dividenden aus, das sind etwa 38 Milliarden Euro. Die Gewinnrendite der Aktien dieses Index liege bei 6,6 Prozent, die der Dividenden bei 3,7 Prozent. Aber Aktien seien volatil, könnten schnell an Wert verlieren. Als Beispiel für einen solch unerwarteten Verlust führte er den Rückgang des chinesischen Finanzmarktes nach Auftreten des Coronavirus an. In anderen Ländern hingegen gab es bisher keine Auswirkungen.

Die Finanzexperten sind deshalb in der Hauptsache damit beschäftigt, möglichst gewinnträchtige Aktien mit hohen Dividenden zu finden und auch in ihre Fonds aufzunehmen. Dazu gehören auch zahlreiche direkte Treffen mit Vertretern großer Unternehmen, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Die Erkenntnisse aus dieser Arbeit führen nicht zuletzt zu neuen Produkten. Hier werden auch Staats- und Unternehmensleihen aufgenommen, um ihn für Krisenzeiten stabiler aufzustellen.

Von Krisenzeiten jedoch, das bestätigen beide Kapitalmarktexperten, kann derzeit keine Rede sein. Ein leichter Abschwung ab etwa 2017 endete Mitte 2019. Derzeit weisen alle Indikatoren auf weitere Verbesserungen hin. Die Kapitalzinsen allerdings werden ebenso sicher niedrig gehalten werden. Am Aktienmarkt ist also auch für den Privatanleger definitiv noch nicht „Schluss mit lustig“ – wenn er professionell oder mit professioneller Unterstützung investiert.

von Ingo Busch

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