Mit anpacken statt pauken in Kaufbeuren

Freiwilliges Soziales Schuljahr verdient mehr Zuspruch

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Schülerin Sherzae Majda und Rektor Frank Hortig engagieren sich beide auf ihre Art für dieses vorbildliche Projekt.

Kaufbeuren – „Nicht für die Schule sondern für das Leben lernen wir“, heißt es. Zurecht gilt dies für das „Freiwillige Soziale Schuljahr“ (FSSJ), an dem sich die beiden Realschulen der Stadt, das Jakob-Brucker-Gymnasium sowie die Jörg-Lederer- und die Gustav-Leutelt-Schule beteiligen.

Zwischen 30 und 35 Jugendliche ab der 8. Klasse nehmen jedes Jahr teil. Das Generationenhaus ist bereits im vierten Jahr Garant, dass diese schulübergreifende Vernetzung gelingt. Gabriele Stiehl, neben Birgit Habersaat verantwortlich für das Projekt, lobt den Einsatz der jungen Menschen, „würde sich aber freuen, wenn wir für das kommende Schuljahr noch mehr Jugendliche für dieses Projekt begeistern könnten.“

Es fehlt nicht an öffentlichen Einrichtungen, die bereit sind, Schülern die Möglichkeit zu geben, Erfahrungen zu sammeln, denn 50 Namen stehen auf der Liste des Generationenhauses. Die Bandbreite geht vom Klinikum, über Seniorenheime zu Kindergärten. Feuerwehr und Wasserwacht bieten Einsatzmöglichkeiten, und auch das Stadtmuseum war Anlaufstelle für das Schülerprojekt „Geschichtsverstärker.“

Guter Wille genügt

Gleich zu Beginn des Schuljahres stellt das Generationenhaus bei den kooperierenden Schulen interessierten Jugendlichen das Projekt vor. Die Mess­latte ist mit 30 Stunden jährlich deutlich tiefer gehängt als beim Vorbild, dem „Neustädter Modell“ mit 80 Stunden. Marianne Baur, Pflegedienstleiterin des Heinzelmannstifts, berichtet, dass es auch Jugendliche gebe, die auf eigenen Wunsch deutlich mehr machten. Den Rekord hält ein Mädchen inne, das 354 Stunden bei der Wasserwacht ableistete.

Die möglichen Aufgabenfelder sind so vielfältig wie die Einrichtungen. Keine Angst, den professionellen Kräften wird die Arbeit nicht weggenommen, weil die Schüler als zusätzliche Helfer gesehen werden. Baur erklärt, dieses Engagement sei für beide Seiten vorteilhaft: Die Senioren würden in Rollenstühlen spazieren gefahren, und nicht selten ermöglichte ein freiwilliger Helfer, dass ein Rollstuhlfahrer mehr an einem gemeinsamen Ausflug teilnehmen könne. Beim Vorlesen und Unterhalten würden beide Seiten oft die Zeit vergessen. Wichtig sei laut Baur das ehrenamtliche Engagement, aber auch die Verbesserung der sozialen Kompetenz und die Erfahrung im Umgang mit alten Menschen seien hervorzuheben.

Die Einrichtungen müssten zwar die Schüler in das Arbeitsfeld einführen und die Helfer bräuchten einen festen Ansprechpartner, heißt es von Seiten des Klinikums, aber dies sei auch eine Investition in die Zukunft, schließlich fände sich so manch begeisterter Jugendlicher, der später in der Einrichtung ein „Freiwilliges Soziales Jahr“ (FSJ) oder sogar eine Ausbildung machte.

Unentgeltlich aber nicht umsonst

Auch Frank Hortig, Rektor der Gustav-Leutelt-Schule, zeigt sich begeistert vom freiwilligen Einsatz seiner Schüler, „weil junge Menschen sich verdient machen sollen für die Gesellschaft, in der sie leben.“ Es sei bedeutsam, dass junge Menschen zweck- und profitfrei arbeiten, und sich an Regelmäßigkeit, Verlässlichkeit sowie Eigenverantwortung gewöhnten. Durch die persönlichen Erfahrungen würden die Berufsvorstellungen konkreter und greifbarer. Sherzae Majda, eine von Hortigs afghanischen Schülerinnen (9. Klasse) engagierte sich in ihren Ferien im Kindergarten. Für sie eine wertvolle Kompetenzerfahrung, konnte sie doch den betreuten Kindern beim Erlernen der deutschen Sprache helfen. Das stärkte sichtlich ihr Selbstvertrauen.

Als Dankeschön organisiert das Generationenhaus zum Abschluss des Schuljahres ein gemeinsames Fest für die beteiligten Einrichtungen und vor allem für den engagierten Nachwuchs. Hier erhalten die Schüler ein offizielles Zertifikat mit der abgeleisteten Stundenzahl. Mehr als ein symbolischer Akt, schließlich verbessert dieser ehrenamtlichen Engagement nicht unwesentlich die Perspektive eine attraktive Ausbildungsstelle zu finden.

Alles in allem ein nachhaltiges Schulprojekt, das ausgebaut werden sollte, damit auch in Zukunft das Motto gilt: „Jugendliche gehen als Vorbild voran!“

von Peter Suska-Zerbes

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