Ärztin Dr. Sabine Kirchner war für humedica im liberianischen Krisengebiet

Ebola: "Niemandem die Hand reichen"

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In Liberia weisen Plakate auf Schutzmaßnahmen hin.

Kaufbeuren/Liberia – Die Verbreitung des Ebola-Virus hält die Welt weiter im Atem, und bisher ist noch kein Ende der Epidemie in Sicht. Noch in dieser Woche wird nach Einschätzung der Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Zahl der Infizierten die 9000er-Marke übersteigen.

Mehr als 4400 Menschen sind im Rahmen der aktuellen Krankheitswelle bisher an Ebola gestorben. Allgemeinmedizinerin Dr. Sabine Kirchner aus Stollberg (Sachsen) war für die Kaufbeurer Hilfsorganisation humedica im Krisengebiet rund um die liberianische Hauptstadt Monrovia und unterstützte dort die Organisation Medical Teams International (MIT). Nach ihrer Rückkehr sprach sie am Freitag exklusiv im Kreisbote über ihre persönlichen Eindrücke und die aktuelle Situation in dem westafrikanischen Land. 

Dr. Sabine Kirchner hat Erfahrung mit Katastrophen: Sie war bereits mehrmals für humedica in Krisengebieten, wie etwa auf den Philippinen nach dem Taifun Haiyan, der im November 2013 über Südostasien hinwegfegte. So stand es für sie außer Frage, für humedica zur Ebola-Bekämpfung nach Liberia zu fliegen, als die Organisation Mitte September anfragte. Nachdem sie sichergestellt hatte, dass die Reise mit der Organisation ihrer Stollberger Praxis konform ging, flog sie zwei Wochen später nach Westafrika. 

Kirchner landete mit einer Cargomaschine, die Hilfsgüter zur Unterstützung der Organisation Medical Teams International (MIT) in das Krisengebiet brachte. Die „Zusammenarbeit mit den Teams klappt dort super“, von MIT würden unter anderem die humedica-Helfer für den Einsatz in Liberia angelernt. Direkt mit Ebola-Patienten sei sie selbst allerdings nicht im Kontakt gekommen, so die Ärztin im Kreisboten-Interview: humedica-Helfer werden nicht vor Ort in den Krankenhäusern eingesetzt, vielmehr kümmern sie sich um die Aufklärungsarbeit zum Schutz der Bevölkerung. Diese Vorsorge ist laut Kirchner der effektivste Weg, um die Krankheit langfristig einzudämmen: „In den zweieinhalb Wochen, in denen ich in Liberia war, hat es in der Gegend der Hauptstadt Monrovia, wo ich eingesetzt war, nur einen neuen Erkrankungsfall gegeben. Dies ist vor allem auf die Aufklärungsarbeit zurückzuführen“, betont die Ärztin. 

Viele der lokalen, sogenannten „health center“ („Gesundheits-Zentren“) hätten ihre Türen nach dem Besuch von Ebola-Infizierten aufgrund von Quarantäne geschlossen. „Unsere Aufgabe war es daher, lokale Mitarbeiter im Infektionsmanagement, und Desinfektionsregeln zu schulen“, erzählt Kirchner. humedica setze im Kampf gegen das Ebolafieber vor allem auf Schulungen für die Bevölkerung und liberianische Mitarbeiter. Die Helfer von humedica nehmen dafür laut Kirchner vorab selbst an einer Schulung des Gesundheitsministeriums teil. Dabei geht es unter anderem darum, „wie man Schutzanzüge an- und auszieht, dass man am besten niemandem die Hand reichen soll und dass die Sicherheitsmaßnahmen, die unterschrieben werden müssen, streng eingehalten werden“. Denn Ebola wird nicht über die Luft, sondern über den Körperkontakt mit Infizierten übertragen. Größtenteils bekämen die humedica-Helfer für ihren Einsatz positives und dankbares Echo von den Einheimischen, freut sich Dr. Kirchner. 

Auch das liberianische Gesundheitsministerium sei beim Kampf gegen das Virus sehr aktiv. „Überall sieht man Plakate mit Hinweisen auf die Krankheit, wie man sich selbst am besten schützt und was bei einer Ansteckung zu tun ist. Der Gesundheitsminister spricht im Radio und im Fernsehen zu Schutz- und Behandlungsmaßnahmen“, schildert die deutsche Ärztin die Lage. Zudem seien an vielen öffentlichen Plätzen, wie etwa an Hoteleingängen, sogenannte Infrarot-Thermometer eingerichtet, damit die Menschen ohne direkten Körperkontakt auf Fieber getestet werden können. „Das ist sehr wichtig, weil viele Menschen hier befürchten, sich über eventuell schlecht desinfizierte, handelsübliche Fieberthermometer anzustecken." Aus Sicht der Ärztin sei es deshalb besonders wichtig, weiterhin möglichst viele Einheiten der sogenannten „Minimalausrüstung“, bestehend aus eben diesen Thermometern, Schutzhandschuhen, Basic- und Sicherheitsanzügen, Chlorbleiche, und Desinfektionssprays in die betroffenen Gebiete zu schicken, um örtliche medizinische „Center“ zu versorgen und die Ansteckungsrate damit in den Griff zu bekommen. Somit könne die Epidemie vorerst am wirksamsten eingedämmt werden, bis im kommenden Jahr der „Impfstoff, der von mehreren Pharmaunternehmen versprochen wird, auf den Markt kommt“, hofft Kirchner. Durch die Ebola-Welle wird aber auch ein ganz anderes Problem immer drängender: Da sich das liberianische Gesundheitsministerium momentan voll und ganz auf Ebola konzentriere, müsse dringend darauf geachtet werden, die medizinische Grundbetreuung nicht aus den Augen zu verlieren. Sonst „bleibt die Bekämpfung von Krankheiten wie Malaria und Tuberkulose oder Probleme wie das der Unterernährung, die es ja weiterhin gibt, auf der Strecke“. 

Die Allgemeinmedizinerin ist sich darum sicher, dass sie, wenn nötig, auf jeden Fall weiter in Krisengebieten arbeiten und auch direkt mit infizierten Patienten arbeiten würde. „Natürlich wäre es aber am schönsten, wenn die Krankheitswelle bald eingedämmt und ein Einsatz meinerseits daher nicht mehr nötig wäre, hofft Dr. Kirchner. von Martina Staudinger

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