Verein fühlt sich übergangen

Antragsbehandlung im Stadtrat sorgt für Unmut beim TV Kaufbeuren

Alte Turnhalle Kaufbeuren
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Eingebettet in ein neues Quartier mit später dann nicht mehr durchgängiger Heinzelmannstraße soll bis 2024 der Ersatzneubau der Turnhalle entstehen. Im Hintergrund sieht man die Schrader-Grundschule.

Kaufbeuren – Im Nachgang zur jüngsten Stadtratssitzung hat sich der TV 1858 Kauf­beuren e. V. noch einmal mit einem Schreiben an die Stadträte und an Oberbürgermeister Stefan Bosse gewandt. Reinhard Willemsen als Erster Vorsitzender des Vereins beklagt, dass der an die Fraktionen und die Verwaltung gerichtete Antrag bezüglich einer Erweiterung der geplanten Sporthalle am Krautlussweg in der Sitzung „freundlich formuliert nur ‚gestreift‘ worden“ sei (wir berichteten). Der OB teilte in seiner Antwort mit, dass alle Fraktionen sich im Vorfeld bewusst gegen eine Erweiterung aus finanziellen Gründen entschieden hätten.

In dem Schreiben von Willemsen heißt es: „Es wurde nicht konkret auf unseren Vorschlag eingegangen, sondern die entsprechende Folie nur kurz gezeigt und mit dem Hinweis, dass dies unmöglich sei, abgebügelt.“ Er hätte es sich „sehr gewünscht“, dass man sich im Vorfeld hätte abstimmen können und bezeichnete die Argumente gegen die vorgeschlagene Bauerweiterung als „schlicht falsch“. Denn eine Erweiterung des Hallenbaus um eine weitere „halbe“ Halle sei nach Aussage des hiermit befassten Architekten auf dem vorhandenen Grundstück problemlos möglich. Auch der weitere Einwand, dass die Planungen fast abgeschlossen seien und eine zusätzliche Planung das Verfahren verzögern würde, greife nicht durch, da die Planungen in den Grundzügen vorlägen und in jedem Falle bis zur Abgabe des Förderantrags am 30. September ergänzt werden könnten.

Der TVK könnte sich durchaus vorstellen, so schreibt er, sich an den entstehenden Mehrkosten beispielsweise durch eine entsprechende Pachtzahlung zu beteiligen. Allerdings müsste aber zunächst einmal ermittelt werden, welche Mehrkosten entstünden. Darüber hinaus wäre die Hallenerweiterung ja nicht nur für die rund 175 Turnerinnen und Turner des TVK nutzbar, sondern auch für weitere Gruppen, insbesondere auch Artistica Anam Cara. „Für ein konstruktives Gespräch stehe ich jederzeit gerne zur Verfügung“, heißt es am Ende.

In ihrer Antwort weist die Stadtspitze daraufhin, dass der Antrag auf Erweiterung der Neubauplanung der Turnhalle allen Stadtratsmitgliedern vollständig zur Beschlussfassung vorgelegen habe. Die vom Verein vorgeschlagene Erweiterung würde Mehrkosten von etwa 1,2 bis 1,5 Millionen Euro nach sich ziehen. Es dürfe auch nicht vergessen werden, dass bereits die Mehrkosten für die lichte Hallenhöhe von sechs Metern, die Anforderungen einer Versammlungsstätte und die zusätzlichen Lagerräume für Volleyball und Basketball von der Stadt getragen werden und diese auch der Vereinsnutzung zugute kämen. Bosse bedankte sich für das Angebot einer Pachtzahlung an den Mehrkosten und bezifferte diese inklusive zusätzlicher Betriebskosten auf jährlich mindestens 40.000 Euro.

Wolfgang Becker

Kommentar

Zweierlei Maß?

Die Stadt Kaufbeuren wird gerne mit dem Titel „familienfreundliche Stadt“ versehen. Zu diesem Markenzeichen gehört als ein Baustein auch die Förderung von Sport in einer möglichst hohen Bandbreite – also Vielfalt von Klein bis Groß, von Jung bis Alt. Dabei ist die Güterabwägung für diverse finanzielle Unterstützung nicht immer einfach und muss wohl bedacht werden. Eines darf jedoch nicht passieren: Es darf nicht mit zweierlei Maß gemessen werden!

Aktuell ist gerade eine Diskussion im Gange, die aber bei genauer Betrachtung durchaus Fragen aufwirft. Auf der einen Seite sind Fans des Eishockeyvereins empört, weil sie ihre versprochenen Zwischenstufen mit Kosten in Höhe von mindestens 230.000 Euro nicht sofort bekommen, befürchten quasi einen Wortbruch seitens der Stadt und lehnen gar ein Gesprächsangebot von KU-Vorstand Markus Pferner ab. Auf der anderen Seite ist ein seit über 150 Jahren vor Ort ansässiger Sportverein mit großem Engagement ehrenamtlicher Kräfte im Breitensport, der mit seinem Antrag auf Erweiterung einer Sporthalle aus finanziellen Gründen quasi „abgebügelt“ wird.

Das Argument, es gehe in erster Linie um eine Halle für die Verbesserung der Schule mag seine Berechtigung haben, doch für das Eisstadion wurden seinerzeit auch – durchaus berechtigt – 24 Millionen Euro in die Hand genommen. Der beschlossene Neubau der Halle kostet knapp neun Millionen Euro, eine gewünschte Erweiterung der Halle vielleicht eine gute Million Euro, die aber einer Vielzahl von anderen sportlich tätigen Gruppen wie auch Anam Cara zugute kämen. Die Frage nach „zweierlei Maß“ darf da wohl gestellt werden...!

Wolfgang Becker

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