Anwohner an Alpenstraße gegen höhere Bebauung

Buchloes Stadtrat steckt wegen der Nachverdichtung in der Bredouille

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Auf dem Gelände eines ehemaligen Bauernhofes könnten nach dem Willen von Bauträgern bis zu 30 Wohnungen entstehen. Die Anwohner laufen dagegen Sturm. Nun muss der Stadtrat entscheiden, wie hoch gebaut werden darf. Das Haus gegenüber des Baugrundstückes hat drei Vollgeschosse und ein ausgebautes Dachgeschoss. Das wäre den Anwohnern schon zu hoch.

Buchloe – Wie hoch darf man in Buchloe bauen? Mit dieser Frage wird sich der Stadtrat in den nächsten Jahren noch öfter beschäftigen müssen. Jüngster Fall ist eine landwirtschaftliche Hofstelle an der Alpenstraße, die abgerissen wurde. Das knapp 3300 Quadratmeter große Grundstück wurde an zwei Bauträgergesellschaften verkauft.

Die wollen im nördlichen Teil des Grundstückes zwei Wohnhäuser mit je neun Wohneinheiten errichten. Im südlichen Teil ist ein weiterer Baukörper mit zwölf Wohneinheiten angedacht. Einen Bebauungsplan gibt es für diesen Bereich nicht. Also würde der § 34 des Baugesetzbuches zum Tragen kommen. Der besagt, dass sich ein Neubau in die Umgebungsbebauung einzufügen habe.

Im konkreten Fall war der Wunsch der Bauträger eine viergeschossige Bauweise. Da spielte aber die Baubehörde des Landratsamtes nicht mit, denn nach § 34 Baugesetzbuch gibt es in der unmittelbaren Umgebung keine viergeschossige Bebauung. Der Ausweg wäre ein Bebauungsplan gewesen.

Wie man im Stadtrat in der jüngsten Sitzung feststellen musste, hatte man die Rechnung ohne die Anwohner gemacht. Die waren scharenweise zur Stadtratssitzung gekommen. Die Zahl der Besucherstühle reichte nicht aus. Bürgermeister Josef Schweinberger schob wegen der vielen Besucher den Tagesordnungspunkt an den Anfang der Sitzung.

Die Forderung der Anwohner war eine niedrigere Bauweise. Schattenwurf, steigendes Verkehrsaufkommen und auch architektonische Gestaltung waren die Hauptkritikpunkte des dreiseitigen Briefes an den Bürgermeister.

Das Grundproblem in Buchloe und auch anderswo ist die ungebremste Nachfrage nach Wohnraum. Andererseits soll auch dem Flächenfraß entgegengewirkt werden. Bleibt als Ausweg, in die Höhe zu bauen. Der Kreisbote hatte über das Problem bereits berichtet.

Deshalb einigte man sich nach den Anwohnerprotesten schon im Bauausschuss auf den Verzicht eines Bebauungsplanes und erklärte sich mit einer dreigeschossigen Bauweise plus ein ausgebautes Dachgeschoss einverstanden.

Den Anwohnern war das aber immer noch zu hoch. Einige der Stadträte, die im Bauausschuss noch für eine dreigeschossige Bauweise plus Dachgeschoss gestimmt hatten, übernahmen die Argumente der Anwohner und forderten nun eine zweigeschossige Bauweise plus Dachgeschoss. „Nachverdichtung ja aber mit Augenmaß“ war das Argument vieler Stadträte. In den Neubaugebieten könne man ja höher bauen, sagte Maximilian Hartleitner von der Fraktion der Demokraten für Buchloe. Nachdem er sich anfangs für die dreigeschossige Lösung plus Dachgeschoss ausgesprochen hatte, schwenkte er später auf die niedrigere Lösung um. Monika Strohmayer von der gleichen Fraktion warf der Stadt vor, man habe keine grundsätzliche Linie für die Nachverdichtungen. „Massive Baukörper werden in alte Wohngebiete hineingepresst“. Bürgermeister Josef Schweinberger konterte, bei Nachverdichtungen müsse man auf jeden Fall Einzelfallentscheidungen treffen.

Der Rathauschef merkte an, alle Parteien seien für die Nachverdichtung, um dem Flächenfraß Einhalt zu gebieten. „Dort wo wir nun die Möglichkeit haben, wird dagegen opponiert. Das verstehe er nicht“, sagte Schweinberger.

Robert Pöschl (CSU) gab zu bedenken, man dürfe das Thema nicht nur baurechtlich betrachten sondern auch den zusätzlichen Verkehr im Auge behalten. Das Argument rief den Widerstand von Hubert Zecherle (UBI) hervor. „Auch die heutigen Anwohner sorgen für Autoverkehr“. Zecherle, bekanntlich ein engagierter Kämpfer gegen den Flächenfraß, will das Thema Nachverdichtung in seiner Gesamtheit betrachtet wissen. „Wenn wir weniger Wohnungen bauen, steigen die Mietpreise noch mehr“. Schon heute sei es schwer, für die eigenen Kinder Wohnungen in Buchloe zu bekommen. Auch Grünenvertreterin Evi Klein musste zugeben „mehr Wohnraum brauchen wir schon“. Sie forderte eine Ortsbesichtigung. Stadtrat Rudolf Grieb (UBI) sah in einer dreigeschossigen Bauweise mit zusätzlichem Dachgeschoss einen guten Kompromiss.

Die Diskussion zeigte, dass die Nachverdichtung für den Stadtrat wie die Quadratur des Kreises ist. Für Eva Kienzle (FWV) ist klar, dass man den eigenen Bürgern verpflichtet sei. Dem gegenüber steht der Stadtrat unter dem Zugzwang, mehr Wohnraum zu schaffen aber gleichzeitig auf den Flächenfraß zu achten.

Bürgermeister Josef Schweinberger wollte keine Entscheidung über das Knie brechen. Er ließ nur darüber abstimmen, dass eine viergeschossige Bauweise nicht befürwortet und auch kein Bebauungsplan aufgestellt werde. Ob nun zwei oder dreigeschossig nach § 34 gebaut werden darf, soll nach einer weiteren Diskussionsrunde im Stadtrat entschieden werden. „Dann können wir über Weihnachten noch einmal alle Argumente gegeneinander abwägen“, so der Bürgermeister.

von Siegfried Spörer

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