Vorteile einer „grünen Oase“

Fällen nur nach fachlicher Erfordernis

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Die parkähnliche Gestaltung des 1985 errichteten Wohngebiets „Im Gewend“ hat Ausnahmecharakter und ist wegen seiner vorbildlichen grünplanerischen Leistung bereits ausgezeichnet worden. Manchen Anwohnern wachsen die städtischen Bäume jedoch über den Kopf. Sie fordern ihre Fällung.

Marktoberdorf – Wieder einmal entzweite die Frage, ob und wann ein städtischer Baum gefällt werden darf, die Gemüter. Dieses Mal ging es nicht um die als Naturdenkmal eingestufte Lindenallee, sondern um Marktoberdorfs großzügigstes und werthaltigstes Wohngebiet, „Im Gewend“.

In großer Runde diskutierte der Stadtrat am Montag, welches Maß an Pflege den städtischen Grünanlagen dort zukommen soll. Ganz konkret ging es darum, wie viel an Hecken, Sträuchern und Bäumen geschnitten, gemäht und gekürzt werden darf, um den Biotop-Charakter des Wohngebiets nicht zu gefährden. 

Andererseits nehme man den Wunsch einzelner Anwohner durchaus ernst, Bäume aus Gründen der Verschattung oder Verschmutzung zu entfernen beziehungsweise zurückzuschneiden, hieß es aus der Stadtverwaltung. „Die Forderungen vonseiten der Anwohner im Gewend sind völlig gegensätzlich“, berichtete Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell. „Manche wollen zum Schutz von Igeln und Vögeln jegliche Pflegemaßnahmen unterlassen, andere fordern eine völlige Rodung.“

Um Klarheit zu bekommen, lud der Stadtrat daher zu einem Ortstermin ins Gewend. Eine eindeutige Linie, wie mit den hochgewachsenen Bäumen grundsätzlich zu verfahren sei, ließ sich aber auch dann nur schwer finden. 

Vorteil "grüne Oase" 

Von einem „Luxusproblem“ sprach Andreas Grieser (CSU), wenn ein Baum 20 Meter vom Haus entfernt den Garten verschattet. „Kein Hausbesitzer kann auf freie Sicht bis zum Mittelmeer bestehen“, schloss er an. Walter Breiner (Freie Wähler) zeigte mehr Verständnis. Zu wenig Licht schade der Gesundheit, sagte er und forderte einen Kompromiss für einzelne Anwohner. 

Auch Eduard Gapp (CSU) befürwortete eine Abwägung der örtlichen Umstände: „In manche Wohnung fällt kein Licht mehr“, betonte er. Dies habe auch Auswirkungen auf die Heizkosten. 

Umweltreferent Christian Vavra sah nach Gesprächen mit einer Vielzahl von Anwohnern allerdings keinen Handlungsbedarf: „Die Mehrzahl der Bewohner schätzt das Gewend so grün, wie es ist“, fasste Vavra eine Umfrage zusammen, die er im Sommer von Haus zu Haus gehend gestartet hatte. Wirtschaftliche Nachteile, wie die Verschmutzung von Solaranlagen durch herabfallendes Laub, wollte der Grünen-Stadtrat nicht gelten lassen. Die Vorteile einer „grünen Oase“ seien wichtiger. 

Am Ende einer sich hinziehenden Diskussion beschloss der Stadtrat, die regelmäßige Pflege der Grünanlage wie gehabt der Kompetenz der Bauhofgärtnerei zu überlassen. Eine Fällung von Bäumen wird auch künftig nur nach fachlicher Erfordernis erfolgen. Wenn also die Standsicherheit des Baums gefährdet ist oder Abstandsflächen nicht eingehalten werden. 

Eine Verschattung oder Verschmutzung von Grundstücken wie auch Solaranlagen stellen keinen Grund für ein Abholzen dar. Dies machte der Stadtrat zum Bedauern einiger Anwohner deutlich. Ganz glücklich zeigte sich auch der Bürgermeister nicht. Schließlich hatte es nur eine knappe Mehrheit (zwölf zu neun Stimmen) für diese Entscheidung gegeben.

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