Diskussion ist "Augenwischerei"

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Buchloes Stadtrat beim Ortstermin Am Hohen Weg. Dort soll auf einem Grundstück (Hintergrund) eine Wohnanlage mit 13 Wohneinheiten entstehen. Das empfindet nicht nur Anwohnerin Christa Godeck (rechter Bildrand) als zu groß.

Buchloe – Es ist schon eine etwas kuriose Geschichte. Am Hohen Weg in Buchloe soll ein Wohngebäude mit 13 Wohneinheiten entstehen. „Zu groß“ sagen die Anwohner. „Wir können nichts machen, denn der Bauantrag entspricht dem gültigen Bebauungsplan“, sagt Stadtbaumeister Herbert Wagner. Zur Vorgeschichte gehört aber auch, dass der Bebauungsplan vor zwei Jahren geändert wurde. Allerdings war damals eine kleinere Wohnanlage mit zwei Doppelhäusern und einem Einfamilienhaus geplant gewesen. Die Anwohner waren sogar befragt worden und hatten ihr Einverständnis signalisiert.

Bereits im Bauausschuss vor einigen Wochen war über das Bauprojekt heftig diskutiert worden. Damals waren die Ausschussmitglieder der Meinung gewesen, der Stadtrat solle einen Ortstermin machen. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob sich das geplante Neubauobjekt in das Gesamtbild des von Ein- und Zweifamilienhäusern aus den 1960er Jahren geprägte Wohngebiet einfügt.

Das spielt aber alles letztlich keine große Rolle, denn der Stadt sind die Hände gebunden. „Sie ist nicht mehr Herr des Verfahrens“, sagte Stadtbaumeister Herbert Wagner. Über den Bauantrag entscheidet einzig und allein die Bauabteilung des Landratsamtes in Marktoberdorf. Ein Prüfkriterium ist, ob der eingereichte Bauantrag dem gültigen Bebauungsplan entspricht. Herbert Wagner erklärte den Anwohnern, alle Kriterien des Bebauungsplanes, wie beispielsweise Bauhöhen, Zahl der geforderten Parkplätze oder Abstände zu den Nachbargrundstücken und zur Straße, seien eingehalten worden.

Den alten Bebauungsplan aus den 1960er Jahren hatte die Stadt aber mehr oder weniger für die damals geplante kleine Wohnanlage mit den fünf Wohneinheiten geändert. Erklärtes Ziel in Buchloe sei es, eine Verdichtung im Stadtgebiet zu erreichen, das heißt, mehr Wohnraum zu schaffen, begründete Buchloes amtierender 3. Bürgermeister Manfred Beck in Vertretung vom erkrankten Bürgermeister Josef Schweinberger in der anschließenden Stadtratssitzung.

„Diese ganze Diskussion ist doch Augenwischerei“, schimpfte Elfriede Klein von den Grünen, „wenn wir keine Entscheidungsbefugnis haben“. Dem widersprach Manfred Beck. „Wir nehmen sehr wohl die Bedenken der Anwohner zur Kenntnis“, sagte Beck und ergänzte, grundsätzlich sei die Verdichtung gewollt.

„Wir haben den Bebauungsplan geändert, aber so passt das nicht zum Wohngebiet Am Hohen Weg“, betonte Eva Kienzle von den Freien Wählern. Das geplante Gebäude mit dem Pultdach sei wunderschön, aber bitte nicht an dieser Stelle. Deshalb lehne sie den Bauantrag ab.

Die parteilose Monika Strohmayer wies darauf hin, dass durch die ihrer Meinung nach zu große Wohnanlage auch mehr Verkehr auf einer nicht ausgebauten Straße entstehe.

„Der Zuzug nach Buchloe wird anhalten“, prognostizierte Stadtrat Rudolf Grieb (UBI). Auch wenn es Nachteile für die Anwohner habe, müsse man mehr Wohnraum schaffen, möglichst ohne zusätzlichen Flächenverbrauch, sagte der Stadtrat.

Bürgermeister Manfred Beck wies darauf hin, dass auch, wenn der Stadtrat den Bauantrag ablehne, sich das Landratsamt jederzeit darüber hinwegsetzen könne. Das sei auch in der Vergangenheit schon geschehen.

Eva Kienzle war auch nicht die Einzige, die aus ihrer Ablehnung keinen Hehl machte. Die anschließende Abstimmung ergab, dass sich neun der 21 anwesenden Stadträte nicht mit dem Bauvorhaben abfinden wollten. Zwölf Stadträte stimmten dem Bauantrag zu. Somit wurde das städtische Einvernehmen erteilt.

So ganz kampflos wollen die Anwohner aber nicht aufgeben. Christa Godeck ist Anwohnerin des Nachbarschaftsgrundstückes und somit direkt Betroffene. Sie kritisierte gegenüber den Buchloe Stadtratsmitgliedern, dass die Nachbarn erst spät von den Neubauplänen erfahren hätten. Godeck betonte gegenüber unserer Zeitung: „Die Nachbarn wollen auf jeden Fall noch etwas unternehmen“.

von Siegfried Spörer

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