Apfeltranger Windradgegner gründen Verein „Apfeltrang – Windradfrei“

"Wir müssen lästig sein!"

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Apfeltrang – Der Widerstand gegen die Pläne der Firma MODwind, in Apfeltrang drei Windräder zu errichten, formiert sich: Am vergangenen Mittwoch wurde der Verein „Apfeltrang – Windradfrei“ gegründet. Von den knapp 60 Anwesenden entschlossen sich 50 Personen, dem Verein als Gründungsmitglied beizutreten.

Der Bau von Windkraftanlagen wird seit Langem höchst kontrovers diskutiert: Während die Einen darin einen wichtigen Beitrag zur alternativen Energiegewinnung aus regenerativen Rohstoffen sehen, beklagen die Gegner einen unverantwortlichen Eingriff in das Landschaftsbild und befürchten einen erheblichen Schaden für Natur und Umwelt. Abseits von ideologischen Streitfragen hat sich in Apfeltrang aber ein Bündnis formiert, das hier Windräder vor allem wegen der örtlichen Gegebenheiten ablehnt (wir berichteten mehrfach). Aus diesem Kreis kam nun die Forderung nach einer Vereinsgründung.

Richard Kroha, ein Hauptbetroffener, dessen Anwesen nur unwesentlich mehr als 500 Meter von den geplanten Windkraftanlagen liegt, hatte gemeinsam mit seinen Mitstreitern zu einer Gründungsversammlung in den Gasthof „Hubertus“ nach Apfeltrang eingeladen. In vollbesetztem Saal begrüßte er knapp 60 Interessierte und gab einen Bericht über die verschiedenen Aktivitäten, die in den vergangenen Monaten zur Verhinderung der Investorenpläne umgesetzt wurden. Dabei kam die erste Unterschriftenaktion von Sieglinde Horatschek und Horst Holzhauer zur Sprache. Beide konnten der Landrätin 500 Unterschriften betroffener Bürger übergeben.

Neben diversen Informationsveranstaltungen ging Kroha dann auch auf die Petition an den Bayerischen Landtag ein. Er bedankte sich beim anwesenden Landtagsabgeordneten Bernhard Pohl sowie Filmemacher Leo Hiemer für die tatkräftige Unterstützung und stellte fest, dass die Erwartungen bei weitem übertroffen wurden. „Am Anfang haben wir auf 500 Unterstützer gehofft. Nach mehreren Infoständen und intensiver Aufklärungsarbeit haben wir eine geradezu unvorstellbare Zahl von beinahe 2500 erreicht. Das zeigt, dass auch im Landkreis und insbesondere auch aus Kaufbeuren gewaltiger Rückenwind für unser Anliegen kommt“, so Kroha.

Petition: Entscheidung vertagt

Mit Blick auf die Petition an den Bayerischen Landtag erklärte Pohl, dass die Entscheidung darüber vertagt wurde. Der Ausschuss für Wirtschaft, Technologie und In­frastruktur hatte sich vergangene Woche mit der Petition gegen den Bau von drei Windrädern in der Gemeinde Apfeltrang befasst. Sie bezweckt die Rücknahme der erteilten Genehmigungen für die geplanten Windkraftanlagen. Parallel dazu sind Klagen der Gemeinde Ruderatshofen sowie des Bundes für Vogelschutz gegen die Anlagen anhängig. Pohl, der die Petition maßgeblich unterstützt hat, hat im Einvernehmen mit seinem Kollegen Klaus Holetschek (CSU) die Zurückstellung der Behandlung bis nach dem Gerichtstermin vom 11. Oktober beantragt. „Mein Kollege Holetschek hat mir signalisiert, dass zumindest derzeit ein positiver Bescheid für die Petition nicht zu erwarten ist. Wir hätten somit eine Ablehnung riskiert. Mein Kollege von der CSU wollte zudem abwarten, welche Vorgaben das Gericht macht und wie es die Frage grundsätzlich beurteilt. Danach kann man die in der Petition vorgebrachten Argumente möglicherweise fundierter würdigen. Vor diesem Hintergrund habe ich mich mit einer späteren Behandlung der Eingabe einverstanden erklärt“, so Pohl.

Pohl wirbt um Vereinsgründung

Pohl warb in der Versammlung für die Unterstützung des neu zu gründenden Vereins. „Wir haben zwar juristisch kein Klagerecht. Wir müssen aber den Protest gegen die Verunstaltung unserer Heimat und die drohende Zerstörung eines Naherholungsgebiets deutlich machen. Seit Jahrzehnten verläuft dort die Langlaufloipe, auch überregional bedeutende Wanderwege sind betroffen. Außerdem kann es nicht angehen, dass die Windräder in unmittelbare Nachbarschaft der Bebauung und sogar eines renommierten Hotels rücken“, so der Abgeordnete. Er bedankte sich beim anwesenden Bürgermeister Johann Stich und allen Mitgliedern des Gemeinderates dafür, dass sie sich einstimmig für eine Klage zum Verwaltungsgericht ausgesprochen und diese auf den Weg gebracht haben.

Für Pohl ist es besonders wichtig, dass mit einer Vereinsmitgliedschaft Zeichen gesetzt werden: „Gerade der Gemeinderat muss wissen, dass die Bevölkerung die Windräder nicht will. Eine Klage hat natürlich auch finanzielle Auswirkungen auf die Kommune. Da ist es besonders wichtig, den Entscheidungsträgern den Rücken zu stärken und zu demonstrieren, dass sie den Rechtsweg mit Billigung und Unterstützung der Bevölkerung beschritten haben.“

Der Verein macht nach Pohls Ansicht aber auch dann noch Sinn, wenn das Gericht sich für die Errichtung der Windkraftanlagen ausspricht.

Die Genehmigung des Landrats­amts enthalte eine ganze Reihe von Auflagen. „Natürlich muss das Landratsamt die Einhaltung dieser Auflagen kontrollieren. Wir wissen aber auch, dass eine 24-Stunden-Kontrolle nicht möglich sein wird. Daher müssen wir lästig sein und eine hohe Kontrolldichte einfordern, insbesondere dann, wenn der Betreiber es nicht so genau nehmen sollte. Bei beharrlichen Verstößen gegen Auflagen sind Genehmigungen auch widerrufbar“, so Pohl. Er bat die Anwesenden, dem Verein zahlreich beizutreten und erläuterte anschließend eine im Vorfeld der Veranstaltung formulierte Vereinssatzung, die dann mit kleinen Änderungen auch von den Neumitgliedern einstimmig angenommen wurde.

Vorstand gewählt

Unter Federführung von Bürgermeister Stich fanden anschließend die Vorstandswahlen statt. Zum Vorsitzenden wählten die Mitglieder Richard Kroha, seine vier Stellvertreter sind Gerd Streul, Gerhard Wintergerst, der Allgäuer Filmemacher Leo Hiemer und Bernhard Pohl. Als Schatzmeisterin fungiert Andrea Jäckel, Schriftführer ist Peter Kerwer. Sämtliche Vorstandsmitglieder wurden ohne Gegenstimme gewählt.

Am 11. Oktober findet die mündliche Verhandlung der Klage der Gemeinde Ruderatshofen gegen die Windradgenehmigungen vor dem Verwaltungsgericht Augsburg statt. Einige der Vereinsmitglieder werden dem Gerichtstermin beiwohnen und hoffen auf eine Entscheidung in ihrem Sinne und im Sinne der Bürger von Apfeltrang und Umgebung.

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