Arbeiten in der Fußgängerzone im Zeitplan

"Viele Fachleute"

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Der Schein trügt: Richtig verlegt ist die rechte Kante neben der Regenablaufrinne, die linken Steine werden noch angehoben.

Kaufbeuren – „Wo gehobelt wird, fallen Späne“ lautet ein altes Sprichwort. Im übertragenen Sinne könnte es so angewendet werden: „Wo gearbeitet wird, passieren Fehler“. Das gilt auch für die Arbeiten an und in der Kaufbeurer Fußgängerzone.

In letzter Zeit waren die Pflasterarbeiten durch Mängel in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt (wir berichteten). In der vorigen Woche nahm auch Raimund Reichle vom beauftragten Unternehmen Hubert Schmid im Rahmen der monatlichen Informationsrunde Stellung zum Stand der Arbeiten und den aufgetretenen Problemen beim Pflastern. „Es gibt nun viele ,Fachleute‘, die vermeintlich genau wissen, wie man es machen muss“, kommentierte der Bauleiter.

Bei der öffentlichen monatlichen Informationsrunde im Büro am Salzmarkt wurden Anwohner, Geschäftsinhaber und interessierte Bürger über den aktuellen Stand der Arbeiten seitens Stadt und der beteiligten Unternehmen informiert. „Rund zwei Drittel der Bauarbeiten sind nun nach 22 Wochen abgeschlossen“, berichtete Andreas Negele als städtischer Projektleiter. Der Termin der Fertigstellung für Ende Oktober/Anfang November stehe nach wie vor, auch wenn das Tänzelfest „ein paar Tage gekostet“ habe. Für die von einer Bürgerin angesprochene Lärm- und Staubbelästigung beim Schneiden der Steine versprach Reichle Abhilfe durch einen Bauwagen mit zusätzlicher Dämmung, in dem die Steinsäge untergebracht werden soll. „Wir müssen 1.800 Meter Steine schneiden, es geht nicht anders“, stellte er fest.

Pflasterarbeiten im Fokus

Hinsichtlich der Pflasterarbeiten sagte Negele: „Auch bei den verlegten Bereichen ist noch nicht alles fertig und wird zum Teil noch nachgearbeitet“. Einzelne Kanten und Erhöhungen seien sogar konstruktiv so vorgesehen und nicht als Stolperfallen zu verstehen, obwohl dies so aussehe. Beispielhaft benannte er die neben der Regenrinne laufenden Pflastersteine, die höher sein müssten, weil sie sich im Laufe der Zeit noch setzen würden. Abschließende Steine würden noch angehoben, sodass das Wasser auch in die Rinne laufe.

Aus Sicht des Bauleiters sind die entstandenen Ungenauigkeiten durch Messfehler entstanden und gewisse Kontrollen seien nicht korrekt durchgeführt worden. Das Material sei zwar „1A-Topqualität“, dürfe aber bis zu zwei Millimeter Toleranz aufweisen. Hinzu komme, dass eine Fuge zwischen vier bis acht Millimeter betragen könne. „Da kann sich auf etlichen Metern Länge ein Messfehler summieren“, stellte der Fachmann fest. Das Problem sei erkannt und abgestellt. Für die einzelnen fertiggestellten Bauabschnitte gebe es eine sogenannte „Technische Zustandsfeststellung“, eine Abnahme erfolge aus rechtlichen Gründen erst nach kompletter Fertigstellung der Fußgängerzone.

Portugiesen sind Facharbeiter

„Es ist extrem, was Leute inzwischen stehen bleiben und kritisieren“, so Reichle. Auch wenn die meisten freundlich seien, gebe es aber auch andere. Dies stelle vor allem eine emotionale Belastung der mit dem Pflastern beschäftigten Arbeiter dar. Es habe ihn fast einen Tag Gespräche gekostet, um die sechs portugiesischen Mitarbeiter wieder zu motivieren, welche pro Tag rund 20 Tonnen Steine verarbeiten. Es handele sich um ganzjährig angestellte Facharbeiter der Firma Thiele, einem deutschen Subunternehmen der Firma Schmid. Das Unternehmen ist nördlich von Passau im Bayerischen Wald angesiedelt und arbeitet seit über 90 Jahren mit Naturstein und Granit. „Und die Portugiesen gelten in Europa allgemein als gute Natursteinpflasterer“, sagte der Bauleiter.

von Wolfgang Becker

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