Bauarbeiten fördern Funde aus der Hallstattzeit zutage

"Datiert bis 800 vor Christus"

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Marcus Simm und Stefan Hanöffner konnten bei den Ausgrabungen der letzten Wochen Scherben und Reste einer Feuerbestattung sichern.

Kaufbeuren – Auf einem Flurstück der Stadt Kaufbeuren wurde jetzt ein Hügelgrab aus der sogenannten Hallstattzeit (8. bis 7. Jahrhundert vor Christus) freigelegt und einige Scherben gesichert. 

Gespannt haben in den letzten Wochen viele Kaufbeurer Geschichtsinteressierte sicherlich auf die Nachricht von einem archäologischen Fund gewartet: Hatten doch unter der Leitung der Archäologen Marcus Simm und Stefan Hanöffner und auf Auftrag der kreisfreien Stadt bereits vor rund vier Wochen mit archäologischen Grabungen begonnen (wir berichteten), nachdem im Rahmen von Bauarbeiten Hinweise auf ein „Bodendenkmal“ aufgetaucht waren. Jetzt konnten Reste von Gefäßen sowie Hinweise auf eine Feuerbestattung gesichert werden.

Trotz widriger Wetterbedingungen in den letzten Wochen, mit Regen, eisigem Wind und Schnee haben sich Marcus Simm und Stefan Hanöffner vom Büro für Archäologie schichtweise an die Relikte aus der Hallstattzeit herangearbeitet und wurden für ihre Mühen mit dem Fund von mehreren Gefäßen – oder zumindest mit den entsprechenden Scherben – belohnt. Aufgrund von Machart und Verzierungen lässt sich eine relativ genaue Datierung auf die Zeit von 800 bis 700 vor Christus machen. Dies ordnet die Funde in die sogenannte „ältere Hallstattzeit“ ein, benannt nach den ersten Funden von Relikten dieser keltischen Kultur in der Nähe von Hallstatt/Hallein in Österreich,  so die Spezialisten. Finanziert wurde die Ausgrabung von der Stadt Kaufbeuren. Deren Vertreter Ulrike Gerber vom Unteren Amt für Denkmalschutz und Peter Igel vom Büro für Wirtschaftsförderung waren bei der Präsentation der Funde in der vergangenen Woche ebenfalls dabei und zeigten sich sehr beeindruckt von den Funden, vor allem aber auch von der fachkundigen Arbeit der beiden verantwortlichen Archäologen. Mit einem Durchmesser von 20 Metern sei das Hügelgrab bereits seit 1987 durch Luftbildarchäologie bekannt. Leider, betont Marcus Simm, würden beispielsweise durch das Tiefpflügen für den Maisanbau immer wieder solche Relikte zerstört. Durch die „gute Zusammenarbeit mit der Stadt Kaufbeuren und Amt für Denkmalpflege“, so der Experte, konnten in diesem Fall die Funde gesichert werden.  

Da laut den Archäologen in der Hallstattzeit die Feuerbestattung praktiziert wurde,  konnten in diesem Fall „nur“ geringe Aschenreste, „calcinierte“ (durch Verbrennung zersetzte) Knochensplitter und etwas verrottetes Holz, aber auch vier Gefäße mit Durchmessern von 30 bis 80 Zentimetern – vermutlich Grabbeigaben – gesichert werden. Weitere Gefäße wären wohl noch im Boden zu finden,  die Ritzlinien der aktuellen Fundstücke mit einem Tannenbaummuster sowie die rote Grundfarbe der Gefäße, so Stefan Hanöffner, lassen aber bereits eine konkrete Einordnung zu. Das ursprüngliche Grab war die erste Bestattung in dem Hügel. Sie ist wohl einer wichtigen Persönlichkeit zuzuordnen, deshalb auch die hölzerne Grabkammer, welche jedoch heute nur noch als schwarze Färbung des Bodens erkennbar ist. Vermutlich handelte es sich bei dem Bestatteten um einen Händler für Eisen oder Salz, mit Sitz in der damaligen Siedlung, die sich aber wohl an der Wertach und nicht auf der Höhe des Grabhügels befand, da dort die Witterungsbedingungen insbesondere der Wind bis heute unwirtlich sind. Es folgten wohl später noch weitere Nachbestattungen, jedoch war es bereits in der Antike durchaus üblich, Gräber zu berauben, um sich wertvolles Metall von Schwertern und sonstigen Grabbeigaben zu sichern. Die Fundstücke werden jetzt in Thierhaupten weiter untersucht und es soll auch versucht werden, die Gefäße zu rekonstruieren, was nach Einschätzung der Fachleute wohl auch durchaus machbar sein wird. Nach Abschluss der wissenschaftlichen Bearbeitung sollen die Funde dann im Stadtmuseum von Kaufbeuren ausgestellt werden, so Peter Igel von der Stadt Kaufbeuren. Die Ausgrabungen werden je nach Witterung noch in den kommenden Wochen weitergehen, um zu klären, ob im Umfeld des Hügels noch Bestattungen vorhanden sind. Die Ausgräber halten noch weitere Funde für möglich, allerdings sind nach Aussage von Hanns Dietrich vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege  „keine Sensationen mehr zu erwarten“. Derartige „Nachbestattungen“ seien oft nur schlecht erhalten, zudem seien damals – außer den verbrannten Resten der Toten – keine Funde beigegeben worden. Daher ist auch nicht zu befürchten, dass das Interesse von „Hobbyarchäologen“ für verbotene und unsachgemäße Grabungen geweckt wird. Das Betreten des Grabungsgeländes bleibt strikt verboten und wird überwacht. von Ferdinand Schmalholz

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